Es ist wirklich nicht zu fassen: Ganze zwei Tage ist der letzte Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL erst her, da kündigt die GDL schon den nächsten Streik an. Von 2.00 Uhr am Samstagmorgen bis Montagmorgen um 4.00 Uhr werde noch einmal gestreikt, teilte die Gewerkschaft mit, und sprach von einem „Erzwingungstreik“. Selten ein passenderes Wort gehört… Die GDL will offenbar mit aller Macht ihre Macht herbeizwingen. Ein kurzfristiges Angebot der Deutschen Bahn am Freitag könnte den Bahnstreik doch noch verhindern.

Zug auf der Eisenbahnbrücke Nord in Mainz - Foto: gik
Fahren am Wochenende doch noch die Züge? – Foto: gik

Der Streik würde ausgerechnet auf das erste Herbstferienwochenende in Rheinland-Pfalz und Hessen fallen, dazu enden die Herbstferien in NRW – ein totales Verkehrschaos wäre vorprogrammiert. Fernbus-Anbieter werden mit Anfragen überschüttet, auf den Autobahnen dürften Staus die Folge sein. Und: Die Fans zu den Fußballspielen blieben ebenfalls auf der Strecke.

Über die GDL brach deshalb auch am Freitag die geballte Wut herein: Unverständnis und Kopfschütteln waren noch die harmlosesten Reaktionen. Auf Twitter entlud sich ein wahrer Shitstorm über die Gewerkschaft – unter dem schnell etablierten Hashtag #FuckYouGDL. „Meine Geduld ist am Ende!!“ hieß es da, oder: „Ihr versaut vielen das Wochenende, es reicht mir mit Euch!“

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„Die GDL läuft Amok“, sagte die DB am Freitag in einer ersten Reaktion. Ohne Not würden Millionen von Menschen die Ferien verdorben „nur wegen Machtgelüsten“ und „Allmachtsphantasien eines Funktionärs.“ Dem stimmen bestimmt gerade viele Menschen zu – die GDL läuft gerade Gefahr, ihren letzten Rest von Ansehen vollkommen zu verspielen. Mehr noch: Mit diesem Missbrauch des Streikrechts beschädigt die Gewerkschaft die Bereitschaft in der Bevölkerung, Streiks als erlaubtes Mittel des Arbeitskampfes anzusehen, der Schaden wird alle Gewerkschaften treffen.

Leere Gleise und Bahnsteig Hauptbahnhof Mainz - Foto: gik
Leer oder nicht leer? Das ist am Wochenende die Frage – Foto: gik

 

Die Bahn setzte unterdessen mal wieder einen Ersatzfahrplan in Kraft, und zwar schon am Freitagnachmittag. So solle wenigstens ein Drittel des Zugangebots aufrecht erhalten werden. Und sie tat noch mehr: Am Freitagmittag machte die DB überraschend ein neues Angebot an die GDL. Inhalt: Die Lokführer sollen in drei Stufen bis Ende 2016 fünmf Prozent mehr Lohn bekommen, für 2014 noch einen Einmalbetrag von 325 Euro, zudem sollen 200 Lokführer mehr eingestellt werden und Maßnahmen für eine bessere Schichtplanung erarbeitet werden.

Kern des Angebots ist aber die Bereitschaft der Bahn, nun auch „über andere Berufsgruppen wie Zugbegleiter“ zu reden. Man habe ein eigentlich für Sonntag geplantes Angebot vorgezogen, hieß es bei der Bahn, klar, man will nicht den Eindruck erwecken, man habe sich nun doch erpressen lassen. Stattdessen heißt es bei der Bahn, man tue alles, um den 60-Stunden-Streik doch noch zu verhindern. Wirklich geschickt 😉

Der Schwarze Peter liegt jetzt eindeutig bei der GDL: Ihr Streik hat null Akzeptanz, und wenn die Gewerkschaft klug ist, nutzt sie jetzt das neue Angebot zum Ausstieg aus der Machtkampfspirale. Dann könnte sie auf den letzten Metern doch noch das Gesicht wahren.

Info& auf Mainz&: Wir müssen eigentlich nichts mehr sagen, Ihr kennt die Kulanzregeln sicher schon auswendig 😉 Für alle Neuen: Ihr findet wirklich alle Infos ausführlich auf der Seite www.bahn.de. Dazu hat die Bahn zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 99 66 33 (20ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60ct/Anruf) ab sofort die kostenlose Servicenummer 08000 996633 eingerichtet. Mehr zum Hintergund des Streiks findet Ihr hier.

 

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