Es war am 27.  März 2014, als vor der Lesselallee auf der Mainzer Maaraue ursprünglich ein Bauzaun auftauchte. Die mehr als 100 Jahre alten Kastanien  entlang des geschwungenen Pfades – abgesperrt. Die Allee sollte auf einmal unsicher sein, obwohl sie allen Stürmen des Jahres trotzte. Was daraus wurde, ist bekannt: Am 4. November 2014 wurden die wunderschönen alten Bäume gefällt – ausnahmslos alle. Nun, zweieinhalb Monate später, fällt auch der Bauzaun. Die Bäume dahinter: Mini-Ulmen.

Jemand postete dieses Bild: Wunderschöne Lesselallee - Foto: privat
Wunderschöne Lesselallee – Foto: privat

Die Wunde auf der Maaraue ist noch lange nicht verheilt, noch immer meiden Kostheimer den Gang hinunter zu Main – wo Jahrzehntelang wunderschöne Bäume Schatten spendeten herrschen heute gähnende Leere und tiefer Matsch. 71 junge Flatterulmen stehen hier nun, und Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) wird nicht müde zu betonen, diese Bäume seien „deutlich stärker als Bäume, die standardmäßig im Stadtgebiet gepflanzt werden.“

Schmächtige Flatterulmen statt mächtiger Kastanien

Möglich, mag sein. Aber die schmächtigenFlatterulmen sollen Bäume ersetzen, die seit 1910 hier wuchsen, gigantische Kronen entfalteten, meterdicke Stämme bildeten. In dieser Allee flanierte Kostheim, verliebte sich Kostheim und zog Kostheim seine Kinder groß – und halb Mainz kam auch regelmäßig vorbei. Sieht so ein adäquater Ersatz aus? Und wir erinnern gerne und werden immer wieder daran erinnern: 75 Prozent dieser uralten Bäume waren gesund, kerngesund.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Flatterulmen statt Lesselallee, nachher - Foto: gik
Flatterulmen statt Lesselallee, nachher – Foto: gik

Den Abriss drückte Franz trotzdem durch – trotz mehrerer Gutachten, der Forderung des städtischen Gutachters, die Allee zu erhalten, trotz Bürgerbegehren, trotz Appellen an OB Sven Gerich (SPD). Franz feierte hinterher die Tat als „Ziel erreicht.“ Wir fragen uns derweil immer noch: welches Ziel eigentlich? Eine Flasche Sekt soll nach der Fällung auch eine Rolle gespielt haben, aber das wissen wir nur aus Gerüchten. Die Wertung überlassen wir Euch selbst. Ihr könnt das.

„Weg trotz Pfützen nutzbar“

Nun, zweieinhalb Monate später spricht Franz davon, der Bauzaun werde „zügig abgebaut“, und fügt eilig noch hinzu: „Wir haben vor Weihnachten den Weg in der Lesselallee provisorisch hergestellt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht“, die Lesselallee sei seit dem 22. Dezember wieder begehbar. Echt jetzt?

„Aufgrund der feuchten Witterung weist der Weg an einigen Stellen Pfützen auf, ist aber nutzbar“, bekräftigt Franz, und wir fragten uns irritiert: Seit wann kümmert sich der feine Herr Franz um Pfützen?

AUF: Ulmen durch Matschgruben ausreichend geschützt…

Bauzaun schützt Mini-Ulme in der Lesselallee - Foto: gik
Bauzaun schützt Mini-Ulme – Foto: gik

Dann fanden wir dies: Für die kommende Sitzung des Ortsbeirats Kostheim hat der Arbeitskreis Umwelt und Frieden (AUF) den Antrag gestellt, den Bauzaun doch bitte endlich zu entfernen – „bevor er von alleine umfällt.“

Was auch hätte der Bauzaun noch schützen sollen? Das fragte sich wohl auch die AUF, und schreibt zur Begründung: „Die Ulmen sind durch tiefe Matschgruben ausreichend vor Besuchern geschützt. Darüber hinaus versperrt der Zaun den freien Blick auf die herrlichen Bäume.“

Im hessischen Landtag war am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang der Grünen auch eines Thema: die Kommunalwahl. 2016.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein