Sie nennen sich Guerilla-Gärtner, wollen mit Grünzeug die Welt verändern und sagen: „Eine andere Welt ist pflanzbar.“ Urban Gardening heißt das Phänomen, das sich etwa seit dem Jahr 2004 geradezu wuchernd von London aus über den Planeten ausbreitet. Das Ziel: Die Städte für die Natur zurückzuerobern und Lebensmittel vor der Haustür anbauen. Seit Juni 2012 gibt es das auch in Mainz, genauer: in der Mainzer Neustadt. Gisela Kirschstein hat über die Anfänge im April 2013 berichtet – das Resultat lest Ihr hier.

So fing alles an - Urband Gardening im April 2013 - Foto gik
So fing alles an – Urband Gardening im April 2013 – Foto gik

Guerilla-Gärtner gehen sogar so weit, mit „Samenbomben“ aus Erde, Ton und eben Blumensamen heimlich Verkehrsinseln oder andere vernachlässigte Flecken in Städten zu bombardieren – um so ganz buchstäblich von unten eine andere, grünere Stadt wachsen zu lassen.

Im Frühjahr 2013 erfasste das Phänomen auch Mainz – allerdings auf typisch Meenzer Art. Mit Guerilla oder anderen subversiven Gestalten haben die Mainzer natürlich nichts am Hut, mit Gemeinschaft und Schwätzchen halten dafür umso mehr. Unter den rund 20 Aktiven, die sich im April 2013 wieder in einem Hinterhof der Mainzer Neustadt trafen, wurde denn auch fleißig geschwätzt, gelacht und sich ausgetauscht.

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Es ist noch ein frisches Projekt, das da seit Juni 2012 zwischen den Häusern der Neustadt sprießt. Damals habe es den ersten Kontakt mit der Stadt gegeben, berichtet Elke Blänsdorf vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Im Visier der grünen Gärtner: eine gut 350 Quadratmeter große Rasenfläche in einem Hinterhof der Forsterstraße, frei zugänglich durch eine große Hausdurchfahrt und umrahmt von Büschen, Bäumen und einem kleinen Spielplatz. Einfach ideal für den „Neustadt Garten“.

Urban Gardening mit Familie April 2013 - Foto gik
Urban Gardening mit Kindern im April 2013 – Foto gik

Mit Hilfe eines städtischen Baggers wurde die Fläche umgegraben, dann mit Kompost gedüngt – fertig war das Urban Gardening. Es gehe natürlich um das Naturerlebnis, darum, Verständnis dafür zu fördern, wie Lebensmittel wachsen, aber auch um das Gemeinschaftserlebnis, sagt Blänsdorf, die das Projekt zu Anfang betreute. Vom 23. Februar 2013 an wurde deshalb auf der Fläche gegärtnert und gesät, Nistkästen für Vögel angebracht, und das Gelände gepflegt.

Jörg Steinkamp kann nun von seinem Balkon aus gleich die Fortschritte in der Erde begutachten, doch das reicht dem Mitarbeiter des Frankfurter Senckenberg-Museums nicht. Gemeinsam mit dem dreieinhalb Jahre alten Sohn Lasse bearbeitet er vergnügt die Erde mit einer Harke und sagt: „Ich sitze die ganze Zeit am Computer, da ist das ein schöner Ausgleich.“ Die direkten Anwohner an den Garten hätten ein Anschreiben im Briefkasten gefunden, berichtet die Pädagogin Simone Walter, die mitmacht, „weil es Spaß macht.“

Buddeln, Harken, Pflanzen - Urban Gardening April 2013 - Foto gik
Buddeln, Harken, Pflanzen – Urban Gardening April 2013 – Foto gik

„Ich vermisse es, einen Garten zu haben“, sagt die 24 Jahre alte Studentin Natalie Stachon, die vom Garten in der Zeitung las, und sich jetzt freut, über das Gartenprojekt neue Leute kennen zu lernen. Freundin Lena Ludwig ergänzt, ihr kleiner Balkon reiche einfach nicht aus, „und hier bekommt man noch Wissen über die Pflanzen dazu.“

Tatsächlich haben die Hobbygärtner in den vergangenen Wochen schon Spinat, Möhren, Kartoffeln, Radieschen, Salat, zwei verschiedene Sorten Zwiebeln sowie Waldmeister und Petersilie ausgesät. Einen Komposthaufen habe die Gruppe eingerichtet, die Umzäunung selbst gebaut, berichtet Anja Rösner. „Ich buddele einfach gerne in der Erde“, sagt die Biologie-Lehrerin, die zuhause in ihrer Neustadt-Wohnung die zum Auspflanzen gedachten Tomaten auf der Fensterbank aufzieht. Neulich, sagt Rösner noch, habe ein Unbekannter eine Spende von Kürbiskernen vorbeigebracht – säuberlich in einen Teebeutel verpackt und mit einem grünen Zettel versehen an einen Baum gehängt.

Urban Gardening mit Frau im April 2014 - Foto gik
So sieht es heute aus: Urban Gardening im April 2014 – Foto gik

So ein bisschen Guerilla ist also doch beim Mainzer Urban Gardening. Und übrigens: am 1. Mai ist „International Sunflower Guerilla Gardening Day“. Vor sieben Jahren riefen Guerilla Gärtner in Brüssel den Tag aus, und laden seitdem jährlich dazu ein, Sonnenblumensamen einfach irgendwo in der Stadt auszustreuen.

Info& auf Mainz&: Mehr zum „optimistischen Samensäen“ gibt’s beim Pionier der Gardening Guerilla-Idee, dem Briten Richard Reynolds, auf seiner Homepage. Einen Bericht über das aktuelle Urban Gardening in der Mainzer Neustadt findet Ihr in Kürze hier auf Mainz&. Mehr zum Urban Gardening in Mainz gibt es auf einer eigenen Homepage zum Projekt, dem Gartenfeld Mainz.

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