Die Sommerschwüle, das Sommerfest der schwulen und lesbischen Szene in Mainz, gibt es ja schon seit 1993, und bisher fand das erst in der Alten Ziegelei in Mainz-Bretzenheim, seit einigen Jahren dann im Kulturzentrum KUZ statt. Nun aber rückt das Fest für die homosexuelle Szene in die Mitte von Mainz: Am morgigen Samstag feiert die Sommerschwüle ihr Fest direkt vor dem Theater. Und dabei bekommt Mainz zum ersten Mal eine eigene Parade, den ersten Christopher Street Day.

CSD: Ursprung in New York 1969 Bunte Künstlerin Sommerschwüle 2013 - Foto Schwuguntia/Tina Rodler

Der CSD hat eine lange Tradition, seinen Ursprung hat er in einem Aufstand im New Yorker Stadtviertel Greenich Village im Jahr 1969. Damals kämpften Homosexuelle tagelang gegen Übergriffe der New Yorker Polizei – aus dem Jahrestag dieses Ereignisses wurde der Christopher Street Day, ein hochpolitischer Umzug durch New York, bei dem Schwule, Lesben, Transvestiten und Transgender-Menschen für ihre politischen Rechte eintreten.

In Deutschland fand laut Wikipedia der erste Christopher Street Day 1979 in Bremen und Berlin statt, in Berline und in Köln gibt es heute die größten deutschen Paraden dieser Art. Wenn Wikipedia Recht hat, dann lockte der CSD in Köln im Jahr 2002 mit 1,2 Millionen Besuchern mehr Zuschauer an als der Rosenmontagszug, und das will wirklich was heißen.

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Parade für gleiche Rechte

Im Rhein-Main-Gebiet ist der Frankfurter Christopher Street Day der größte, doch nun ziehen die Mainzer nach. Gegen 12.00 Uhr soll der Demonstrationszug vom Gutenbergplatz vor dem Theater aus starten, über den Neubrunnenplatz und den Schillerplatz zurück zu Ludwigsstraße und dem Gutenbergplatz vor dem Theater führen.

„Wir wollen uns präsentieren und für unsere Rechte einstehen“, sagte der Vorsitzendes des veranstaltenden Vereins Schwuguntia, Thomas Holstein Mainz&. Noch immer müssten homosexuelle Menschen gegen Diskriminierungen kämpfen, gerade beim Thema volle Anerkennung der Ehe und dem Adoptionsrecht für Kinder, „da hinkt Deutschland zehn, zwölf Jahre hinterher“, sagte Holstein.

Und noch immer kursierten Ansichten, Homosexualität sei heilsam, die Betroffenen also Kranke. „Wir haben gerade wieder ein solches Flugblatt aus dem fundamental-christlichen Milieu gehabt“, sagte Holstein. Darauf werde suggeriert, Homosexualität sei keine Liebe und damit weniger wert. Also ehrlich….

Frauenband Antenne Lila - Foto Schwuguntia Tina Rodler
Frauenband Antenne Lila sorgt für Schwung – Foto Schwuguntia Tina Rodler

Und doch hat sich auch einiges getan in den vergangenen Jahren. Diskriminierung im Job habe er persönlich nie erlebt, berichtete Holstein. Auch gebe es bei der Stadt Mainz jetzt einen Beauftragten für die Belange von Homosexuellen, die sogenannte Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.

Leider aber, bedauerte Holstein, lehne die Stadt eine Unterstützung für Treffpunkte wie die Bar jeder Sicht im Bleichenviertel ab. „Die Bar wird seit zehn Jahren komplett ehrenamtlich geführt und finanziert sich nur aus Einnahmen“, sagte Holstein. Hier würde er sich mehr Unterstützung wünschen. „Dass wir mit dem CSD jetzt mitten in Mainz sind, ist toll, aber damit sind noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, mahnte Holstein.

Umzug mit Regenbogen & Trommelgruppe: Einladung für alle

Mit dem Umzug wolle Schwuguntia erst einmal klein anfangen, deshalb werde es keine größeren Wagen geben. Kostüme gehörten aber natürlich dazu, betonte Holstein: „Es soll jeder so leben dürfen, wie er möchte – und so kann er sich auch präsentieren“, sagte er. Auch werde es Banner geben, einen  großen Regenbogen aus Luftballons, und auch eine Trommelgruppe wird dabei sein. „Wir laden alle ein mitzugehen“, sagte Holstein: „Wir hoffen, dass sich viele einreihen.“

Sommerschwüle Party im KUZ 2013 - Foto Schwuguntia/Tina Rodler
Sommerschwüle Party im KUZ 2013 – Foto Schwuguntia/Tina Rodler

Vor dem Theater wird es ein großes Straßenfest geben, allein 24 Informationsstände werden über alle möglichen Themen informieren. Für Essen und Trinken ist natürlich auch gesorgt, die Bandbreite reicht von Bratwurst und Pommes über Kaffee & Kuchen und Crepes bis hin zum veganen Essen des Möhren Milieus.

Großes Straßenfest vor dem Theater mit Infos und Essen & Trinken

Dazu gibt es zwei Bühnen und ein großes Musik- und Kulturprogramm. Zu Gast sind Antenne Lila, eine Frauenband aus Mannheim, die Sängerin Madlen Geuther und Ryan Stecken, der sich selbst Boy-Tunte nennt und – ähnlich wie Conchita Wurst – mit Rollenklischees und einer gesellschaftlichen „Normalität“ spielt, die es eigentlich gar nicht gibt. Zu Gast sind auch drei bekannte Travestiekünstlerinnen aus Frankfurt – Jessica Walker, Salma Jacobs und Gizie Suprem.

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Dazu gibt es um 15.00 Uhr eine politische Talkrunde, die sich auch dem Thema der Sommerschwüle widmen werde: der Aufklärung über Homosexualität an Schulen. „‚Du schwule Sau‘ ist immer noch eines der häufigsten Schimpfwörtern an Schulen“, sagte Holstein. Hier müsse mehr aufgeklärt werden, auch bei Lehren und Eltern.

Schulbücher: Vater, Mutter, Kind = Normalität

Ein großes Problem sei auch, dass Schulbücher immer von der klassischen Vater-Mutter-Kind Familie ausgingen, sagte Holstein und forderte: „Man müsste eigentlich fragen: was ist denn normal? Wer definiert denn, was normal ist?“ Das finden wir von Mainz& eine sehr gute Frage…

Aber natürlich wird bei der Sommerschwüle ganz viel gefeiert: Wenn sich das Straßenfest so langsam auflöst, etwa gegen 22.00 Uhr geht es in KUZ zur großen Party. Viel Spaß dabei!

Info& auf Mainz&: Alles über die Sommerschwüle, dem ersten Christopher Street Day und die Forderungen von Schwulen und Lesben findet Ihr unter www.sommerschwuele.de

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