Der viertägige Rekordstreik der Lokführergewerkschaft GDL treibt den Fernbussen die Kunden in Scharen in die Arme. Mehrere Tausend Fahrgäste stiegen bundesweit vermutlich von der Bahn auf den Fernbus um. Auch in Mainz traf Mainz& reihenweise Menschen, die sich das erste Mal auf das Abenteuer Fernbus einließen. Die Unternehmen versuchen, dem Ansturm Herr zu werden – und wollen ihr Angebot zum Wochenende verstärken.

Fernbus mit Passagier Matthias Bonowsky - Foto: gik
Anstehen am Fernbus: Neu-Passagier Matthias Bonowsky will nach Berlin – Foto: gik

Drei Fernbuslinien fahren Mainz derzeit an: das Münchner Unternehmen Flixbus, die Berliner „Mein Fernbus.de“ und offenbar auch der ADAC-Postbus, von dem jetzt ein Fahrplan mit einer Verbindung an der Haltestelle hängt – gültig ab 1. November. Und wir dachten, die sind Pleite…. Ist aber offensichtlich „nur“ so, dass das Gemeinschaftsunternehmen von ADAC und Deutscher Post mit heftigen Verlusten zu kämpfen hat. Die Mainzer Strecke geht von Aachen nach Freiburg.

Fernbusse: Zusätzliche Fahrten verboten

Wichtigster Mainz-Anbieter ist Flixbus, die Münchner fahren von Mainz aus knapp 40 Direktziele an, sagt Pressechefin Bettina Englert. „Bei uns ist die Hölle los“, sagte sie Mainz&: Flixbus habe zehnmal mehr Besuche auf der Homepage und dreimal mehr Buchungen als sonst. „Ich bin auf deren Server gar nicht raufgekommen“, berichtete ein Fahrgast in Mainz.

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„Wir versuchen, dem Ansturm gerecht zu werden, wir setzen zusätzliche Busse und Doppeldecker ein“, sagt Englert. Also fahren dann zu einem Termin schon mal drei Busse vor statt nur einem. Aber warum bieten die Fernbus-Unternehmen nicht einfach zusätzliche Fahrten an? „Das dürfen wir nicht“, sagt Englert: „Das ist rechtlich nicht erlaubt, wir müssen uns an den genehmigten Fahrplan halten.“ Na so was…

Mehr Busse, Schiene leer, Straße voll

So sehen die Busflitzer von Flixbus aus - Foto: Flixbus
So sehen die Busflitzer von Flixbus aus – Foto: Flixbus

Auch bei Mein Fernbus.de bedauert man, dass zusätzliche Fahrten nicht möglich sind. „Uns wird die Bude eingerannt“, heißt es bei den Berlinern, auf deren Homepage der Slogan prangt „Die Bahn steht, mein Fernbus rollt.“ „Unsere Webseite steht, unser IT-Team istganz stolz“, sagt ein Sprecher. Mein Fernbus.de bietet von Mainz nur z14 direkte Verbindungen ein, mit Umsteigen könne man aber 54 Ziele erreichen.

250 Zusatzfahrten habe man schon „eingetütet“, man habe viermal mehr Buchungen als gewöhnlich. Das liegt sicher auch daran, dass am Wochenende die Feierlichkeiten zu 25 Jahre Fall der Mauer stattfinden, und ausgerechnet legt die GDL mit ihrem Megastreik den Verkehr lahm.

„Schiene leer, Straße voll“, hieß es am Donnerstag laufend im Verkehrszentrum des Radiosenders SWR3 – viele waren auf das Auto umgestiegen, das sorgte auch in Mainz am Abend für lange Staus und Geduldsproben. Auch die Fernbusse steckten immer wieder in Staus, manche hatten lange Verspätungen.

Mainzer schimpfen: „Bodenlose Frechheit“

Und während die Mainzer ja sonst geduldige Leute sind – für diesen Streik fehlte wirklich allen das Verständnis. „Völlig indiskutabel“, „geht gar nicht“, „bodenlose Frechheit“ – so haben wir die Mainzer selten schimpfen gehört 😉 Im Hauptbahnhof machten die Geschäftsleute lange Gesichter – nix los und Umsatzeinbußen.

Anzeigetafel Bahnstreik Hauptbahnhof Mainz - Foto: gik
Anzeigetafel Bahnstreik Hauptbahnhof Mainz – Foto: gik

„Den Streik so brutal durchzuziehen – das geht gar nicht“, sagte etwa Matthias Bunowsky. Der Berliner Bau-Projektleiter machte sich schon am Donnerstagmittag auf den Heimweg, es war die einzige Fahrt, für die er noch eine Karte bekommen hatte. Durch den Streik, entstehe ja auch ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden, schließlich werden auch die Güterzüge bestreikt, sagte Bunowsky, der nun zum ersten Mal Fernbus fuhr.

Arzt muss Patienten wegschicken

„Ich bin total wütend!“ rief ein Passagier, der sich extra aus dem Bus lehnte, als er die Mainz&-Reporterin erspähte. Der Arzt war Chirurg aus dem Saarland, musste zu einer Tagung nach Frankfurt und erzählte wütend, dass er seinen Patienten für den Nachmittag alle absagen musste.

Frankfurt war überhaupt ein beliebtes Reiseziel, die Fernbuslinien wollen zum Wochenende deshalb noch einmal ihr Angebot nach Möglichkeit verstärken. Das große Chaos blieb in Mainz aber aus, vor allem wohl auch, weil die Bahn es schaffte, alle Nahverkehrsziele mindestens einmal pro Stunde zu bedienen. Oder habt Ihr anderes erlebt? Dann her mit Euren Erfahrungen! Wir haben noch drei Tage Streik vor uns…

Fernbus am Mainzer Bahhnhof - So wünschen sich das die Unternehmen - Foto: MeinFernbus.de
Fernbus am Mainzer Bahhnhof – Foto: MeinFernbus.de

Und dann war da noch Herti Schneider, die an der Fernbus-Haltestelle nach Informationen zu den Fernbussen suchte. „Ich habe kein Internet“, sagte die rüstige ältere Dame, aber sie müsse doch kommende Woche zu einem 75. Geburtstag nach Freiburg, „und wenn die dann immer noch streiken… Ich bin total sauer!“

Können wir gut verstehen 😉 Und weil es viele Menschen gibt, die noch nie Fernbus gefahren sind, bekommt Ihr gleich eine Anleitung – einen Erfahrungsbericht einer Mainz&-Leserin inklusive.

Info& auf Mainz&: Der Streik der GDL soll noch bis Montagfrüh um 4.00 Uhr andauern – es sei denn,d as Frankfurter Arbeitsgericht kippt den Streik an diesem Donnerstagabend noch. Während wir diese Zeilen schreiben, wird da noch verhandelt. Die GDL gibt sich aber sehr zuversichtlich, und in der Tat haben Gerichte bisher meist Streiks bestätigt.

Die Bahn informiert auf ihrer Homepage www.bahn.de wieder ausführlich über Ersatzfahrpläne und Rückerstattungen und setzt an den Bahnhöfen zusätzliche Berater ein. Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 – 99 66 33 (Achtung Kosten!) ist wieder die kostenlose Servicenummer unter 08000 – 99 66 33 geschaltet. Wer nach Hessen pendelt, findet richtig gute Infos auf hr online.

Die Fernbus-Unternehmen, die Verbindungen ab Mainz anbieten. findet Ihr hier: Flixbus, Mein Fernbus.de und der ADAC-Postbus.

 

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