Es hätte die Wende in Sachen Lesselallee werden können, so wurde es ein Aufschub: Der Umweltausschuss der Stadt Wiesbaden vertagte die Debatte über die Kastanienallee auf der Maaraue auf den 1. Juli. Dann nämlich sollen die beiden Gutachter vor dem Ausschuss ihre Ergebnisse präsentieren. Das dürfte spannend werden: einander gegenüber werden dann der Gutachter der Stadt Wiesbaden; Roland Dengler, und der Gutachter der Grünen, Baumprofessor Ulrich Weihs.

Bäume hinter Gittern Lesellallee - Foto gik
Bäume hinter Gittern – das bleibt erst mals so – Foto: gik

Bis heute zweifeln nämlich CDU, Freie Wähler und das Ordnunsgdezernat die Expertise Weihs‘ an: der habe „nur geguckt“, keine Proben genommen, sein Gutachten sei gar kein Gutachten, und so weiter. Das sagten die entsprechenden Vertreter am Dienstagnachmittag am Rande des Ausschusses zu Mainz&. Es dürfte also interessant werden zu erleben, wie sich die beiden Experten präsentieren – und wer am Ende glaubwürdiger ist.

Das könnte Ausschlag geben für die Zukunft der Lesselallee, denn noch immer beharren die Verfechter einer Allee-Erneuerung auf dem Punkt der Sicherheit:  „Über kurz und nicht über lang sind die Bäume geschädigt, es muss etwas getan werden“, sagte Gerhard Weckbacher, stellvertretender Ortsvorsteher von Kostheim und Mitglied der Freien Wähler, zu Mainz&. „Wir haben die Personen in der Allee zu schützen“, betonte er: „Für uns zählt erst einmal die Sicherheit.“

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Meterweise Zaun entlang der Allee - Foto gik
Geschädigte Baumkronen oder nicht? – Foto: gik

Auch Ortsvorsteher Stephan Lauer (CDU) hebt diesen Punkt hervor: „Die Allee, die da jetzt steht, werden meine Enkel nicht mehr erleben“, betonte er. Er wolle aber „dort unten nicht nur drei Bäume“ sehen, sondern eine Allee, das aber gehe nur, wenn die Bäume erneuert würden. „Uns hat zu Denken gegeben: wenn die Bäume in Würde sterben dürfen, kommt da vielleicht gar nichts mehr hin“, erläuterte Weckbacher weiter.

Aber ist das denn so? Baumprofessor Weihs hat den 71 Kastanien in großer Mehrheit Vitalität und Lebensfähigkeit attestiert. Und das nicht einfach aufgrund von „durchgehen und gucken“, wie die Anhänger der Allee-Erneuerung es gerne behaupten: Weihs macht die „altersentsprechende gute Vitalität“ an „vitalem Neuaustrieb, prächtiger Blüte“ und „dicht belaubten Kronen mit großen, sattgrünen Blättern“ fest. Und um das noch einmal zu sagen: Diese Parameter gelten in der Fachliteratur als verlässliche Hinweise, um die Lebenskraft eines Baumes einschätzen zu können.

Vorbeugung gegen Astbruch Lesellallee - Foto gik
Astbruchgefahr? Möglich – Foto: gik

Und auch Gutachter Dengler sieht ja keineswegs die große Mehrheit der Bäume geschädigt und gefährdet: 28 Bäume seien komplett gesund, bei 14 weiteren Bäumen besteht lediglich eine Bruchgefahr von 1 bis 10 Prozent. Damit sind knapp 60 Prozent der Bäume weitgehend gesund – und nur bei 6 besteht die Gefahr eines Astbruchs mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent liegen – das sind gerade 8,5 Prozent.

Die Stadtverwaltung in Wiesbaden bleibt damit weiter die Erklärung schuldig, warum die komplette Allee gefällt werden soll – und wie und mit welchen Kosten die Allee erhalten werden kann. Thomas Kroppen, persönlicher Referent von Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU), betonte gegenüber Mainz& erneut, es gebe da einen weiten Spielraum, der von „ersetzt alle Bäume“ bis hin zu „überlasst es der Natur“.

Durch die Gutachten von Dengler seien der Verwaltung die Hände gebunden, betonte Kroppen: Wenn jetzt jemandem ein Ast auf den Kopf falle, und der klage, sehe es die Stadt alt aus. Für Mainz& klingt das so, als sollte man dringend einen anderen Gutachter hören 😉 Was nun am Ende dabei herauskomme, sagte Kroppen noch: „Das ist jetzt eine politische Entscheidung.“

Info& auf Mainz&: Der Umweltausschuss der Stadt Wiesbaden trifft sich zu seiner nächsten Sitzung am 1. Juli. Tagungsort ist dann wahrscheinlich das Rathaus – aber informiert Euch darüber lieber noch mal vorher. Etwa bei Mainz& 😉

 

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