Dass der Fluglärm weite Teile von Mainz mit unerträglichem Lärm überzieht, ist ja nun wirklich nichts Neues. Aber es ist ja doch nett, wenn man die eigene Wahrnehmung offiziell bestätigt bekommt 😉 Das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz teilte nämlich kurz vor Ostern Ergebnisse von Fluglärm-Messungen an vier Standorten mit. Ergebnis: der Fluglärm in Mainz ist besonders in den Morgenstunden zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr sehr belastend – und am Schlimmsten ist es in Weisenau. Als wenn wir das nicht wüssten…

Startender Flieger am Frankfurter Flughafen
Startender Flieger am Frankfurter Flughafen – Foto: gik

Der Lärm über Weisenau liegt also kurz vor dem AAARGH-Pegel, und in den stillen Morgenstunden hört man den Lärm ja bekanntlich besonders gut. „Ein ungestörter Schlaf mit gekipptem Fenster ist dabei nicht möglich“, sagte der Staatssekretär im Umweltministerium, Thomas Griese. Und die Messungen hätten auch ergeben, dass gerade zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr besonders viele laute Flugzeuge im Anflug seien.

Deshalb reiche es nicht aus, lediglich die Anzahl der Flugbewegungen zu limitieren: „Wir fordern Lärmdeckel als echten Anreiz für leiseres Fliegen und für leisere Flugzeuge“, betonte Griese. Vor allem wolle Rheinland-Pfalz aber erreichen, dass bei den Messungen nicht – wie bisher üblich – lautere Zeiten nicht länger mit leiseren Zeiten verrechnet würden. Kluger Satz des Herrn Staatssekretär, denn seit Jahrzehnten werden, wie die Mainzer leidvoll wissen, die Lärmwerte gemittelt, und der Lärm so klein gerechnet.

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Da könnte man glatt wild werden… – Foto: gik

 

Nehme man die tatsächlichen Lärmwerte ohne Mittelung, „dann würden größere Gebiete vor allem in Mainz in die Lärmschutzzone des Frankfurter Flughafens einbezogen werden“, stellte Griese fest. In der Tat – und genau deshalb wird es bei der Mittelung der Werte bleiben… Wäre ja super toll, wenn man die Mittelung endlich abschaffen würde, allein: uns fehlt der Glaube.

Rheinland-Pfalz will jedenfalls mit einer Bundesratsinitiative besseren Lärmschutz in Luftverkehrsgesetz erreichen, und setzt dazu nun auf den „Schulterschluss“ mit der schwarz-grünen Regierung in Hessen. Na, das werden wir dann doch gleich morgen mal den neuen hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen fragen 😉

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt übrigens für den Lärmschutz in der Nacht einen Mittelwert von 40 Dezibel beim Umgebungslärm. Dieser Wert werde nur in Nackenheim eingehalten, berichtete Griese weiter. Allerdings, räumte er auch ein, überschritten die Messwerte eben nicht die von der WHO als „rote Linie“ betrachtete „Interimsziel“ von 55 Dezibel als Ganzjahresmittelwert. Im Klartext: mittelt man die Lärmwerte übers ganze Jahr hinweg, ist es nicht zu laut. Kunststück, wenn leise Tage mit lauten verrechnet werden!

Schön deshalb, dass das Umweltministerium trotzdem Handlungsbedarf sieht: Es gehe nicht an, dass die Menschen in Mainz und Rheinhessen in der Nacht von Fluglärm geweckt würden, „und trotzdem keinen Anspruch auf Lärmschutzfenster haben“, kritisierte der Staatssekretär. Finden wir übrigens auch 😉 Und wir werden natürlich im Auge behalten, ob den Worten auch Taten folgen.

Info& auf Mainz&: Die Fluglärm-Messdaten könnte Ihr auch im Internet einsehen und verfolgen: Unter www.dfld.de führt der Deutsche Fluglärmdienst, ein privater Verein, die Messwerte auch aus der Rhein-Main-Region genauestens auf. Einfach einen der Punkte auf der Karte in Frankfurt-Nähe anklicken, und ihr bekommt unter „Messwerte“ eine Herzschlag-Grafik des Lärms.

Besonders cool: Unter „Flugspuren“ bekommt ihr die Lärmlinien auf einer Karte eingezeichnet, aktuell sieht man da auch sehr schön, wo die Südumfliegung gerade verläuft. Und unter „Flugspuren live“ könnte Ihr sogar jedes Flugzeug einzeln live beim Starten oder Landen verfolgen. Die Messergebnisse in RLP könnt Ihr auf der Seite des Landesuntersuchungsamtes abrufen, zu finden in der Sparte „Lärmmessungen“.

Mehr über die Lärmmessungen auf dem Dach der Uniklinik sowie den streitbaren Kardiologen Thomas Münzel lest ihr bei Mainz& genau hier.

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