Wie erfolgreich ist eine Bürgerinitiative, die es nach drei Jahren noch immer gibt? Die BI Mainzer Ludwigstraße feiert am heutigen Mittwoch ihr dreijähriges Bestehen. Und sie ist alles andere als müde geworden: Das Bauvorhaben einer Shoppingmall auf der Ludwigstraße durch den Großinvestor ECE besteht weiter, im Hintergrund wird zwischen Stadtspitze und ECE weiter verhandelt.

Doch die Zeit läuft gegen ECE, das ursprüngliche Konzept ist schon jetzt nicht mehr umsetzbar. Gut so, sagt die BI – das Konzept der Großeinkaufszentren sei längst überholt. Mainz& traf drei Köpfe der BI, Hartwig Daniels, Dagmar Wolf-Rammensee und Vera Mohr in Wolf-Rammensees Stoffladen Tessuto in der Mainzer Altstadt.

Karstadt mit Fuststraße - Foto gik
Objekt der Begierde: Das Karstadt-Kaufhaus auf der LU – Foto: gik

Und zwischen Telefon, Kunden und Kaffee entspann sich ein spannendes Gespräch über überholte Einkaufskonzepte, sinnvolle Planungen der 1960er Jahre und neue Ideen für das Mainzer Wohnzimmer: die Ludwigstraße, liebevoll genannt „die LU.“ Viel Spaß beim Lesen! Ach ja: AvMZ& heißt natürlich „Anmerkung von Mainz&“ 😉

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Mainz&: Drei Jahre Bürgerinitiative – wie fällt Eure Bilanz aus?

Hartwig Daniels: Es ist schon etwas besonderes, dass eine BI überhaupt drei Jahre existiert. Meistens sind die Themen ja schneller erledigt, und manche zerstreiten sich untereinander und fallen auseinander. Wir sind überhaupt nicht zerstritten, im Gegenteil: wir sind mehr beieinander als je zuvor. Und natürlich ist unser Anlass weiterhin gegeben – die Shopping Mall soll weiter gebaut werden.

Mainz&: Aber irgendwie scheint ja gerade nichts so recht voran zu gehen…

Karstadt Kaufhaus mit China-Pavillon am Gutenbergplatz - Foto gik
Karstadt Kaufhaus mit China-Pavillon am Gutenbergplatz – Foto gik

Daniels: Der Planungsprozess stockt, weil er von völlig falschen Voraussetzungen ausging: Man hat nämlich – völlig über die Köpfe der Grundstückseigentümer hinweg – einfach angenommen, es werde gelingen, die erforderlichen Grundstücke zusätzlich zu Karstadt kaufen zu können. Das ist die Arroganz der Macht eines Großunternehmens, das bisher gewohnt war, dass mit Geld alles zu machen ist. Nun gibt es aber Leute, denen noch andere Dinge am Herzen liegen, und deshalb haben die Eigentümer des (China-)Pavillons am Gutenberg-Platz dem Verkauf trotz guter Angebote nicht zugestimmt.

Mainz&: Würdet Ihr sagen, Ihr habt die Shoppingmall bisher verhindert?

Daniels: Nein. Damit entsteht immer der Eindruck – was uns ja gerne unterstellt wird – wir seien Verhinderer. Wir treten aber an als Ermöglicher. Zu Beginn war es doch so, dass die Verwaltung formuliert hat: Der Investor möge – wörtlich! – eine Einkaufspassage an der LU errichten und doch bitteschön mit einem Eingang zur LU, und das Ganze soll 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Das hat uns auf den Plan gerufen, weil wir wussten, was in anderen Städten in Verhandlungen mit ECE dabei herausgekommen ist: eine monolithische, nach innen gewendete Mall.

Mainz&: Aber das musstet Ihr ja erst einmal recherchieren…

Daniels: Ja, in Kaiserslautern stand ja ein ähnlicher Prozess kurz vor dem Abschluss. Wir haben uns dann über Internet und persönliche Kontakte mit der Thematik und der Firma ECE vertraut gemacht – und das hat uns in helle Aufregung versetzt: Wir müssen verhindern, dass unsere schöne Altstadt mit so einem Monstrum belastet und entwertet wird, das war der Gründungsanlass.

Pavillons auf der Ludwigstraße - Foto: gik
Ensemble der 60er Jahre: Die Pavillons auf der LU – Foto: gik

Damit war aber gleichzeitig der ausdrückliche Wunsch verbunden, an alternativen Vorschlägen mitzuarbeiten, wie diese überfällige Nachkriegsstadt-Reparatur am Standort Karstadt vollendet werden kann: kleinteilig und im Einklang mit der Baukultur dieser Stadt. Wir haben die Altstadt-Sanierung in den 1970er Jahren begonnen, sie ist nie abgeschlossen worden. Was uns noch fehlt ist die Ergänzung da, wo jetzt Karstadt geht.

Mainz&: Das heißt, der eigentlichen Frage, dort etwas zu bewegen, dagegen seid Ihr gar nicht?

Daniels: Überhaupt nicht! Im Gegenteil: Wir halten es für notwendig, dass hier eine aufwertende Stadterneuerung stattfindet. Aber das kann nicht eine 0815-Mall sein, wie es sie über Hundertfach in Städten und Tausendfach weltweit nach diesem Grundmuster der Shoppingmall realisiert  wurde. Damit werden alle Städte verwechselbar. Wir haben die Vorstellung, dass wir hier unsere schöne Stadt weiter entwickeln, zur Freude der Mainzer und auch der Touristen.

Dagmar Wolf-Rammensee: Diese großen Einkaufszentren sind in Amerika ja längst überholt, die haben da über 400 Zentren leer stehen, und wir hier in der Bundesrepublik schon 50.

Mainz&: Das hat aber auch was mit der aktuellen Wirtschaftskrise in den USA zu tun…

Plakat BI LU "Wer will denn so was" mit Modell ECE Center - Foto: gik
Modell der ECE Shoppingmall auf der LU – Foto: gik

Wolf-Rammensee: Das mag ja sein, man kann aber auch sehen, dass diese Einkaufszentren in ihrer Riesengröße, in ihrer Wiederholbarkeit und Langweiligkeit überholt haben. Wir haben in Deutschland immer dieselben Filialisten drin. Natürlich ist es sauber, ordentlich, ein schönes Licht, so wird es ja auch versprochen, aber es fehlt jegliche Kreativität und Individualität. Die Geschäfte, die dann da ‚rein gehen, gibt es auch in der Fußgängerzone, und der Einzelhandel, der Inhaber geführte, kann sich die Ladenmiete überhaupt nicht erlauben.

Mainz&: Ihr sagt ja immer, dass Zentren in Frankfurt und in Wiesbaden Probleme haben…

Daniels: Das Lilien-Carree in Wiesbaden ist seit drei Jahren insolvent. In Frankfurt hat im September 2013 das Skyline Plaza mit 170 Geschäften auf 37.000 Quadratmetern eröffnet – und es ist immer leer, während es auf der Zeil brummt. Das wurde schon von der FAZ und der Frankfurter Rundschau berichtet, die Immobilienzeitung hat sich sogar drüber lustig gemacht. In Oldenburg haben jetzt auf einen Schlag zehn Mieter gekündigt und klagen sich da per Anwalt raus, weil sie in Knebelverträge eingebunden sind – das ist wirklich irre.

Mainz&: Das heißt, wenn es die BI nicht gegeben hätte, was wäre dann passiert?

Blick vom Schillerplatz die LU entlang auf den Dom - Foto: gik
Ensemble auf der LU, Blick vom Schillerplatz Richtung Dom – Foto: gik

Daniels: Da will ich mal den Oberbürgermeister (Michael Ebling, SPD – AvMZ&) zitieren, der hat nämlich mal gesagt: Wenn es die BI nicht gäbe, müsse man sie erfinden. Wir sind ihm da zuvor gekommen. Gerade zum Zeitpunkt der Gründung hat ECE das alte Karstadt-Haus gekauft und den Mietvertrag übernommen. Wir haben dann gemerkt, wie unbedarft die Stadt an dieses eigentlich öffentliche Bauvorhaben dran ging.

Man muss ja sehen, dass dieser Bereich Karstadt eine Neuordnung der Ludwigstraße vom Schillerplatz bis zum Höfchen bedeutet, und das müsste im Grunde genommen einem geschlossenen Konzept folgen, so wie das in den 1990er Jahren ja auch mal bei zwei Wettbewerben angedacht war. Und jetzt war man im Begriff, ECE hier die städtebauliche Planung zu überlassen. Das hat uns auf den Plan gerufen, da haben wir gesagt: da müssen wir versuchen, konstruktiv Einfluss darauf zu gewinnen. Wir haben dann in fachlich guter Art und Weise mit Architekten und Stadtplanern Dinge erarbeitet und die in den Bürgerprozess der Ludwigstraßen-Foren einfließen lassen

Mainz&: Das heißt aber doch auch, dass die BI die Arbeit macht, die die Verwaltung der Stadt eigentlich leisten müsste…

Daniels: Exakt! Das habe ich schon öfter zu hören bekommen von verschiedenen Journalisten: Das ist ja eine wahnsinnige Arbeit, die Unterlagen, die Sie zusammentragen, die Recherchen, die Ausarbeitungen und Texte, den Schriftverkehr, den Sie erstellen, die Versammlungen, die Sie organisieren, Experten die Sie holen. Das alles hat ja zu einer Qualifizierung des Planungsprozesses geführt und eben auch dazu, das 0815-Konzept von ECE im Laufe der LU-Foren infrage zu stellen, und durch bessere Leitlinien für das anstehenden Bauleitplanung zu ersetzen.

Mainz&: Ist das nicht ein Armutszeugnis für die Stadt?

Karstadt mit Vorplatz und Apotheke - Foto: gik
Schön ist anders: Karstadt auf der LU mit Vorplatz und zugeklebter Apotheke – Foto: gik

Daniels: Zumindest zeigt es, dass die Verwaltung in zweierlei Hinsicht überfordert ist: einmal personell, denn sie hat viele Aufgaben im Rahmen von Bauamt, Stadtplanungsamt und Bauaufsichtsamt zu leisten. Zum anderen ist es allerdings ein Armutszeugnis, weil es darauf hinweist, dass die Verwaltung systematisch bearbeitet und infiltriert wurde von ECE – das zeigen viele Unterlagen. Und die bei ECE wissen eben hochprofessionell, wie die Verwaltung tickt, und wie man ihnen ein solches Projekt schmackhaft macht: Ihr müsst aufpassen, dass nicht Kaufkraft abfließt ins Umland, Ihr müsst sehen, dass Ihr attraktiv bleibt…

Wolf-Rammensee: … und die Konkurrenz mit Wiesbaden! Wir müssen unbedingt ein ECE hier in Mainz haben! Sonst werden wir abgehängt…

Mainz&: Aber es ist ja schon so, dass junge Leute – ich habe zwei Nichten 😉 – zum Shoppen in diese Einkaufszentren gehen, das finden die total attraktiv…

Vera Mohr: Gehen die mehr Shoppen mit 16, oder gehen die mehr Gucken?

Leerstand Radio Bauer auf der LU - Foto: gik
Leerstand Radio Bauer auf der LU – Foto: gik

Daniels: Stadtentwicklungsplanung können wir nicht gut 16- bis 22-Jährigen Konsumenten von Billigtextilien in die Hände legen. Und außerdem: Was schließt das denn aus? Wir haben derzeit die Mehrheit der Filialisten, die in den Malls vertreten sind, ohnehin in der Stadt! Wenn da mehr dazukommen wollen würden, es gibt doch Gelegenheiten genug – es gibt schon jetzt Leerstände, Radio Bauer über zwei Etagen…

Wolf-Rammensee: … Samen Kämpf, wir haben über 50 Leerstände in der Mainzer Innenstadt!

Mainz&: Aber das ist eben etwas anderes als die Shoppingmalls, das ist cool, da gehen die Kids gerne hin, da müssen sie nicht quer durch die Innenstadt laufen.

Wolf-Rammensee: Wir haben aber doch auch an die alten Menschen zu denken, an die Senioren, wo ist denn da die Kaufkraft? Und die Frage ist doch auch: Brauchen wir 3.000 Quadratmeter Gastronomie zusätzlich? Brauchen wir wirklich in der Zukunft einen geschlossenen Komplex, der vielleicht in zehn Jahren auch leer ist – was passiert denn dann damit? Wir finden es unverantwortlich, für die nächsten Generationen da einen abgeschlossenen Bau hinzustellen.

Shoppingmall: Riesenklotz an der LU - Foto gik
Shoppingmall: Riesenklotz an der LU – Foto gik

Daniels: Man muss bei solchen Projekten doch immer abwägen: welchen Preis hätte das? Woanders rechnet man nach der Ansiedlung eines solchen Projektes mit 50 Prozent Verlusten beim bestehenden Einzelhandel– die Folgen kann sich jeder vorstellen. Da veröden Straßen, selbst Geschäfte, die noch gut funktionieren, bleibt die Laufkundschaft weg – die ganze Stadtstruktur wird auf den Kopf gestellt. 1A-Lagen sind in anderen Städten komplett abgewertet worden, Fading Down-Phänomene treten auf mit Pornoshops und Tatoo-Shops, Billigbäckereien…

Dagmar: … Phoneläden…

Daniels: Wiegt denn das Interesse der 16-Jährigen das alles auf? Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Und wenn, dann sollen sie doch fahren – und drumherum hast du Autobahnen und Parkplätze.

Mainz&: … wie beim Loop5 in Weiterstadt…

Mohr: Das Loop5 ist aber auch nicht mehr so in, da sagen die Leute schon, da fahre ich nicht mehr raus. Natürlich gibt es Leute, die da kaufen, das würde ich auch tun. Die Frage ist doch: was will ich mit einer Stadt? Ist die dafür gedacht, dass ich mir mal ein Hemd kaufe, oder gibt es auch noch ganz andere Interessen, die in einer Stadt erfüllt werden müssen. Also dass Leute da leben, die sich auch irgendwo mal hinsetzen wollen, auf einer schönen Bank – die Stadt genießen als Wohn- und Lebenszentrum.

Und der Guss der Ludwigstraße ist ein ja gewollter Guss, das ist eine Struktur, die ist fast schon denkmalsfähig. Der Entwurf hat in den 1960er Jahren Offenheit signalisiert für den einzelnen Bürger, das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal im Rhein-Main-Gebiet.

Wolf-Rammensee: Das geht ja in die Napoleonische Zeit zurück…

Mainz&: … stimmt, der Boulevard ist von den Franzosen erfunden worden. Außerdem ist die LU doch das Wohnzimmer von Mainz, dort hat der Rosenmontagszug seinen Höhepunkt…

Pavillons und Plätze auf der LU - Foto: gik
Pavillons auf der LU – und die Plätze dazwischen – Foto: gik

Daniels: Genau, und deshalb müssen die öffentlichen Plätze bestehen bleiben…

Mohr: … und genutzt werden!

Daniels: Dass öffentlicher Raum bestehen bleiben muss, war eine Vorgabe des Stadtrats in den Leitlinien – und die Verhandlungen haben das preisgegeben. Wir hatten es hier immer schon zu tun mit einer städtebaulichen Planung, die das als ein Ensemble begriffen hat. Das war in seiner Zeit, den 1960er Jahren, ein Entwurf, der in das dunkle Mainz Licht und Luft hinein gebracht hat.

Mainz&: Als ich nach Mainz gekommen bin, fand ich die LU nur hässlich. Aber würden die Pavillons wegfallen, würde ja das Einkaufszentrum direkt an die LU heran rücken, oder?

Daniels: Mit den Planungen von ECE würde in der Mitte der LU nur noch eine schmale Gasse bleiben, wo dann auch Busse und Taxen durchfahren. Der Fußgängerverkehr wäre zusammengedrängt auf den beiden Fußsteigen. Und der Rest wäre praktisch zu.

Mainz&: Und damit würde man vom Schillerplatz den Dom nicht mehr sehen…

Rosenmontagszug auf der LU - Foto: gik
Keinen Platz mehr für den Rosenmontagszug auf der LU? – Foto: gik

Wolf-Rammensee: Vielleicht siehst du gerade noch die Spitze. Viel wichtiger ist aber doch: das ist unsere LU! Die Johannisnacht, die Fastnachtswagen stehen da, ob Mainz 05 vor dem Theater jubiliert, egal: Da laufen die Menschen lang, das ist die Anbindung zu unserem Dom und unserem Rhein. Und das mit so einem gigantischen Gebäude zu zerstören, das wird unsere ganze Innenstadt zerstören. Wenn man sich den Bau vor Augen hält, kann man nur sagen: das ist völlig überdimensioniert, das passt hier nicht rein.

Daniels: Und zu den öffentlichen Pavillons und den Plätzen: Da wird oft beanstandet, die werden nicht genutzt, die sind hässlich, da stehen nur die Karstadt-Billigstände. Aber warum werden sie denn schlecht genutzt? Weil sie schlecht eingefasst werden: Die Apotheke hat ihre Fenster verklebt, die Deutsche Bank mit ihren Immobilien-Annoncen – das sind beides Plätze, die könnten prima aufgewertet werden!

Mainz&: Wie denn?

Daniels: Pavillons mit offenen Fenstern, die Plätze umgeben von Gastronomie, dann hätten wir hier die urbane Belebung…

Leere Pavillons und Plätze auf der LU - Foto: gik
Offene Pavillons, belebte Plätze – Visionen für die LU – Foto: gik

Wolf-Rammensee: … eine schöne Pflasterung, eine Sitzgelegenheit, Baumanlagen – das ist da ja alles gar nicht gegeben!

Daniels: Warum kann man da nicht ein Café hinsetzen? Außengastronomie wird ja von den Leuten gut angenommen!

Mohr: Man könnte ja auch temporäre Belebung dort hinbekommen, etwa ein Weinständchen. Etwas, wo man hinkommen kann, wo es heißt, setzt Euch, trinkt etwas, esst etwas..

Mainz&: Das mit dem Weinstand ist doch nicht schlecht, das gibt es so in der Innenstadt gar nicht, und man sieht ja, das Marktfrühstück, das ist rappelvoll…

Daniels: Viel der Identität von Mainz hängt mit Wein zusammen…

Dagmar: … Lebensqualität, touristische Anbindung, das ist doch toll für Touristen…

Mohr: Man sieht es ja bei den Federweißenständen, wie die angenommen werden, da lässt sich mit einfachen Dingen viel Bewegung schaffen. Der Entwurf der 60er wollte das ja eigentlich: Die haben Schaufenster geplant, damit die Leute flanieren, das wird vollkommen konterkariert, wenn man da hoch baut, das zumacht und die Leute nur durchschleust.

Mainz&: Ihr macht mir die Pavillons gerade richtig sympathisch…

Mohr: Die sind es ja auch!

Belebter China-Pavillon auf der Ludwigstraße - Foto: gik
Belebter China-Pavillon auf der Ludwigstraße – Foto: gik

Daniels: Wir müssen über Alternativen nachdenken! Eine komplette Umgestaltung wird immer schwieriger. Die Eigentümerfamilie des China-Pavillons sind übrigens einer Neugestaltung gegenüber durchaus aufgeschlossen. Der Gutenbergplatz ist denen alles andere als egal, und sie sind der Meinung, dass ein monolithischer Bau alles andere als eine Aufwertung wäre – und das ist Originalton.

Mainz&: Es gibt ja auch Gerüchte, dass sich ECE von seinen alten Konzepten verabschiedet. Seht Ihr eine Chance, dass das Konzept kippt oder sich ECE sogar zurückzieht?

Daniels: Faktisch ist das Konzept gekippt, weil die Voraussetzungen nie existiert haben. Keines der zusätzlichen Grundstücke befindet sich nach vier Jahren im Besitz von ECE. Das gilt für die städtischen Plätze zwischen den Pavillons, den China-Pavillon, das Grundstück des Bischofs und die Deutsche Bank. Das Grundstück gehört einem amerikanischen Fond – und die haben gerade den Mietvertrag mit der Deutschen Bank auf mehrere Jahre verlängert.

Faltblatt der BI: ECE den roten Daumen zeigen - Foto: gik
Faltblatt der BI: ECE den roten Daumen zeigen – Foto: gik

ECE steht mit dem Rücken zur Wand, und wenn die betonen, man halte an den alten Plänen fest, dann ist das das Pfeifen im Wald. Und ECE hat ein wirtschaftliches Problem: Das Geschäftsmodell geht nicht auf. Kleiner bauen würde empfindliche Einbußen bedeuten – und damit ist die Gesamtrentabilität infrage gestellt. Ich glaube, die werden verkaufen.

Mainz&: Das wäre dann Ergebnis Eurer Arbeit…

Daniels: Wir sind schon stolz darauf, dass wir an der Sache dran geblieben sind: fleißig, aufrichtig und der Wahrheit verpflichtet. Wir haben es immer verstanden, der Stadt und auch den Bürgern vor Augen zu führen, was die Tatsachen sind, und wie sich die Ansiedlung auswirken würde. Und wir haben immer sachbezogen argumentiert, immer konstruktiv. Leider meint man im Rathaus weiter, es müsse damit getan sein, den Bürgern mal ein bisschen zuzuhören – ohne davon etwas umzusetzen.

Wolf-Rammensee: Das ist ja ein bundesweiter Trend, Worte wie Transparenz, Bürgerbeteiligung – das hören wir in jeder Politikerrede, man schmückt sich damit. Tatsache ist, dass die vom Stadtrat beschlossenen Leitlinien nicht umgesetzt wurden, dass wir als Bürgerbewegung als Alibi fungiert haben. Wir werden aber weiter die Leitlinien auf dem Schild vor uns hertragen, und wir werden alles daran setzen, das auch umzusetzen.

Daniels: Es könnte doch noch etwas mit der kleinteiligen Bebauung, mit Mischnutzung, mit Wohnen, Geschäften, Sozialem und mit Kultur werden…

Mainz& dankt Euch für das tolle Gespräch!

Info& auf Mainz&: Die BI feiert am heutigen Mittwoch, den 29. Oktober um 19.00 Uhr ihr dreijähriges Bestehen mit einer Veranstaltung im Mainzer Rathaus, Foyer und Valencia Zimmer. Es gibt Brezeln und Wein – und Neuigkeiten, Perspektiven und Realsatire, verspricht die BI. Die Aktivisten präsentieren dann auch eine 58-seitige Info.Mappe zur Geschichte des Projekts und dem Stand der Planung.

1 KOMMENTAR

  1. … und wenn der Sänger heute Abend noch Stimme hat, gibt es im Foyer auch Lieder „aus Versehen und aus Notwendigkeit“ mit der Band „StrohfeuerExpress“.

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