Vielleicht habt Ihr ihn am Samstag ja gesehen, den Autokorso der Nürburgring-Freunde, der durch Mainz rollte. 350 Fahrzeuge waren es, eine echt beeindruckende Menge. Vom Parkplatz des alten Bruchwegstadions fuhren die hupenden Autos am SWR vorbei hinunter zur Hochstraße nach Mombach und von dort zur Autobahnausfahrt in Gonsenheim. Die Forderung der Demo: Der Nürburgring muss zurück in die öffentliche Hand, am besten mittels einer Stiftung.

Demo "Wir sind Nürburgring" an der Phoenixhalle - Foto: gik
Demo „Wir sind Nürburgring“ an der Phoenixhalle – Foto: gik

„Legenden verkauft man nicht“, „Save it, don’t sell it“, mit solchen Transparenten protestierten die Nürburgring-Fans,  rund 300 von ihnen waren am Morgen zur Phoenixhalle gekommen – zu Fuß. Das heißt, eher auf den Parkplatz vor dem Phoenixhallengelände, näher ließ die Polizei die Demonstranten nicht ran. In der Phoenixhalle fand nämlich ein Kongress der SPD Rheinland-Pfalz statt – und genau für diese Politiker war der Protest auch bestimmt.

„Legenden verkauft man nicht“

Die Freunde des Nürburgrings werfen der SPD nämlich vor, den Nürburgring erst in die Insolvenz 2012 geführt und ihn dann an den Falschen verkauft zu haben. „Legenden verkauft man nicht“, hieß deshalb eine der Parolen am Samstag, und „Wer die Nordschleife nicht ehrt, ist des Regierens nicht wert.“

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Demo Nürburgring Phoenixhalle von oben nah
Die Nürnburgring-Demo an der Phoenixhalle von oben gesehen. Seltsam, diese Gitter-Absperrung – Foto: gik

„Wir sind belogen und betrogen worden“, sagte Mitorganisator Roland Reimann von der Initiative „Wir sind Nürburgring“ Mainz&. Die Angst der Motorsport-Fans: Wenn der Ring in private Hände gerät, könnte der Zugang zum Ring begrenzt werden, und gerade die berühmte Nordschleife für die Fans dicht gemacht werden.

Doch die Insolvenzverwalter verkauften gerade den Ring an den Unternehmer Robertino Wild und seine Firma Capricorn, Wild aber musste wegen Finanzschwierigkeiten gerade einen russischen Investor mit ins Boot holen.

Dreyer versprach: kein Oligarch

Dreyer habe persönlich versprochen, den Ring „nicht an einen russischen Oligarchen zu verkaufen“, empörte sich Conny Fricke – und jetzt sei genau das passiert. „Skandal schließt sich an den anderen“, kritisierte Otto Flimm, so viel könne doch gar nicht schief gehen. Doch was den Ehrenpräsidenten des ADAC und Nürburgring-Ikone so aufregt, passiert tatsächlich: Seit die SPD-Alleinregerung unter Kurt Beck 2009 einen Freizeitpark eröffnete, geht am Nürburgring wirklich alles schief, was schief gehen kann.

Demo Nürburgring Phoenixhalle mit Brücke - Foto_ gik
Die Demonstranten befreiten sich denn auch kurz danach von den Gittern und protestierten friedlich weiter, jetzt mit Kundgebung von der Fußgängerbrücke aus – Foto: gik

Der Freizeitpark: völlig überdimensioniert. Der reiche Onkel aus Amerika: eine Luftnummer. Das „Zukunftskonzept Nürburgring“ von 2011: eine Beruhigungspille vor der Landtagswahl. Der Ring musste 2012 Insolvenz anmelden, der neue Käufer aber gestand nun: Ich habe gar kein Auto… äh keine Millionen natürlich 😉

Fans: Nürburgring in Stiftung geben

Vertreter der Region, Motorsport-Unternehmer und Nürburgring-Fans fordern seit geraumer Zeit, der Nürburgring müsse in öffentlicher Hand bleiben, am besten in Form einer Stiftung. „Der Ring gehört der Region“, sagt der Rennfahrer Christiane Menzel, so sei es bei seinem Bau 1927 gedacht gewesen. Und unter sachkundiger Leitung könne der Nürburgring durchaus rentabel sein.

Autokorso Nürburgring mit Truck an Spitze - Foto: gik
Da rollt der Autokorso pro Nürburgring durch Mainz – Foto: gik

Und was Capricorn angehe, darüber sei schon im Februar mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), gesprochen worden, sagte Menzel: „Wir haben Ihr da schon gesagt, dass der Verkauf katastrophal enden wird, das hätte man wissen können.“ Das „Märchen“ vom deutschen Mittelständler sei geplatzt, nun müsse der Ring in eine öffentlich-rechtliche Stiftung überführt werden, forderte er.

Traum von der Rückkehr von „Rock am Ring“

Nicht ein einziges Mal sei die Chance wahrgenommen worden sei, eine Gemeinwohl orientierte Lösung gemeinsam mit der Region anzugehen, kritisierte Flimm. Motorsport, Industrie, Region und Landesregierung „müssen an einen Tisch“, forderte er, und fügte dann leise hinzu: „Vielleicht bekommen wir dann auch Rock am Ring zurück.“ Mal sehen, wie die beiden parallelen Groß-Festivals werden, die 2015 in der Eifel stattfinden: „Rock am Ring“, das jetzt in Mendig stattfindet, und das Capricorn-Festival „Grüne Hölle“…

Um 15.00 Uhr am Samstag startete dann der Autokorso vom Bruchweg-Stadion, die Zahl der Fahrzeuge hatte sich inzwischen dann auf 350 erhöht. So viele waren es, dass die Polizei die Teilnehmer in Gruppen auf die Reise schickte. Und schade eigentlich, dass der Korso eher durch Randbereiche der Innenstadt und Schnellstraßen führte – so dürften viele Autofahrer die hupenden Fahrzeuge für eine Hochzeitsgesellschaft gehalten haben… Aber Ihr wisst ja jetzt Bescheid 😉

Info& auf Mainz&: Mehr zur nicht enden wollen Nürburgring-Affäre lest Ihr hier. Mehr zu den Freunden des Nürburgrings findet Ihr unter anderem hier.

 

 

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