Es ist Herbst, die Weinlese ist in vollem Gange – oder sogar schon vorbei – da haben wir ein besonderes Weinthema für Euch: Gisela Kirschstein, Erfinderin und Chefredakteurin von Mainz& war im Frühjahr zu Gast bei Günther Jauch, und zwar auf seinem Weingut von Othegraven an der Saar. Vor vier Jahren kaufte der Fernsehmoderator das Weingut in Kanzem an der Saar, der Familienbande wegen: Seiner Tante gehörte einst das Weingut, Jauch war oft zu Besuch.

Jauch und Andreas Barth auf der Terrasse Ausschnitt - Foto KirschsteinHeute ist Jauch mit Leib und Seele Winzer, und fühlt sich an der Saar so wohl, dass er sich sogar schon vorstellen kann, mal ganz hierher zu ziehen…. Gisela Kirschstein war mit einer Gruppe Weinjournalisten zu Gast auf dem Weingut von Othegraven und hat ganz exklusiv Eindrücke vom Winzer Jauch und vom Mensch Jauch mitgebracht – und mit dem Fernsehstar über den Unterschied zwischen Weinmachen und Fernsehbranche geplaudert. Und warum das Weingut mehr Charme hat als eine Sockenfabrik…

Guten Wein gab’s dabei auch… aber lest selbst! Mit vielen Bildern natürlich und Infos zu Saar-Weinen.

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Von Gisela Kirschstein

Günther Jauch am Tor - Foto Kirschstein
Begrüßung am Tor: Günther Jauch steht parat – Foto: gik

Kanzem. Der Gastgeber wartet am Hoftor auf uns, bescheiden gibt er jedem einzeln die Hand, sagt höflich „Guten Tag“. Es ist Donnerstag, an der Saar lacht die Sonne über den Weinbergen, und Günther Jauch sieht müde aus. Der Fernsehmoderator empfängt uns ungekämmt und unrasiert auf seinem Weingut von Othegraven, später wird er uns erzählen, dass er nie ein Wochenende hat – seine Sendungen fordern ihn jeden Tag.

Später am Tag wartet der Flieger nach Berlin, doch an diesem Mittag hat sich Günther Jauch für die Gruppe aus Weinjournalisten Zeit genommen, satte drei Stunden lang. Normalerweise gibt der Fernsehstar von „Wer wird Millionär“ und der Sonntagabend-Talkshow „Günther Jauch“ keinen Einblick in sein Privatleben. Für sein Weingut in Kanzem an der Saar macht er eine – seltene – Ausnahme.

Schieferboden, 85 Grad steil

Als erstes geht es zu den Weinbergen. Direkt hinter dem Weingut ragt der Kanzemer Altenberg auf, eine Jahrhunderte alte, traditionsreiche Wein-Steillage mit Schieferboden. Andreas Barth ist auf dem Weingut von Othegraven für den Weinanbau zuständig, berichtet über die Eigenschaften des Schiefernbodens, über den Wasserhaushalt, und wo die Spitzenweine wachsen.

Die Hangneigung des Altenbergs ist brutal, unten beträgt sie etwa 50 Prozent, steigert sich aber dann bis zu 85 Prozent an der Spitze. „Wir haben eine Wette“, sagt Günther Jauch, „wie lange man braucht, um zwischen den Rebzeilen nach oben zu laufen.“ Und dann nimmt er Wetten entgegen, und berichtet, es solle einer mal in fünf Minuten geschafft haben. Er selbst? Nein, nein, sagt Jauch, ohnehin laufe man „oben nur noch auf allen Vieren, ich sowieso.“

„Es hat schon mehr Charme als eine Sockenfabrik“

Kanzemer Altenberg - Foto Kirschstein
Steiler Altenberg bei Kanzem, hinter Jauchs Haus – Foto: gik

Vor vier Jahren, 2010, kaufte der Fernsehmoderator ein Weingut an der Saar. Die Aufregung war damals groß, in der Medienszene einerseits, bei den Winzern an der Saar auch. Die Winzer befürchteten einen Promi-Disneyland-Effekt, die Medienszene stellte Vergleich zu anderen Stars an, die ebenfalls Weingüter besitzen, Gerard Depardieu zum Beispiel, oder Popstar Sting, „Also, es ist so“, sagt Jauch: „Wenn es nicht in der Familie gewesen wäre, hätte ich nie drüber nachgedacht, ein Weingut zu kaufen.“

Ja, er wisse, dass weltweit auch andere Prominente Weingüter hätten – „AC/DC vergiftet ja auch die Welt“, sagt Jauch, ironisch, wie immer -, doch nur weil das Haus schön sei und der Park traumhaft? „So ist das nicht gelaufen“, sagt Jauch, gibt dann aber auch gerne zu, wenn der Familienbetrieb „eine Sockenfabrik gewesen wäre…“, nun ja. „Das hier hat schon mehr Charme.“ Sagt’s, und lächelt fein, als wären wir bei „Wer wird Millionär“ und säßen auf seinem heißen Stuhl.

Jauch ist so alt wie seine ältesten Reben

Jauch und sein Opel Baujahr 1954 - Foto Kirschstein
Opel, Baujahr 1954, zwei Jahre älter als der Hausherr – Foto: gik

In Wirklichkeit sind wir längst vom Altenberg wieder ins Weingut geschlendert, und sind an einem alten Opel vorbeigekommen, der malerisch im Hof des Weinguts steht. Günther Jauch lässt sich gerne daneben fotografieren. Zwei Jahre habe er die Versteigerung des Autos auf Ebay verfolgt, dann endlich zugeschlagen. „Baujahr 1954“, sagt der Hausherr stolz, und fügt gleich hinzu: „Ich bin Baujahr 1956.“

Günther Jauch ist so alt wie seine ältesten Weinreben im Altenberg, und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit des Fernsehmanns mit dem Weingut an der Saar. „Ich war als Kind oft hier“, erzählt er, gute Erinnerung habe er aus der Zeit, als sein Großonkel das Weingut führte. Der Mann „hatte eine Meise“, wie Jauch fröhlich sagt, und pflanzte Samen aus aller Welt in seinem Park, mehr als einhundert seltene Bäume finden sich heute dort. Der Park ist ein Traum im englischen Stil mit einer riesigen Rasenfläche und uralten Bäumen.

Hinten im Park habe die Ur-Ur-Urgroßmutter dem verstorbenen Ehemann ein Denkmal gesetzt. „Da könnten sich die Frauen mal ein Beispiel dran nehmen“, sagt Jauch, und auch das ist eindeutig ironisch. Jauchs Frau Thea hat es gehört und lächelt, während sie noch schnell ein paar Blumen im Garten schneidet.

Weinflasche von Othegraven - Foto: gik
Bei der Weinprobe: das O in der Flasche und im Glas – Foto: gik

Die Blumen sind für die lange Gästetafel im Gutshaus, Ehefrau Thea aber ist die Geschäftsfrau hinter dem Star. Während wir mit dem Fernsehmann über Riesling, Saarweine und den Unterschied zwischen Fernsehen und Weinmachen reden, managt sie hinten im Büro das Weingut. „Ohne meine Frau“, sagt Jauch, „hätte ich das Weingut nie gekauft.“

Filigrane Rieslinge mit Rauch und Feuerstein

Wir sind inzwischen bei einem köstlichen Mittagsimbiss angelangt, und natürlich bei den Weinen von Othegraven. 100 Prozent Riesling machen sie hier, aus Tradition, und weil auf dem Devon-Schiefer an der Saar einfach so charaktervolle Rieslinge wachsen. Die Weine – 80 Prozent trocken – werden in großen Holzfässern gelagert, die Gärung spontan, die Weine bekommen Zeit zu reifen.

Heraus kommen filigrane Weißweine, die mal nach Pfirsich und Mirabelle riechen und gleichzeitig rauchig und nach Feuerstein schmecken, oder auch buttrig-satt daher kommen. Am Liebsten sei seiner Frau und ihm aber der Riesling Kabinett, sagt Jauch – hier an der Saar heißt das ein federleichter Wein mit Süße-Säure-Spiel. Bei von Othegraven hat der gerade einmal 8,5 Prozent Alkohol und kommt süffig-frisch daher. „So einen Riesling habe ich in Kalifornien oder anderswo noch nie getrunken“, schwärmt Jauch.

„In den Keller mische ich mich null ein“ Die Ahnen immer im Nacken - Günther Jauch - Foto DWI

Seinen ersten Alkohol, erzählt er, habe er überhaupt erst mit 30 Jahren getrunken, sozialisiert worden sei er mit bayrischem Weißbier, das war die Zeit, als Günther Jauch für den Radiosender Bayern 3 arbeitete. Mit 35 Jahren kam der Rotwein dazu, Weißwein noch ein bisschen später, um die 40. „Ich werd‘ schon besser“, sagt Jauch, und meint damit sein Verständnis von Wein, auch wenn er Beschreibungen wie „durchgerittenen Damensattel“ noch immer kurios findet.

In die Weinherstellung, alles, was im Keller passiert, „mische ich mich null ein“, sagt Jauch. Beim Verkauf aber, etwa an große Restaurants und Handelsketten, da rede er mit. Ob er seine eigenen Weine auf Weinkarten findet? „Das passiert uns immer öfter“, sagt Jauch, „wir trinken dann aber einen anderen.“

Zwei Schreckensszenarien: alles weg oder Wellness-Hotel

Der Grund, warum er das Weingut gekauft hat, heißt Elsa, war eine von Othegraven und Jauchs Großmutter. Seit gut 500 Jahren wird hier in Kanzem an der Saar schon Weinbau betrieben, mindestens. Jauchs Vorfahren kamen 1805 hierher. Der Bruder seiner Großmutter, Jauchs Großonkel, führte das Weingut bis zu seinem Tod, seine Witwe adoptierte eine Kölner Ärztin, die das Weingut bis 2010 führte. Dann stand das Anwesen zum Verkauf – und Jauch griff, nach reichlichem Überlegen, zu.

Weingut von Othegraven mit dem Altenberg - Foto DWI
Was für ein Anwesen: Weingut von Othegraven, dahinter der Altenberg – Foto DWI

„Wir hatten zwei Schreckenszenarien“, sagt der Fernsehmann: „Alles wird zerschlagen und einzeln verkauft – oder es wird ein Hotel mit Wellness-Angebot.“ Die Aufgabe, die sich die Jauchs stellten, war ungleich größer: Weingut und Weinberge zusammenhalten, und das Weingut in einen modernen Betrieb umzugestalten, „der vernünftig arbeiten kann.“ Vernünftig – das bedeutete massive Investitionen in Keller und Haus. Hinten im Hof versteckt sich eine hochmoderne Flaschenhalle für 400.000 Flaschen und mehr.

Einschaltquoten kontra 25 Jahrgänge

GF Andreas Barth und Günther Jauch bei der Weinprobe - Foto DWI
GF Andreas Barth und Günther Jauch bei der Weinprobe – Foto DWI

Das Gutshaus, im Zweiten Weltkrieg zerstört, war eine typische Sommerresidenz, Jauch modernisierte und renovierte das unter Denkmalschutz stehende Anwesen und baute Holzöfen ein. „Holz haben wir“, sagt er. „Der Betrieb muss sich irgendwann selbst tragen“, sagt Jauch, und das „irgendwann“ bleibt im Raume hängen, als der Hausherr noch hinterher schiebt, von Journalisten gefragt: Ja, man werde schneller in seiner Sendung zum Millionär als mit einem Weingut.

Die Entdeckungsreise des Journalisten in die Welt der Weine, sie bringt den Fernsehstar noch immer zum Staunen. „Beim Fernsehen ist das so“, sagt Jauch: Wenn er heute eine Sendung mache, habe er am nächsten Tag die Einschaltquoten. „Da wird man ununterbrochen geratet, man kann aber auch justieren, reagieren, nachsteuern.“ Beim Wein hingegen gebe es ganz andere Zyklen: „Ich werde hier vielleicht 25 Jahrgänge erleben – wenn ich uralt werde“, sagt Jauch.

Kommt irgendwann das Rotwein-Experiment?

Aufschrift von Othegraven am Opel - Foto Kirschstein
Edel und mit Stil: Aufschrift von Othegraven am Opel – Foto: gik

Dass man mit „Hauruck-Ideen“ im Weinberg nicht wirklich weiter komme, das sei „schon eine Umstellung“, sagt der Fernsehmann. Nur einmal, da hätte Jauch dann doch gerne seine eigene, „exotische“ Idee umgesetzt: als ein halber Hektar neu bepflanzt werden sollte, hätte Jauch gerne mit Rotwein experimentiert – sein Team im Weingut war entsetzt.

„Ich habe mich da (noch) mal überzeugen lassen“, sagt Jauch, das „noch“ hörbar in Klammern, ob das aber immer so bleibe, „werden wir sehen“, sagt er noch. Und man wünscht dem Weingut unwillkürlich mehr Spielfreude und den Mut, Neues zu entdecken, weil der Hausherr so gut dazu passt.

Promis wie Jauch sind längst Zugpferde der Region

Diese Winzerkollegen übrigens haben sich längst an den prominenten Nachbarn gewöhnt. Promis wie Günther Jauch seien „Zugpferde, die die Region nach oben schieben“, sagt Erich Weber, Seniorchef des Hofguts Falkenstein in Konz. Die Saar stehe heute noch nie so gut da wie in den vergangenen Jahrzehnten, „hier ist jetzt eine echte Goldgräberstimmung“, sagt Weber.

Jauch und Barth auf der Terrasse hoch - Foto Kirschstein
Gut gelaunt mit Geschäftsführer Andreas Barth auf der Terasse – Foto: gik

Jauch wiederum schwärmt von den „kernigen“ Winzerkollegen, die zusammenhielten. Als der Eiswein zu kalt für die Presse auf von Othegraven war, schafften sie alles zu einem Winzerkollegen, die Ernte war gerettet. Am Ende profitierten doch alle von dem Erfolg des einen, sagt Jauch: „Wenn einer an der Saar gut aussieht, hebt die Flut alle Boote.“

Und schließlich werde der Promi-Faktor ohnehin überschätzt, findet der Hausherr, schließlich müsse sich „am Ende der Wein durchsetzen.“ Und dann erzählt Günther Jauch, dass seine Zeit auf dem Weingut ohnehin begrenzt sei, dass er nur ein paar Tage im Monat hierher kommt. „Aber wir sind sehr gerne hier“, betont Jauch, „und auch immer öfter“.

Ob er sich vorstellen kann, mal als Vollzeit-Winzer an die Saar zu kommen? „Das muss man sehen“, sagt Jauch vorsichtig, und dass er vier Kinder habe und noch weiter arbeiten müsse. „Aber die Tendenz“, sagt er noch, „die geht schon dahin…“ Und dann bringt uns der Hausherr wieder zum Tor, und verabschiedet sich mit Handdruck von jedem Einzelnen. Günther Jauch und das Weingut an der Saar, das passt einfach.

 

Infos: Weinbau an der Saar

Saarwein kommt keineswegs aus dem Saarland, vielmehr wächst der Saarwein auf rheinland-pfälzischem Gebiet entlang des Unterlaufs der Saar zwischen den Gemeinden Serrig und Konz, wo die Saar in die Mosel fließt. Mit knapp 800 Hektar Weinbergen ist das Anbaugebiet Saar klein, doch auf den 400 Millionen Jahre alten Schieferböden gedeihen mit die mineralischsten und edelsten Rieslinge Deutschlands. Die Hauptrebsorte ist Riesling, fast 80 Prozent der Rebflächen sind mit der „Königin der Reben“ bestockt.

Weinflaschen Hofgut Falkenstein Saar - Foto: gik
Weinflaschen Hofgut Falkenstein Saar – Foto: gik

Das Klima ist an der Saar kälter als an der Mosel, deshalb produziert die Saar besonders leichte Weißweine mit einem geringen Alkoholgehalt, oft sogar unter 10 Prozent Alkohol. Klassiker ist hier der Riesling Kabinett, der ein besonders zartes Süße-Säure-Spiel hat. Saarweine haben mit 140 Tagen eine der längsten Reifezeiten weltweit, ihre Säure macht sie besonders lang haltbar. Weinrechtlich bildet die Saar einen eigenen Anbaubereich, gehört aber zum Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer, das seit 2007 nur noch den Namen Mosel trägt.

Berühmte Lagen an der Saar sind die Ayler Kupp, der Scharzhofberg oder der Altenberg bei Kanzem, hier wird bereits seit Jahrhunderten Wein angebaut. Auch an der Saar etablierten die Römer den Weinbau im großen Stil, seit etwa 2.000 Jahren wird deshalb an den Steilhänge der Saar Wein angebaut.

Im 19. Jahrhundert gehörten Saarweine zu den teuersten der Welt. Mancher Saarwein war doppelt so teuer wie Bordeauxwein, und die Titanic soll mehr Saar- und Moselwein als Wein aus Burgund an Bord gehabt haben, erzählt man sich hier. Der beste deutsche Rotwein auf der Weltausstellung 1900 in Paris war ein Spätburgunder des Jahrgangs 1893 von der Saar. In jüngerer Zeit erzielte eine 1994er Trockenbeerenauslese des weltbekannten Weinguts Egon Müller einen Auktionserlös von 4.718 Euro und gehört damit zu den teuersten Weinen der Welt.

 

 

 

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