Mitten in der Fastnacht findet in diesem Jahr eine wahre Kontrastveranstaltung statt: das Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Immer am 27. Februar jährt sich nämlich der Untergang von Mainz, in diesem Jahr zum 69. Mal. An jenem 27. Februar 1945 legten alliierte Flugzeuge das Goldige Mainz in Schutt und Asche. 80 Prozent (!) der Mainzer Innenstadt wurden zerstört, etwa 1.200 Mainzer ließen ihr Leben. Mitten an Altweiberfastnacht findet deshalb das diesjährige Gedenken statt: Am Donnerstag um 11.00 Uhr in der Ruine des St. Christophskirche.

Zeichnung der Ruine St. Christoph - Foto: Dom- und Diözesanmuseum
Zeichnung der Ruine St. Christoph – Foto: Dom- und Diözesanmuseum

20 Minuten dauerte der Luftangriff der britischen Luftwaffe, nur 20 Minuten – dann war ein Großteil von Mainz für immer zerstört. 435 Bomber der britischen Royal Air Force warfen zwischen 16:29 und 16:45 Uhr 1.500 Tonnen (!) an Bomben ab. Die Bomben trafen vor allem weite Teile der Mainzer Neustadt, auch Weisenau, Gustavsburg  und Bischofsheim wurden stark getroffen – und damit offenbaren sich auch schon die Gründe für das Bombardement.

Mainz war ein wichtiger Eisenbahnknoten für Deutschland, dazu kamen die Rheinhäfen in der Neustadt und in Gustavsburg. Ironischerweise blieb das eigentlich Ziel des Angriffs, die Bahnanlagen, unbeschädigt, so weiß zumindest Wikipedia zu berichten. In Ruinen lagen auch viele Kirchen, darunter St. Christoph, das zwischen Flachsmarkt und Karmeliterplatz liegt. Die zwischen 1240 und 1330 in Mainz erbaute, frühgotische Kirche war die Taufkirche von Johannes Gensfleisch zu Gutenberg – dem berühmten Buchdrucker. Am 27. Februar 1945 brachten Sprengbomben das Gewölbe der Kirche.

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Wiederaufgebaut wurden von St. Christoph nur die Außenmauern – die Ruine der Kirche wurde bewusst als Mahnmal für die Schrecken des Krieges gestaltet. „Den Toten zum Gedenken/ Den Lebenden zur Mahnung“, ist der Text einer in den Boden eingelassenen Gedenktafel. Das gotische Taufbecken aus der Zeit Gutenbergs ist übrigens erhalten geblieben, die Kirche gehört übrigens zur orthodoxen Gemeinde in Mainz.

In der Kirchenruine gedenkt die Stadt am Donnerstag um 11.00 Uhr mit einer Kranzniederlegung durch Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Der Ortsbeirat der Mainzer Altstadt gedenkt ebenfalls am Donnerstag des „Infernos von Mainz“, diesmal um 16.00 Uhr an der Gedenktafel in der Emmeranstraße, zwischen Sparda Bank und der Römerpassage. Also mitten im Fastnachtstrubel…

Der erste Rosenmontagszug nach dem Zweite Weltkrieg zog übrigens 1950 durch die Straßen. Mitten zwischen den Trümmern der Stadt feierten – trotzdem oder vielleicht auch deswegen – rund 300.000 Zuschauer den Zug mit 100 Zugnummern. Wenn man bedenkt, dass heute mancher Zug bei schlechtem Wetter auch nur etwas über 300.000 Zuschauer anzieht, dann sagt das viel über die Sehnsucht der Menschen nach Lachen und buntem Treiben nach dem Krieg. Der Rosenmontagszug 1950 wurde übrigens erstmals durch ein innovatives Instrument finanziert: dem Mainzer Zugplakettcher.

Info& auf Mainz&: Veranstaltungen rund um das Gedenken an den 27. Februar 1945:

  • Das Dommuseum lädt für den heutigen Mittwoch, den 26. Februar um 16.00 Uhr zu einer Lesung aus den Berichten von Augenzeugen jenes Tages vorgelesen, historische Aufnahmen ergänzen die Lesung. Ort: Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, Domstr. 3, 55116 Mainz. Eintritt: 4,- Euro. Die Lesung findet im Rahmen der Sonderausstellung „Geliebte Stadt. Heinz Leitermann zeichnet das alte Mainz“ statt, die noch bis zum 19. April zu sehen ist. Mehr Infos dazu hier.
  • Donnerstag, 27. Februar, 11.00 Uhr: Offizielles Gedenken der Stadt Mainz in der Ruine von St. Christoph.
  • Donnerstag, 27. Februar, um 16.00 Uhr, Gedenktafel in der Emmeranstraße, zwischen Sparda Bank und Römerpassage.
  • Am Mittwoch, den 26. Februar um 19.00 Uhr wird übrigens eine Ausstellung eröffnet, die dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg dient: In der Kunsthalle Mainz im Zollhafen wird „Les Gueules Cassés. Narben des Ersten Weltkrieges in der zeitgenössischen Kunst“ eröffnet. Infos dazu hier.

 

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