Im Landesmuseum ist derzeit die Steinhalle geschlossen, vielleicht habt Ihr es ja schon gemerkt. In der Halle sind Vorarbeiten für die umfassende Sanierung von Dach und Innenraum angelaufen, die Halle bleibt daher rund anderthalb Jahre für den Publikumsverkehr geschlossen. „Steinhalle“ heißt der große Raum ja, weil er Steine beherbergt. Hier standen bisher Grabmäler und Steindenkmäler für römische Soldaten. Doch die müssen für eine ganze Weile ausziehen: Ab Mai 2016 tagen hier nämlich die Abgeordneten des Mainzer Landtags.

Steinhalle des Landesmuseums in Mainz - Foto: Landtag Klaus Benz
Steinhalle des Landesmuseums in Mainz – Foto: Landtag Klaus Benz

Rund zwei Jahre lang wird die Steinhalle das Landesparlament beherbergen, während wiederum im Deutschhaus das Landtagsgebäude saniert wird. Seit 62 Jahren tagt der Landtag nun im Deutschhaus, das Gebäude sei seither aber nicht mehr grundsaniert worden, klagt Landtagspräsident Joachim Mertes. Also wir fanden den Plenarsaal bisher immer super schön…

Tropfende Wasserleitungen, veraltete Technik

Hinter den Kulissen muss aber einiges im Argen liegen: Veraltete Technik, marode, tropfende Wasserleitungen, Raumnot in den Büros – die Mängelliste ist lang. Dazu kommen ungenügender Brandschutz und mangelhafte Barrierefreiheit – Gründe für die Renovierung des barocken Parlamentsgebäudes gibt es genug. Lange aber wurde darüber debattiert, wohin die 101 Abgeordneten denn während der Sanierung ihres Zuhauses umziehen könnten.

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Landesmuseum Mainz mit Goldenem Ross - Foto gik
Tagen zum Goldenen Ross: Landesmuseum wird Ausweichquartier für den Landtag – Foto: gik

Fündig wurde man in der Steinhalle des Landesmuseums, was auf den ersten Blick seltsam anmutet: wo ist denn hier ein Rund mit Stühlen und Tischen? Nun, seine Tische und Stühle bringt der Landtag mit: Die Bestuhlung des Plenarsaals wird im November 2015 ausgebaut und in der Steinhalle installiert. Am Verfassungstag, dem 18. Mai 2016, soll der Landtag  in der Steinhalle zu seiner ersten Sitzung zusammen treten – und zwar der neue Landtag nach der Landtagswahl 2016.

Landtag zwischen Römersteinen, 88 Kubikmeter Bauschutt

Der neue Landtag wird dann zwischen Römersteinen tagen: Ausgewählte Exponate sollen im Plenarsaal auf Konsolen an den Wänden zu sehen sein, teilten nun die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) und der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) mit, letzterer ist für die Bauumsetzung zuständig. Dazu soll ein spezielles Regal in Form eines überdimensionalen Setzkastens mit beispielhaften Steindenkmälern einen deckenhohen Raumteiler zwischen Plenarsaal und Lobby bilden.

Bevor es aber so weit ist, bleibt in der Steinhalle des Landesmuseums ganz buchstäblich kein Stein mehr auf dem anderen: Die steinernen Zeugnisse der Römerzeit werden derzeit fachkundig um- und ausgelagert, ein Teil wird im Museumsinnenhof auf speziellen Schwerlastregalen zu sehen sein. In der Steinhalle müssen aber auch noch die Stahlbetonsockel, auf denen die Steine bisher präsentiert wurden, abgerissen werden. 88 Kubikmeter Bauschutt werden dabei voraussichtlich anfallen, hieß es vom LBB.

Neue Akustikdecke, Dach mit Naturschiefer

Plenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz - Foto Roland Struwe
Der Plenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz – Foto Roland Struwe

Im Februar 2015 wird dann ein Innengerüst bis unter die Decke aufgestellt, denn die Halle bekommt eine nagelneue Akustikdecke mit einem Röhren-Heizsystem – das ersetzt die Jahrzehnte alte Fußbodenheizung. Anschließend wird von März 2015 an das Dach der Steinhalle statisch erneuert und mit Naturschiefer neu gedeckt. Für die ab Mai 2015 vorgesehene Ausstellung „Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation“ soll das zum Innenhof gelegene Gerüst „eine dem Thema angepasste Verkleidung erhalten“, heißt es weiter.

Mit der Renovierung werden somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Landesmuseum bekommt eine hochmoderne neue Halle, der Landtag ein Ausweichquartier, das zudem direkt neben dem Abgeordnetenhaus liegt.

5,1 Millionen Euro Gesamtkosten

Und auch die Kosten teilt man sich: Auf 5,1 Millionen Euro werden die Gesamtkosten geschätzt. Davon entfallen rund 2,11 Millionen Euro auf die interimsmäßige Unterbringung des Plenarsaals und rund 1,66 Millionen Euro auf die Baukosten im Museum. Die Museums-Sanierung wäre ohnehin nötig gewesen und werde nun einfach vorgezogen, heißt es.

Und Museumsdirektorin Andrea Stockhammer freut sich, die Sanierung biete derm Museum „die große Chance“, die Präsentation der Steine zu überarbeiten, die sei nämlich seit den 1980er-Jahren weitgehend unverändert geblieben. Nun könne man „eine Neuinszenierung der römischen Steindenkmäler entwickeln und damit das Museum langfristig zu bereichern.“ Sagen wir mal so: Die bisherige Präsentation war irgendwie nicht mehr ganz zeitgemäß 😉

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