Der Schock über den Nicht-Beschluss des Wiesbadener Umweltausschusses sitzt in Mainz-Kostheim noch tief, schon in wenigen Tagen könnte die Stadt mit der Kettensäge in der Lesselallee anrücken. Die 74 uralten Kastanien auf der Maaraue sind dem Untergang geweiht, doch kampflos wollen die Baumschützer nicht aufgeben: „Solange die Bäume stehen, kämpfen wir für die Bäume“ heißt es von der Initiative „Rettet unsere Kastanien“. Die Stadt Wiesbaden lädt  unterdessen für den 24. und den 25. September zu „Bürgerinformationstagen“ an und in die Lesselallee.

Lesselallee mit Gitterstäben - Foto: gik
War’s das für die Lesselallee? – Foto: gik

Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) hält derweil an seiner Interpretation fest, dass mit der Ablehnung des Antrages, die Lesselallee zu erhalten, der Weg frei ist für das Fällen der Kastanien. „Für die Erneuerung der Lesselallee hat die Stadtverordnetenversammlung im Haushalt bereits ein Budget zur Verfügung gestellt“, teilte Franz mit.

Bei dem Projekt „I.03747.200 67 Erneuerung Lesselallee Kostheim“ seien für das Jahr 2014 insgesamt 70.000 Euro und für das Jahr 2015 ebenfalls 70.000 Euro bereitgestellt worden. Weitere Mittel stünden „durch Überleitung von Restmitteln“ zur Verfügung – was immer das heißen mag.

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„Zugang zur Allee schnellstmöglich wieder ermöglichen“

„Ich habe deshalb das Amt für Grünflächen, Landwirtschaft und Forsten gebeten, nunmehr umgehend alle erforderlichen Vorbereitungen für die Erneuerung der Lesselallee in die Wege zu leiten“, sagte Franz weiter. Ziel müsse sein, den Menschen den Zugang zur Allee schnellstmöglich wieder zu ermöglichen.

„Bürger ausgetrickst, feige, unehrlich“

Lesselallee in Schieflage - Foto: gik
Diese Allee wird es in wenigen Tagen nicht mehr geben – Foto: gik

Das dürfte in den Ohren der Baumverteidiger wie Hohn klingen. „Die Leute hier sind fassungslos, und sie weinen“, sagte Marion Mück-Raab von der Bürgerinitative. Die Menschen in Kostheim weinten, wenn sie vom Fällplan des Dezernenten erführen. Franz habe mit der Umgehung eines klaren Fällbeschlusses „die Bürger ausgetrickst“, während sich die regierende Koalition aus CDU und SPD „aus der Verantwortung stiehlt“ und „dem Dezernenten einen Freifahrschein“ ausstelle. „Das ist unehrlich und total feige“, schimpfte Mück-Raab.

„Hier geht es um die Demokratie“

Die BI werde nun nach Wegen suchen, das Aus für die Allee doch noch zu verhindern, sagte Mück-Raab weiter. Derzeit verkaufe die Initiative Kastanien aus der Allee, um Geld für weitere Aktionen zu sammeln. „Wir werden das nicht widerstandslos hinnehmen“, betonte Mück-Raab, „auch nicht den Umgang mit der Demokratie.“ Denn an der Lesselallee gehe es längst nicht mehr nur um die Bäume, betonte die Lokalpolitikerin: „Hier geht es um die Demokratie und eine Verwaltung, die macht, was sie will.“

„Hanebüchene Trickserei, einer Demokratie unwürdig“

Auch der Linkenpolitiker Hartmut Bohrer warf CDU und SPD „Feigheit“ vor, die Fraktionen hätten sich vor einem klaren Fällbeschluss gedrückt. „Das ist eine hanebüchene Trickserei und einer Demokratie unwürdig“, sagte auch der Vorsitzende des Umweltausschusses, der Grüne Ronny Maritzen, Mainz&. Die Fraktionschefin der Grünen, Christiane Hinninger, betonte hingegen, mit dem Posten im Haushalt sei „nicht im Mindesten das Fällen der Allee beschlossen“ worden. „Erneuerung heißt nicht automatisch Kahlschlag“, sagte sie: „Wir werden das nicht mitmachen.“

Stadt lädt zu Bürgerinformationstagen an der Lesselallee

Unterdessen lädt die Stadt Wiesbaden zu zwei Bürgerinformationstagen: Am Mittwoch, den 24. September, von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, und am Donnerstag, den 25. September, von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr, bietet das Amt für Grünflächen, Landwirtschaft und Forsten Informationen zur Lesselallee vor Ort an. „Ich möchte den Bürgern die Gelegenheit geben, sich ein Bild vom Zustand der Kastanien zu machen und über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren“, betonte Franz.

Lesselallee blühend ohne Zaun - Foto privat
Geht Sie Euch noch mal angucken… – Foto: privat

Führungen durch die Allee

Vertreter des Fachamtes würden bei Führungen durch die Allee den Zustand der Bäume erläutern und Fragen beantworten. Die Führungen beginnen am Eingang „Klärwerk“ und enden am Ausgang „Sportplatz“, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Franz warnte aber vorsorglich, dass Wartezeiten nicht ausgeschlossen werden könnten. Da die Allee derzeit im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht gesperrt ist, muss jeder Teilnehmer an einer Führung vor Ort eine Freistellungserklärung unterschreiben. Eine gute Gelegenheit, um viele Fragen zu stellen…

„Weißt du, was die Bäume reden?“

Ganz nebenbei flatterte Mainz& dann zufällig noch ein Termin ins Haus: Am Mittwoch, den 24. September, könnt Ihr nachmittags ab 17.30 Uhr in der Fasanerie einen Film sehen, Titel: „Weißt du, was die Bäume reden?“ In dem Film aus den 1990er Jahren führen die Ureinwohner Kanadas einen erbitterten Kampf um den Erhalt der Wälder und, so heißt es in der Ankündigung weiter: „Bäume sind immer als lebendiger Teil der Schöpfung angesehen worden, man hat mit und von ihnen gelebt.“ Vielleicht sollte man den Film als Pflichtveranstaltung im Wiesbadener Rathaus zeigen 😉

Info& auf Mainz&: Bürgerinformationstage an der Lesselallee auf der Maaraue: Mittwoch, 24. September, 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, und Donnerstag, 25. September, von 12.00 Uhr bis 15.00. Hingehen! Die ganze Geschichte könnt Ihr natürlich im Detail auf Mainz& nachlesen, die Ereignisse aus dem Umweltausschuss findet Ihr hier.

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Den Bürgern nun „Informationsveranstaltungen“ (Gehirnwäsche) anzubieten, ist der blanke Hohn! Man hat sich ausreichend informieren können. Die Stadt will nun, den unwissenden Bürgern, diesem unmündigen Stimmvieh, endlich klar machen, dass sie weiß, was besser für die Bürger ist. Auch auf Kommunalebene haben Politiker nicht verstanden, dass unsere Form der repräsentativen Demokratie immer mehr hinterfragt wird, dass Bürger auch bei Einzelentscheidungen Mitbestimmungsrechte haben wollen und auch verlangen können; denn wer das Geld gibt hat zu sagen. Ich kann den kostheimer „Bürgerrechtlern“ nur zurufen, nicht zu weinen, sondern mit ihren demokratischen Mitteln weiter zu kämpfen. Die Stadt wird dann diesen Kampf nur noch mit dem Monopol ihrer Gewalt und Kettensägen für sich entscheiden können und diejenigen fällen, die sich nicht wehren können.

  2. Läßt sich aus den angekündigten Info-Veranstaltungen nicht eine riesige Protestdemo machen,
    mit Pauken und Trompeten (ähnlich wie bei Fraport)
    Wichtig wäre die rasche Vernetzung mit andern BI’s.
    Wer könnte das in die Hand nehmen und organisieren ?

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