Das Thema Bauen im neuen Koalitionsvertrag der Ampel 2.0 aus SPD, Grünen und FDP liest sich tatsächlich ein wenig so, als hätte Mainz beim Monopoly gewonnen: Sanierung der Rheingoldhalle, Sanierung des Rathauses, 6.500 neue Wohnungen und auch noch ein Schlosshotel – wir sind wieder wer 😉 Das gilt allerdings tatsächlich für die Mainzer Wohnbau: Nach deren Crash 2008 ist das städtische Unternehmen abgespeckt und wieder in die Gewinnzone geführt worden – 2013 machte das kommunale Wohnbauunternehmen mit seinen rund 10.400 Wohnungen einen Bilanzgewinn von 10,8 Millionen Euro.

Typische Wohnstraße in der Mainzer Neustadt - Foto: gik
Typische Wohnstraße in der Mainzer Neustadt – Foto: gik

Gute Voraussetzungen also, endlich wieder den Mietmarkt in Mainz mitzubestimmen, und so soll die Wohnbau bis 2020 rund 1.100 neue Wohnungen schaffen. Insgesamt sollen bis 2020 rund 6.500 neue Wohnungen entstehen, das Kernprojekt der „Ampel“, und vor allem der SPD: „Wir werden dem bezahlbaren Wohnen einen klaren Schwerpunkt einräumen“, sagt Ebling: Dringend nötig ist das: Mainz ist inzwischen die siebtteuerste Stadt Deutschlands, und vor allem die Mieten galoppieren gerade unaufhaltsam nach oben.

Zwei Drittel der neuen Wohnungen sollen im Geschosswohnungsbau entstehen, Investoren dazu verpflichtet werden, mindestens zehn Prozent ihres Projektes als Sozialwohnungen bereit zu halten – lieber noch hätte die Koalition aber 25 Prozent.

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Eine wichtige Rolle spielen dabei die Bebauung des sogenannten Heiligkreuz-Areals in der Nähe der IBM, die Bebauung der ehemaligen Peter-Jordan Schule (wo gerade das Pengland ist) sowie der Zollhafen. Geförderter Wohnraum wird aber bis jetzt nur für das Heiligkreuz-Areal umgesetzt, nicht jedoch für den Zollhafen – dort droht aus Mainz&-Sicht eine neue Edelbebauung à la Winterhafen.

Hoffnung auf Ex-Kasernen – auch für Flüchtlinge

Häusermeer Mainzer Neustadt - Foto: gik
Häusermeer Mainzer Neustadt – Foto: gik

Die Hoffnungen der Stadt ruhen aber auch auf gleich drei  Kasernen-Gelände, die demnächst frei werden: Die Generalfeldzeugmeister-Kaserne (kurz: GFZ) an der Grenze zu Hechtsheim und Teile der Kurmainz-Kaserne in der Oberstadt. Auf beide hat ja schon Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) ein begehrliches Auge geworfen, um die steigende Zahl von Flüchtlingen unterzubringen, langfristig aber könnte hier wertvoller Wohnraum entstehen. Ein gelungenes Beispiel ist dafür das Martin-Luther-King-Village, das nach dem Abzug der Amerikaner zur Wohngegend wurde.

Apropos Amerikaner: Auch die Housing Area an der Finther Landstraße ist bereits im Blick der Städtebauplaner – auch sie soll aber zunächst vielleicht Flüchtlinge beherbergen. „Wir rechnen alle mit weiter steigenden Zahlen, das ist eine Herausforderung wie für andere Städte auch“, sagte Ebling, und betonte zugleich: „Wir sind uns bewusst, dass wir da einen humanitären Auftrag haben.“ Und deshalb müsse jetzt alles gecheckt werden, was gehe, betonte der OB, „wir können nicht sagen, was nicht geht.“

Mainzer Rathaus - Foto: gik
Marode Trutzburg am Rhein: das Mainzer Rathaus – Foto: gik

Dann wollen wir mal hoffen, dass die Gonsenheimer dieses Mal ihre humanitäre Seite entdecken – und nicht, wie bei den Plänen, ein leer stehendes Hotel am Rande des Gonsenheimer Villenviertels für Flüchtlinge zu nutzen, die Anwohner wieder protestieren – natürlich, weil das Hotel für die Flüchtlinge nicht gut genug sei… Wir sehen da genau hin, versprochen!

Rathaus: „unverzichtbarer Bestandteil“?

Und das Rathaus? Da heißt es doch allen Ernstes im Koalitionsvertrag: „Als Symbol des Wiederaufbauwillens Mainzer Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg ist das markante Bauwerk längst zum unverzichtbaren Bestandteil des Mainzer Stadtbildes geworden.“ Ach? Unverzichtbar? Das ist ja sehr interessant. Woraufhin wir natürlich gleich mal nachgefragt haben, ob denn die Sanierung schon beschlossene Sache sei? Äh, nein, musste Ebling einräumen, die Sanierung sei „eine Zielperspektive“, und an der „werden wir die Bürger aktiv beteiligen.“ Ah, ja.

Schlosshotel = ein Hotel am Schloss

Kurfürstliches Schloss in Mainz - Foto: gik

Bleibt noch das Schlosshotel, das sich eher als ein Hotel am Schloss entpuppt: Sobald der sich hinziehende Neubau des Archäologischen Zentrums am Südbahnhof steht, sobald danach das Römisch-Germanische Zentralmuseum vom Schloss an den Südbahnhof umgezogen ist – dann, ja dann könnte der 70-er Jahre Zusatzbau im Schlosshof verschwinden und einem Neubau Platz machen: einem Hotel.

„Fakt ist, wir wissen, dass es ein Interesse gäbe“, sagte Ebling, und Fakt sei ebenso, dass die Sanierung des Kurfürstlichen  Schlosse nicht aus dem städtischen  Haushalt gestemmt werden könne – das würde die Dienstaufsicht ADD nie und nimmer genehmigen.Mainz muss nämlich noch immer alle seine Ausgaben der ADD vorlegen und genehmigen lassen… Also braucht es Einnahmen zur Finanzierung der Sanierung – und die könnte ein Hotel bieten. Wobei das Schloss selbst nicht zum Hotel werden soll, betont Ebling.

 

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