„Wir werden jetzt bis zur Brücke von der Mainzer Polizei begleitet, dann übernehmen die Kollegen von Hessen.“ Andreas Behringer, Organisator des solidarischen Spaziergangs der Mainzer für die Lesselallee auf der Maaraue traf mit diesem Satz genau den Kern der Sache: Von Mainz aus spazierten am Sonntag rund 300 Menschen auf die hessische Seite. Solidarität mit den Kostheimern zeigen und gegen die Fällung der Kastanienallee ein Zeichen setzen, das war Sonntagnachmittag angesagt.

Soli-Spaziergang Lesselallee vor dem Mainzer Dom - Foto: gik
Soli-Spaziergang Lesselallee vor dem Mainzer Dom – Foto: gik

Ihr wisst ja: Die 74 mehr als 100 Jahre alten Kastanien sollen komplett gefällt werden, weil etwa 24 von ihnen krank sind. Die Kastanien sind vom Wurzelpilz-Phytophthora befallen, der die Leitungsbahnen der Bäume schädigt und sie so nicht mehr standfest macht – jedenfalls argumentiert so die Stadt Wiesbaden. Deren Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) will die komplette Allee fällen und sie durch Flatterulmen ersetzen – Baumexperten warnen eindringlich davor.

„Den Unsinn einer Fällung stoppen“

Gegen die Fällung kämpft seit Monaten die Bürgerinitative „Rettet unsere Kastanien“, nun bekam sie erstmals explizit Unterstützung von der Mainzer Seite. „Wir wollen unsere Solidarität ausdrücken und wir wollen Druck machen, dass der Unsinn der Fällung einer historischen Allee gestoppt wird“, sagte Behringer, und fügte schmunzelnd hinzu: „Der Spaziergang ist gut für unsere Gesundheit – und für die der Bäume.“

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Soli-Spaziergang Lesselallee auf der Brücke - Foto: gik
Soli-Spaziergang Lesselallee auf der Brücke – Foto: gik

Da war der Zug die Brückenrampe hoch, und über die Brücke nach Mainz-Kastel spaziert – und verursachte auf der Brücke gehörigen Stau 😉 In Kastel an der Reduit wurde der Zug von der Kasteler Ortsvorsteherin und weiteren Mitspaziergängern in Empfang genommen.

„Symbol der Verbundenheit“

„Die Lesselallee ist ein Symbol der Verbundenheit zwischen Mainz und Kastel und Kostheim“, sagte der Linken-Stadtrat Hartmut Bohrer. Die Allee habe ein besondere historische und soziale Bedeutung,

Tatsächlich war die mehrere Hundert Meter lange Allee, die im Jahr 1913 eingeweiht wurde, ein Geschenk der Mainzer an die Kostheimer zur Eingemeindung ihres Ortes nach Mainz. In der Mainzer Stadtverwaltung wisse man das gar nicht mehr, berichtete Huck Mainz&, das gehe aus der Antwort der Stadt auf eine Anfrage Hucks vor einigen Wochen hervor. Das finden wir doch ziemlich beschämend….

Städteausschuss muss zur Lesselallee tagen

Soli-Spaziergang zu Lesselallee am Rheinufer - Foto: gik
Soli-Spaziergang zu Lesselallee am Rheinufer – Foto: gik

Mit dabei auf dem Spaziergang waren auch die Mainzer Linke, BUND und NABU. „Es geht um den Grundsatz, wie wir mit alten Bäumen umgehen“, sagte der Mainzer NABU-Vorsitzender Christian Henkes.  Bis ein junger Baum das Alter und auch die ökologische Funktion eines 100 Jahre alten Baumes habe, „vergehen Jahrzehnte“, sagte Henkes, der davor warnte, die Kosten für die Pflege einer neuen Allee zu unterschätzen.

Beifall eines Frankfurter Autofahrers

Der Spaziergang war unterdessen gemütlich am Rhein entlang und über die schmale Fußgängerbrücke auf die Maaraue spaziert. Bei dem herrlichen Wetter war es am Rheinufer richtig voll, viele Ausflügler staunten über den Demonstrationszug. Aufgeklärt wurden sie mit Slogans wie „Kastanien pflegen, nicht fällen!“ Ein Frankfurter Autofahrer spendete da gar explizit Beifall.

Soli-Spaziergang Lesselallee - Megaphone
Arbeitsgerät 😉 – Foto: gik

An der Lesselallee wurden die Spaziergänger dann von der Kostheimer Bürgerinitiative empfangen – mit Narrhallamarsch und Weck, Worscht und Woi. „Eine solche Solidarität ermutigt sehr“, sagte Christoph von Eisenhart Rothe, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der beim Verfassungsgericht Wiesbaden gegen die Fällung Klage eingereicht hat. „Den Sinn der Fällung von 74 Bäumen verstehen wir nicht“, sagte von Eisenhart Rothe: „Hier wird derart sinnlos eine Allee gefällt!“

„Ein Ordnungsdezernent, der Gesetze nicht einhält, geht gar nicht“

Soli-Spaziergang Lesselallee am Eingang Lesselallee - Foto: gik
Angekommen an der Lesselallee – Foto: gik

Und weil die Stadt Wiesbaden gleich mehrfach gegen europäisches, Bundes- und Landesrecht beim Naturschutz verstoße, rechne er sich für die Klage gute Chancen aus. In der Allee könnten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschützt werden. Dass sich dafür die grüne hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) nicht einsetze, „kritisieren wir sehr“, sagte von Eisenhart Rothe.

„Es ist offenbar immer noch nicht durchgedrungen, dass die Allee als Biotop gesetzlich geschützt ist“, betonte Bohrer. Vom Bürger werde erwartet, dass er sich an Recht und Gesetz halte, die Verwaltungsbeamten hätten darauf sogar einen Eid geleistet. Bei der Lesselallee aber „hält nicht einmal der Ordnungsdezernent Franz die Gesetze ein“, kritisierte Bohrer, und nannte als Beispiel die fehlende Genehmigung, die Baumhöhlen in der Allee mit Bauschaum auszuspritzen. Das Vorgehen der Verwaltung „geht gar nicht“, sagte Bohrer, und betonte: „So lange der letzte Baum noch steht, wird für die Lesselallee gekämpft.“

Zum Nach-Spaziergehen hier noch einmal die Fotos vom Tage:

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