Die Debatte, wie schädlich Silvesterfeuerwerk für Gesundheit und Umwelt ist, bekommt nun eine neue Wendung: Das Umweltbundesamt (UBA) korrigierte am Donnerstag seine Schätzungen über den pro Jahr verursachten feinstaub durch die Silvester-Böllerei deutlich nach unten. Demnach werden pro Jahr zum Jahreswechsel in Deutschland durch Feuerwerk rund 2.050 Tonnen Feinstaub produziert – das ist nur halb so viel wie bislang angenommen. Grund für die Korrektur ist ein neues Berechnungsverfahren auf der Grundlage von Experimenten, das realitätsnähere Werte des Feinstaubausstoßes lieferte. Das UBA warnt trotzdem: Feinstaub gefährde die menschliche Gesundheit.

Feuerwerk bei der Johannisnacht. - Foto: gik
Feuerwerk bei der Johannisnacht. – Foto: gik

Der Streit um die hohen Feinstaubwerte durch Silvesterfeuerwerk tobt seit einigen Jahren heftig, seitdem die Deutsche Umwelthilfe (DUH) massiv auf die Gefahren hinweist und Feuerwerksverbote in deutschen Städten bundesweit fordert. In diesem Jahr hatte die DUH gar ein Verbot der privaten Böllerei bei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beantragt und argumentiert mit Gesundheitsgefahren, Schrecken für Tiere – und mit dem produzierten Dreck und Qualm: 4.500 bis 5.000 Tonnen Feinstaub würden jedes Jahr rund um Mitternacht an Silvester freigesetzt, das entspreche in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge, so das Hauptargument.

Doch das ist so nicht richtig, musste nun das Bundesumweltamt selbst einräumen: Neue Berechnungen zeigten, es seien nur knapp halb so viel, nämlich pro Jahr rund 2.050 Tonnen Feinstaub, die durch den Abbrand von Feuerwerkskörpern produziert würden. Damit mache Feuerwerk knapp ein Prozent der jährlichen PM10-Gesamtemission sowie knapp zwei Prozent der jährlichen PM2,5-Gesamtemission aus.

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PM10 ist eine grobere Form des Feinstaubs, 2,5 PM die kleinere Variante, beide Rußpartikel gelten als hochgradig schädlich für die menschliche Gesundheit. Die Auswirkungen reichen von vorübergehenden Reizungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis hin zu vermehrten Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Forscher sehen in dem Feinstaub in der Luft auch eine erhebliche Quelle für Millionen von Todesfällen pro Jahr weltweit.

Um den Feinstaubausstoß in der Silvesternacht ist eine heftige Debatte entbrannt. - Foto: gik
Um den Feinstaubausstoß in der Silvesternacht ist eine heftige Debatte entbrannt. – Foto: gik

Die Halbierung der Silvesterwerte nun geht auf das Konto des Verbands der pyrotechnischen Industrie: Dieser habe von einem unabhängigen Prüfinstitut Emissionsmessungen beim Abbrand von Feuerwerk durchführen lassen, berichtete das UBA nun auf seiner Internetseite, daraus ließen sich neue Emissionsfaktoren ableiten. Die Ergebnisse dieser experimentellen Studie seien dem UBA vorgestellt worden, die gemeinsam entwickelte Vorgehensweise zur Ermittlung der Feinstaubemissionen aus Feuerwerk sei „valide und fachlich korrekt“, betont die Bundesbehörde weiter. Vor allem aber: Die neue Methode liefere gegenüber den bislang verwendeten Daten realitätsnähere Werte des Feinstaubausstoßes.

Das UBA werde deshalb für die Luftschadstoffemissionsberichterstattung im Jahr 2021 erstmals die nach der neuen Methode ermittelten Emissionen verwenden und plant zudem, die neue Berechnungsmethode in Regelwerke der europäischen Wirtschaftskommission einzubringen. Der Verband VPI wolle seine Studienergebnisse in Kürze in einem wissenschaftlichen Journal publizieren. Zugleich betont die Umweltbehörde: Auch wenn über die akuten Wirkungen einer kurzfristig hohen Feinstaubbelastung wie zu Silvester wesentlich weniger bekannt sei, als über langfristig erhöhte Konzentrationen in der Atemluft: „Jegliche Reduzierung und Vermeidung von Feinstaubemissionen ist unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsvorsorge sinnvoll und empfehlenswert.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Debatte um das Verbot privater Silvesterfeuerwerke, gerade in Corona-Zeiten, lest Ihr hier bei Mainz&.

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