Der Mainz&-Bericht von heute morgen über eine weitere Untersuchung der Stadt Wiesbaden in der Lesselallee hat für einigen Wirbel gesorgt. Schon am Morgen entwickelte sich auf der Facebook-Seite von Ronny Maritzen, Grünen-Politiker und Vorsitzender des Wiesbadener Umweltausschusses, eine heftige Debatte. Interessanterweise gab es allerdings niemanden, der die Mainz&-Berichterstattung als falsch bezeichnete…

Lesselallee - geheime Untersuchung oder alles ganz transparent? - Foto: gik
Lesselallee – geheime Untersuchung oder alles ganz transparent? – Foto: gik

Gleichzeitig wurde Mainz& eine „polemische“ Berichterstattung vorgeworfen – das weisen wir hier entschieden zurück. Mainz& recherchiert sauber und umfassend, wir sind komplett unabhängig, werden von niemandem aus der Politik engagiert oder gesponsert – und Mitglied einer Partei sind wir auch nicht.

Wir stellen aber sehr gerne unser Vorgehen dar, damit Ihr Euch selbst ein Urteil bilden könnt:

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Von einer Untersuchung der Lesselallee auf das Bakterium Pseudomonas syringae erfuhr Mainz& zuerst gerüchtehalber, und zwar durch eine Presseinformation der AUF und der SPD Mainz-Kostheim. Dort hieß es „man hat uns zugetragen“, weshalb Mainz& aufgrund der dünnen Quellenlage über diesen Verdacht zunächst nicht berichtet hatte – das war für uns keine seriöse Grundlage der Berichterstattung.

Als dann aber Baumexperte Ulrich Weihs ebenfalls von einer Pseudomonas-Untersuchung berichtet, haben wir nachgefragt, bei Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU). Dessen persönlicher Referent Thomas Kroppen sagte auf unsere Frage nach der Untersuchung zunächst:  „Nicht dass ich wüsste.“ Ob das Thema bei der Pressebegehung der Lesselallee mit Gutachter Roland Dengler am Freitag zur Sprache gekommen sei? „Nein“, sagte Kroppen: „Das war überhaupt kein Thema.“

Gleichzeitig sagt der Vorsitzende des Umweltausschusses, Ronny Maritzen, von einem Pseodomonas-Untersuchungsauftrag sei bei der Begehung der Allee am 31. Juli nicht die Rede gewesen. Erst auf die Mainz&-Bitte an Herrn Kroppen, wegen der Pseudomonas-Untersuchung nachzufragen, erhielt Mainz& die Antwort: Ja, die Untersuchung gab es, in den Sommerferien, Ergebnis: negativ.

Damit stellt sich unsere Informationslage folgendermaßen dar:

  • Es gibt eine Untersuchung auf Pseudomonas.
  • Diese Untersuchung ist dem Vorsitzenden des Umweltausschusses nicht bekannt.
  • Diese Untersuchung wird nicht bei einer umfassenden Presseinformation am 12. September erwähnt.
  • Diese Untersuchung ist dem persönlichen Referenten des zuständigen Dezernenten nicht bekannt.
  • Diese Untersuchung oder die Absicht dazu, wird nicht bei einer Bürgerinformation am 31.7. erwähnt.
  • Diese Untersuchung steht nicht auf der Internetseite der Stadt Wiesbaden zur Lesselallee.

Gleichzeitig lehnte der Umweltausschuss Anfang Juli die Beauftragung weiterer Untersuchungen zur Lesselallee mit dem Grund ab, weitere Gutachten zum Gesundheitszustand der Allee seien nicht notwendig.

Was wurde bei der Begehung der Lesselallee am 31.7. besprochen? - Foto: gik
Was wurde bei der Begehung der Lesselallee am 31.7. besprochen? – Foto: gik

Beurteilt selbst, ob man bei diesem Sachverhalt von einer „geheimen Untersuchung“ sprechen kann oder nicht. Den Vorwurf der Polemik weisen wir ausdrücklich zurück. Aus unserer Sicht hat guter Journalismus die Aufgabe, über Vorgänge in der Politik aufzuklären und offen zu legen, wie mit Steuergeldern umgegangen wird. Das tun wir, und dafür entschuldigen wir uns nicht.

Der Mainz&-Bericht war dann auch Thema in der Fragestunde des Umweltausschusses am Dienstag. Dort betonten Vertreter der regierenden Fraktionen von CDU und SPD, sie hätten bei der Begehung der Lesselallee Dengler berichten hören, dass er Stellen gefunden habe, die auf Pseudomonas hindeuteten. „Ich habe das von Herrn Dengler selbst gehört“, sagte die CDU-Stadträtin Nicole Röck-Knüttel, „wer zugehört hat, hat das auch mitbekommen.“

Maritzen & Bohrer: Wir wussten nichts

Woraufhin Hartmut Bohrer von der Linken erwiderte: „Das war ja keine ordentliche Ausschusssitzung, wir haben uns zum Teil an verschiedenen Orten aufgehalten, ich habe das jedenfalls nicht gehört.“ Und Ausschussvorsitzender Maritzen betonte im Ausschuss: „Ich als Vorsitzender des Umweltausschusses wurde in meiner Eigenschaft nicht informiert, dass eine bakteriologische Untersuchung in einem Labor stattfindet.“

SPD-Stadträtin Michaela Apel betonte, bei den Gesprächen in der Leselallee sei „klar gewesen“, dass auf Pseudomonas untersucht werden würde. „Ich halte es für normal, erst ein Ergebnis in die Öffentlichkeit zu bringen, und nicht jeden kleinen Kram“, fügte sie hinzu. Die Presse übrigens war bei der Begehung der Lesselallee durch den Umweltausschuss nicht zugelassen, woher hätten wir also vom Thema Pseudomonas wissen sollen?

Franz: „Keine Geheimniskrämerei“

Dezernent Franz wiederum berichtete dem Ausschuss, Dengler habe die Pseudomonas-Stellen bei der Besichtigung am 31. Juli entdeckt, es sei dann „kurz darüber gesprochen worden, dass das ein Pseudomonas-Fall sein könnte.“ Die Untersuchung sei durch das Institut Kehr in Göttingen durchgeführt worden, das Ergebnis liege noch nicht schriftlich vor. Ihm sei aber bereits bekannt, dass es keinen Befall der Allee mit Pseudomonas gebe. „Es gibt gar keine Geheimniskrämerei vor“, betonte Franz, sobald der schriftliche Beleg vorliege, werde er auch im Internet veröffentlicht.

Mainz& weist in diesem Zusammenhang auch noch einmal darauf hin, dass ein Handout Denglers bei der Begehung der Lesselallee ebenfalls nicht offen kommuniziert, sondern erst auf Nachfrage von Mainz& im Internet veröffentlicht wurde. Auf die Frage, wieviel die neue Untersuchung gekostet hat, haben wir übrigens bislang noch keine Antwort.

Also bitte: Urteilt selbst!

Info& auf Mainz&: Und damit Ihr das könnt, hier noch der Link zur sehr lebhaften Facebook-Debatte: https://www.facebook.com/ronny.maritzen/posts/10204994948336852?comment_id=10204999292525454&offset=0&total_comments=53

 

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