Am 27. Januar jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 70. Mal. Seit 1996 ist dieser Tag nationaler Gedenktag. 2005 erklärten die Vereinten Nationen ihn sogar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auch in Mainz wird der Opfer gedacht, damit so etwas nie wieder vorkommt. Nicht nur der Landtag kommt in einer Plenarsitzung zum Gedenken zusammen, es finden auch die ganze Woche in Mainz Veranstaltungen rund um das Thema Drittes Reich statt. Mainz& hat für euch ein paar zusammengetragen.

Dienstag, 27. Januar 2015, 10.00 Uhr: Gedenksitzung des Landtags Rheinland-Pfalz

Plenarsaal Landtag RLP- Foto Roland Struwe
Der Landtag in Mainz

Am Dienstag gedenkt der Landtag in einer Gedenkveranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus. Besonders interessant ist hier, dass die polnische Holocaust-Überlebende Ruta Wermuth-Burak über ihr Leben berichten wird. Mit vierzehn Jahren überlebte sie einen Transport auf dem Weg ins Vernichtungslager Belzec, weil es Mitgefangenen gelang, sie durch ein paar herausgebrochene Bretter aus dem Zug zu werfen.

Unter falschem Name entrann Wermuth-Burak zwar dem Vernichtungslager, landete jedoch als Zwangsarbeiterin in einer Schuhfabrik im pfälzischen Rülzheim. Nach dem Ende der NS-Diktatur kehrte sie nach Polen zurück. Als sie 1994 ihren bis dahin tot geglaubten Bruder wiederfand, begann sie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

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Ihre Lebenserinnerungen „Im Mahlstrohm der Zeiten“ erschienen
zunächst auf Polnisch, im Jahr 2005 auf Deutsch. „Ohne die Vergangenheit zu kennen“, sagte Wermuth-Burak einmal, „kann man nicht die Zukunft gestallten.“

23. Januar bis 21. März 2015: Ausstellung Frauen im Nationalsozialismus

In der Rathausgalerie erinnert seit dem 23. Januar eine Ausstellung an verfolgte Mainzerinnen. In der Ausstellung „Sie wohnten nebenan: im Nationalsozialismus verfolgte jüdische Mainzerinnen“ portraitiert die Lebensgeschichten von 50 jüdischen Frauen und Mädchen, die in Mainz während des Nationalsozialismus starben, von hier deportiert wurden, oder aber die Verfolgung durch die Nazis überlebten. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. März 2015 zu sehen.

Donnerstag, 29. Januar 2015, 19.00 Uhr: Wer wurde Nationalsozialist?

Bei dieser Veranstaltung sind wir bei Mainz& besonders hellhörig geworden und möchten sie euch ans Herz legen. Jürgen Falter berichtet dann von neuen Forschungsergebnissen dazu, wer zwischen zwischen 1925 und 1945 in die NSDAP eintrat. Falter war 1993 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Uni Mainz. Seit 2012 hat Falter eine Senior-Forschungsprofessur an der Universität Mainz, am Donnerstag will er neue Erkenntnisse zu der Frage vorlegen, „welche Personengruppen besonders in der NSDAP vertreten waren.“

70. Jahrestag Auschwitz 1
Titelbild des Veranstaltungsflyer zum Gedenken des 70. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz

Jürgen Falter und seine Mitarbeiter haben sich die Mitgliederkarteien der NSDAP vorgenommen und wollen in einem auf fünf  Jahre angelegtem Forschungsprojekt mehr als 50.000 Fälle ausgewerten. Besonders geht es hierbei um Herkunfts-, Berufs- und Altersgruppen der NSDAP Mitglieder. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Geschwister-Scholl-Straße 2 in Mainz. 

23. Januar bis 28. Januar 2015: Nicht endende Fragen – 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz

Der Massenmord an den Juden, aber auch anderen gesellschaftlichen Gruppen wie Sinti und Roma, Homosexuellen und Gegener der Nazis ist noch immer schier unfassbar. Den „nicht endenden Fragen“ unserer Fassungslosigkeit widmet sich eine Ausstellung unter diesem Titel, die noch bis zum 28. Januar im Dom zu sehen ist. Die Ausstellung ist danach noch in der Evangelischen Studierendengemeinde und in der Christuskirche zu sehen.

Morgen ist zudem um 19.00 Uhr in der Katholischen Hochschulgemeinde in der Saarstraße der Film „Shoah“ zu sehen sein.  In dem Dokumentarfilm aus dem Jahre 1985 erzählen Überlebende und Täter von ihren Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg.  Am Mittwoch um 19.00 Uhr schließt sich ein Vortrag von Dr. Gregor Taxacher an mit dem Thema „Warum wir nicht zur Ruhe kommen – Auschwitz, die Christen und die Juden 70 Jahre danach.“

Erinnerung an verfolgte jüdische Künstler und Satiriker

Mit dem Völkermord der Nationalsozialisten wurde auch ein Teil deutscher Kultur ausgelöscht. Zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörten Künstler wie Ernst Wilhelm Nay oder Max Beckmann, die mit Berufsverbot belegt wurden, die Werke anderer Künstler wie Emy Roeder oder Carl Hofer wurden als entartet beschlagnahmt. Auch wurden die Werke von Künstlern, die zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben waren, aus Museen entfernt – wie Lovis Corinth oder Wilhelm Lehmbruck. An alle diese Künstler erinnert das Landesmuseum mit einer Ausstellung, am Dienstag um 18.00 Uhr gibt es eine Führung durch diese Ausstellung.

In der Stadtbibliothek wird hingegen am Mittwoch dem reichhaltigen Erbe jüdischer Staritiker gedacht. Burkhard Engel gibt mit Gitarre und Gesang Kostproben der Texte über das religiöse Leben und die Liebe. Zeilen von Heinrich Heine dürfen da natürlich nicht fehlen, und auch Kurt Tucholsky ist dabei. Zu hören ist das am Mittwoch ab 18.30 Uhr in der Stadtbibliothek in der Rheinallee 3b.

Info& auf Mainz&: Alle Infos rund um den 70. Jahrestag sowie weitere Veranstaltungen findet Ihr in dem Flyer des Landtag, den Ihr genau hier herunterladen könnt.

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