Die Stadt Wiesbaden schafft Fakten, seit 6.00 Uhr am Dienstagmorgen werden die 74 mehr als 100 Jahre alten Kastanien auf der Maaraue gefällt. Mit Motorsägen und schweren Kränen wird derzeit Baum um Baum gefällt. Dazu ließ das Ordnungsamt der Stadt Wiesbaden alle Zuwege zur Rhein-Halbinsel Maaraue von Polizeikräften absperren. Vertreter der BI und der Grünen zeigten sich fassungslos: „Der brutalstmögliche Ordnungsdezernent hat zugeschlagen“, sagte der Grüne Ronny Maritzen Mainz&: „Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun.“

Gefällte Lesselallee - Foto: gik
Gefällte Lesselallee – Foto: gik

Tatsächlich fällt die Stadt Wiesbaden die Kastanien, obwohl das Gerichtsverfahren zur Lesselallee am Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängig ist, obwohl es ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Wiesbaden gibt, obwohl es ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Allee gibt und obwohl drei Parteien eindringliche Appelle an den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) gerichtet haben, diese Bürgerbegehren durchführen zu können, ohne dass die Allee gefällt wird. Keiner der eindringlichen Appelle hat etwas genutzt.

„Eine solche Unerbitterlichkeit hat nichts mehr mit Demokratie zu tun“, sagte Maritzen Mainz&. In einem laufenden Verfahren „so unerbittlich Tabula Rasa zu machen, hat für mich eine neue Qualität“, betonte der Vorsitzende des Umweltausschusses der Stadt Wiesbaden. Der Umweltausschuss soll am Nachmittag zusammenkommen. „Ich weiß nicht, wie ich Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) dann gegenüber sitzen soll, sagte Maritzen.

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Briefträger darf nicht auf Maaraue - Foto: gik
Briefträger darf nicht auf Maaraue – Foto: gik

Die Allee wurde am Morgen von Polizeikräften abgeriegelt, niemand durfte die Maaraue auch nur betreten – egal, ob er zur Lesselallee wollte oder zu den Kleingärten oder dem Schwimmbad. Die Presse durfte erst auf Intervention des Polizei-Einsatzleiters vor Ort in die Nähe des Zauns. Den Blick vom Brückenzugang auf die Maaraue hin zur Allee war von Fahrzeugen blockiert. Ein Polizist bestätigte Mainz&, dass ein entsprechender Polizei-Einsatzwagen „taktisch abgestellt“ worden sei.

Ein Mitarbeiter des Wiesbadener Ordnungsamtes gab für die Absperrung der Maaraue keinerlei Grund an. Sogar die kleine Fußgängerbrücke, die den Zugang von Kastel aus ermöglicht, war von Polizisten abgeriegelt. Derweil fällt ein Baum nach dem anderen. „Ich werde Strafanzeige stellen“, sagte ein wütender Linken-Stadtrat Hartmut Bohrer Mainz&.

Gefällte Bäume in der Lesselallee - Foto: gik
Gefällte Bäume in der Lesselallee – Foto: gik

„Die Stadt hat Angst vor einer rechtlichen Prüfung, deshalb hat sie das Gerichtsverfahren nicht abgewartet“, sagte Marion Mück-Raab, Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien“ Mainz&. „Die Stadt hat außerdem Angst vor den Bürgern, deshalb wartet sie den Bürgerentscheid nicht ab“, betonte Mück-Raab. Die Stadt Wiesbaden lasse es zu, „dass hier ein Ordnungsdezernent eine Machtprobe durchzieht.“ Damit beschädigten Franz und die Stadt Wiesbaden den Rechtsstaat.

„Jedes Vertrauen in die Stadt Wiesbaden ist dahin, das wird Folgen haben“, sagte Mück-Raab weiter:  „Das ist nicht mehr unser Oberbürgermeister, Wiesbaden ist nicht mehr unsere Stadt.“

 

7 KOMMENTARE

  1. Fakten schaffen ist das – nichts weiter. Frech hoch 1000! Demokratie mit Füßen getreten/mit Sägen abgesägt! Das ist einfach nur zum Heulen! Leider können Bäume nicht sprechen…

  2. Armseelig. Genauso armseelig wie seinerzeit das klammheimliche Fällen der Platanen auf dem Gutenbergplatz in Mainz… Man sollte mal die Kettensäge an bestimmten Stühlen ansetzen. Und die Polizei muss für so einen starken Feigling Absperrungen einrichten, weil er genau weiß, dass er gegen Volkes Stimme agiert. Aus welcher Zeit ist der denn übriggeblieben? Der Mann gehört weg von diesem Amt.

  3. Vermutlich wollte man so ein „Wiesbaden21“ durch Schaffung von „Irreversiblem“ verhindern und/oder es steht viel Geld auf dem Spiel. (Bauland? BuGa?) Aber man schert sich eh einen Dreck um Volkes Willen, hier und überall. Jetzt ist Volkes Zorn groß. Aber vor der Wahl schreien dann wieder alle Politiker „Arbeitsplätze“ und werden prompt wieder gewählt, zwar von zunehmend weniger Leuten aber die fühlen sich legitimiert. Der Wählerschwund erwächst aus dem Gefühl, dass man solche kranken Gestalten mit demokratischen Mitteln nicht abstrafen kann. Wir haben zu wenig Demokratie und das haben die Leute SATT. Demokratie kann nicht heissen, sich alle 4 Jahre aussuchen zu dürfen, in welchen Scheisshaufen man treten will. Entschuldigt die grobe Wortwahl.

  4. Man regt sich hier auf, verplämpert Zeit und schreibt sich den Frust von der Seele. Genau DAS lieben die Herren Politiker an uns. Wir reden „dumm“ rum und MACHEN NICHTS (ich übrigens auch nicht). Warum? Weil es uns allen noch viel zu gut geht! Eigentlich müsste ganz Wiesbaden auf den Beinen sein und Sturm gegen diesen Mist laufen. Aber ein „gefällt mir“ drücken ist doch viel einfacher…

  5. Man kann es kaum Glauben. das unsre Politiker so hinterlistig sein können? mit aller macht setzen sie sich über die Köpfe der Wähler hinweg und fällen die Bäume obwohl die Wähler dagegen waren,es stehen noch Urteile aus aber was intressiert sie das oder? was isst als nächtes dran? lassen sie die Lach zuschütten und bauen sie dann weiter Häuser? sie haben doch schon Pläne dafür?naja solange sie nicht da hinbauen oder? denn es könnte ja sein das,das Hochwasser wieder mal bis zur Apotheke steigt,dann würden die neuen Häuser ja mitgerissen werden oder? Sie können einem leid tun,sie haben eins vergessen? Die Natur braucht uns nicht……………aber wir brauchen die Natur,es wird Ihnen allen einmal leid tun so gehandelt zu haben? lebt wohl ihr 100 Jahre alte Bäume,,,,,,,,,,,,,,die politiker die das zugelassen haben glaubt mir?werden noch nicht mal in die nähe dieses Alter kommen. Wil Ma

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