Mainz hat seit einem Jahr eine Umweltzone, zusammen mit der Stadt Wiesbaden. Unumstritten war ihre Einführung nicht, gibt es doch durchaus erst zu nehmende Studien, die sagen, dass die Umweltzonen für die Senkung der Feinstaubwerte in den Städten kaum etwas bringen. Deshalb hält sich die Stadt Mainz mit der Bewertung des ersten Jahres auch zurück: Konkrete Zahlen soll es erst nach drei Jahren geben. Unterdessen sagt Darmstadt ebenfalls Ja zur Aussperrung der Stinker.

Umweltplakette auf der Windschutzscheibe eines Autos - Foto: gik
Umweltplakette auf der Windschutzscheibe eines Autos – Foto: gik

Die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung stimmte am Donnerstag mit großer Mehrheit für eine Umweltzone in ihrer Stadt. Ob das allerdings etwas für die Senkung des giftigen Feinstaubs bringt, ist umstritten.

Auch in Mainz wurde über Jahre hinweg wurde bei den Verantwortlichen der Stadt hin und her diskutiert, mal kam die Umweltzone, mal kam sie nicht. Im Februar 2011 benannte dann ein Gutachten die unangenehme Wahrheit: dass die Umweltzone nicht wirklich die erhoffte Erleichterung in Sachen Luftreinhaltung bringt. Der Effekt bereits existierender Umweltzonen sei ein minimaler, die gefährlichen Schadstoffe würden gerade mal um drei bis sechs Prozent verringert, rechneten die Gutachter vor. So gering waren errechneten Effekte, dass selbst die Grünen den Plan einer Umweltzone erst einmal auf Eis legten.

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Die Wende nach der Wende kam durch eine Klage oder vielmehr: deren Androhung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits erfolgreich die Stadt Wiesbaden auf Einführung einer Umweltzone verklagt – und drohte mit demselben Schritt auch für Mainz. Die DUH sieht in Umweltzonen nach wie vor „das effektivste Einzelinstrument“ zur Verbesserung der Luftqualität in Ballungszentren und beruft sich dabei auf Studien der Weltgesundheitsorganisation, die aber vorwiegend Dieselabgase untersucht hatte.

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden gab im Oktober 2011 der DUH recht, nun war Wiesbaden in Zugzwang – und damit auch Mainz. Denn das Wiesbadener Stadtgebiet umfasst ja bekanntlich auch die emotional zu Mainz gehörenden rechtsrheinischen Stadtgebiet Amöneburg, Kastel und Kostheim – die AKK-Gebiete. Und so endet die Wiesbadener Stadtgrenze genau auf der Mitte der eigentlich in Mainz liegenden Theodor-Heuss-Brücke. Im Extremfall hätten also Autos mitten auf der Brücke anhalten und zurückfahren müssen….

So weit wollte man es in Mainz dann doch nicht kommen lassen. Im Juni 2012 verkündeten Mainz und Wiesbaden die Einführung einer gemeinsamen Umweltzone, zum 1. Februar 2013 trat sie in Kraft. Nun müssen alte Stinker in Mainz aus dem Gebiet innerhalb des Autobahnrings draußen bleiben – in Mainz waren geschätzte rund 10.000 Autos betroffen. Allerdings gewährt die Stadt Ausnahmen für Rettungsfahrzeuge, Arbeitsmaschinen oder landwirtschaftliche Zugmaschinen. Das ist auch gut so, sonst wäre der Rosenmontagszug ein Wagen-armer Umzug geworden….Was die Umweltzone nun bringt, ob sie tatsächlich den giftigen Feinstaub verringert hat – die Mainzer müssen auf die Lösung dieses Rätsels noch warten.

Info auf Mainz&: Mehr zur Umweltzone und zu Ausnahmegenehmigungen unter www.mainz.de. Interessante Infos auch unter www.umwelt-plakette.de.

Der Tipp auf Mainz&: Wer ohne grüne Plakette in eine Umeltzone fährt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen! Derzeit gibt es dafür 40 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg. Und Achtung! Das gilt auch für Plaketten, auf denen das Autokennzeichen verblasst und nicht mehr lesbar ist! Mehr dazu findet Ihr im Mainz&-Artikel https://mainzund.de/verblasste-gruene-plakette-knollen-droht/

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