Nachdem die Lesselallee ja nach dem Sturm noch steht, und die Orkanböen eine Menge Bäume verwüstete haben, nur nicht die mehr als 70 Kastanien auf der Maaraue, haben die Verteidiger der Allee neuen Mut geschöpft. „Wir sind mehr geworden“, sagte Marion Mück-Raab, Organisatorin der Facebook Seite „Aktuelles zur Leselallee“ am Mittwoch Mainz&. Und weil sich nun zeige, dass die Argumente für das Fällen der einhundert Jahre alten Kastanien an den Haaren herbei gezogen seien, werde nun richtig protestiert: Am 31. Juli rufen die Baumretter zum Protest in Mainz-Kostheim auf.

Lesselallee nach dem Sturm - Foto privat
Kein Ast trübt die Welt unter den Kastanien der Lesselallee – am Tag nach dem großen Sturm – Foto: privat

An diesem 31. Juli, einem Donnerstag, findet nun die Begehung der Kastanienallee durch die Mitglieder des Umweltausschusses der Stadt Wiesbaden gemeinsam mit dem städtischen Gutachter Roland Dengler statt. Zur Erinnerung: Dengler hatte ja eine Einladung zum Umweltausschuss kommentarlos verstreichen lassen, so dass „Baumprofessor“ Ulrich Weihs seine Verteidigungsrede für die Allee alleine hielt – und ignoriert wurde. Das ganze peinliche Schauspiel könnt Ihr hier nachlesen.

Allee unsicher? Von wegen…

Nun soll es also eine Begehung mit Dengler geben, der in seinen Gutachten die Grundlage für die Fällungen gelegt hat. Dengler behauptet nämlich, die Kastanien seien von einem Wurzelpilz befallen, ihre Kräfte geschwächt, es drohe daher vermehrt Astbruch aus den Kronen. Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) hatte daraufhin Ende März die Allee mit einem kilometerlangen Zaun absperren lassen.

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Das heftige Unwetter am vergangenen Sonntag hatte zwar den Zaun demoliert, in der Kastanienallee aber keinen einzigen Ast von den Bäumen geholt… „Sollte mich jedenfalls in der Aue jemals ein Sturm überraschen, werde ich mich in der Allee unterstellen und sonst Nirgends. Jedenfalls so lange sie noch steht“, kommentierte ein Mainz&-Leser, dessen Name der Redaktion bekannt ist – Ihr wisst ja, dass Mainz& jeden Kommentar gegencheckt und genehmigt. Damit uns hier keine Spinner zumüllen…

Begehung mit Gutachter Dengler samt Hubsteigern

Meterweise Zaun entlang der Allee - Foto gik
Dichte Kronen, massiver Zaun – die Lesselallee seit dem 27. März – Foto: gik

Der Sturm jedenfalls führte die Argumentation der Stadt Wiesbaden von der gefährlichen Allee ad absurdum, und es dürfte spannend zu sehen sein, wie sich Dengler nun am 31. Juli aus der Affäre zieht. Außerdem hatte der Gutachter, liest man seine Gutachten mal vollständig, lediglich bei sechs (!) Bäumen eine konkrete Astbruch-Gefahr ausgemacht, das sind gerade 8,5 Prozent der Bäume, aber knapp 60 Prozent der Bäume als weitgehend gesund beurteilt.

Am 31. Juli nun sollen „die vorliegenden Gutachten und der Zustand der Allee anhand einzelner Bäume veranschaulicht werden“, wie es in der Einladung heißt. Dengler werde „die Schadensmerkmale umfassend erläutern“ und das mit Hilfe von zwei Hubsteigern tun, „die einen direkten Einblick in die Baumkronen ermöglichen.“ Da sind wir aber gespannt, was der Herr Gutachter in den Baumkronen so finden wird.

Fragen an Stadtspitze werden immer lauter

Mück-Raab bewertete das jedenfalls als Theater: „Die spielen uns da eine Nummer vor“, kritisierte sie, das Geld für die Hubsteiger solle die Stadt lieber zur Baumpflege einsetzen. „Kostheim hat einen seiner schwersten Stürme erlebt – und die Allee hat keinen Astbruch!“ Tatsächlich fragt man sich zunehmend, was die Wiesbadener Politiker reitet – und wer hier eigentlich wem was beweisen will. Und warum….

Astbruch Mainz-Kostheim außerhalb Lesselallee - Foto privat
Äste begraben eine Sitzbank in Mainz-Kostheim – außerhalb Lesselallee – Foto privat

Und auch die Allgemeine-Zeitung forderte jüngst in einem Kommentar eine „Trendwende“ bei den Fällplänen, sprach von „Überheblichkeit im Rathaus“ und forderte, die Stadt solle „mit der Wahrheit herausrücken“, warum die Allee wirklich fallen soll. Hätten wir uns nie getraut 😉 Lest Ihr auf https://www.facebook.com/lesselallee.

Die Begehung am 31. Juli ist übrigens nicht-öffentlich, nur die Mitglieder des Umweltausschusses dürfen teilnehmen, dazu einige wenige extra eingeladene Gäste: der Vorsitzende des Wiesbadener Stadtparlaments Wolfgang Nickel (CDU), Stadtrat und Kasteler SPD-Chef Rainer Schuster, sowie der Kostheimer Ortsvorsteher Stephan Lauer (CDU). Allerdings dürfte es niemand den Kostheimer verwehren dürfen, wenn sie zufällig zum gleichen Zeitpunkt auf der Maaraue spazieren gehen… Ob die Offiziellen dann den Eingang am Zaun sperren lassen, am besten noch mit Hilfe der Polizei?

Aufruf zu Demo und Protest am 31. Juli

Gelbes Band um Baum - Foto: privat
Jetzt ist Solidarität gefragt – und Protest, etwa mit einem gelben Band um einen Baum – Foto: privat

Die Kostheimer Baumretter wollen jedenfalls jetzt erst Recht für die Bäume kämpfen: Am 31. Juli sollen ab 15.00 Uhr am Bauzaun vor der Lesselallee Protestaktionen stattfinden – die Begehung startet um 16.00 Uhr. Ûm 18.00 Uhr soll es dann eine Demonstration durch Kostheim geben, von der Lesselallee einmal durch den Kostheimer Ortskern zum Bürgerhaus. Dort findet um 19.00 Uhr eine Bürgerinformation durch Ordnungsdezernent Oliver Franz statt. Zeitgleich planen die Baumretter ein Protestfest am Bürgerhaus.

Der Aufruf zur Demonstration und den Protesten ergeht ausdrücklich auch an Mainzer, Gustavsburger, Hochheimer und überhaupt alle Fans der Kastanienallee. „Wir lassen es nicht zu, dass diese ehrwürdigen, alten Kastanien mit einem einzigen Schlag vernichtet werden!“, heißt es in dem Aufruf. Und man lasse sich „nicht weismachen, dass diese Bäume krank sind!“ Der 31. Juli, heißt es noch, ist „Ein guter Tag, um deutlich zu sagen: Lasst unsere Bäume leben!“

Info& auf Mainz&: Alle Infos rund um die Lesselallee findet Ihr auf der Facebookseite „Aktuelles zur Lesselallee“ und natürlich hier auf Mainz& 😉 Hier nur auszugsweise ein paar Artikel (nein, das sind nicht alle!):

 

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