Kommenden Mittwoch und Donnerstag laden ja die Wiesbadener Zuständigen für die Lesselallee die Bürger zu „Bürgerinformationsveranstaltungen“ in der Kastanienallee ein, die sie zu fällen beschlossen haben. Die Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien“ kontert nun ihrerseits mit Veranstaltungen zum gleichen Zeitpunkt: Sie lädt zu „Politikerveranstaltungen“ ein, und zwar allen voran den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD).

Plakat "Jetzt wird gefällt" am Zaun Lesselallee - Foto: privat
Plakat „Jetzt wird gefällt“ am Zaun Lesselallee – Foto: privat

Es ist eine wirklich kreative Form des Protestes durch die Fällgegner, werfen sie doch schon seit einiger Zeit dem Wiesbadener OB vor, vor den Geschehnissen um die Lesselallee die Augen zu verschließen. „Wir möchten Herrn Gerich und seinen Parteifreunden die Gelegenheit geben, sich ein Bild vom Zustand der Wähler zu machen und über den aktuellen Stand Ihrer Wahlchancen informieren“, sagte die Sprecherin der Initiative, Marion Mück-Raab.

Und die Initiative zitiert eigens in ihrer Mitteilung OB Gerich, der da im Juli 2014 über Ziele seines Amtes sagte:

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„Es geht nicht nur um die Erarbeitung von Leitlinien, sondern auch um die Entwicklung einer neuen Beteiligungskultur, um die Suche nach einem neuen Umgang von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung miteinander und um die Entwicklung eines positiven Klimas in einer lebendigen Demokratie und einer aktiven Bürgerkommune Wiesbaden.“

Die Kostheimer Baumschützer fühlen sich im Stich gelassen, und sie halten dem OB vor, seine neue Beteiligungskultur eben nicht auszuüben – schon gar nicht bei einem Konflikt wie in der Lesselallee. Denn an der Allee uralter Bäume gehe es längst nicht mehr nur um die Bäume, betonte Lokalpolitikerin Mück-Raab gegenüber Mainz&: “Hier geht es um die Demokratie und eine Verwaltung, die macht, was sie will.”

In Rage bringt die Kostheimer Baumschützer nicht nur die Tatsache, dass Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU)  quasi im Alleingang die komplette Fällung der Allee aus 74 (!) Bäumen beschloss – sondern auch die „Trickserei“ mit dem Umweltausschuss, wie dessen Vorsitzender Ronny Maritzen (Grüne) es nannte. Franz nämlich hatte wochenlang behauptet, der Umweltausschuss müsse die Entscheidung fällen, ob die Bäume fallen oder nicht – was Ihr in dem Mainz&-Interview mit Dezernent Franz vom 31. Juli nachlesen könnt.

Lesselallee hinter Gitterstäben  - Foto: gik
War’s das mit der Lesselallee? – Foto: gik

„Der Umweltausschuss muss das entscheiden“, sagte Franz – und genau daran hielt er sich nicht. Der Umweltausschuss nämlich beschloss vergangene Woche nur, die Allee nicht zu retten, daraus aber leitet nun Franz seine Legitimation ab, die Bäume fällen zu dürfen. Der Ausschuss musste also keinen unangenehmen Fällbeschluss fassen – und die Bürgerinitative konnte nicht gegen eben jenen Beschluss ein Bürgerbegehren anstrengen.

Franz habe mit seinem Vorgehen „die Bürger ausgetrickst“, das sei „unehrlich und total feige“, kritisierte Mück-Raab danach – und sie war nicht die einzige. Nun droht nach Angaben der Initiative die Fällung ab dem 1. Oktober – dann nämlich ist die Brutzeit vorbei und die Bäume dürften gefällt werden. Dass da jemand mit einer Kettensäge anrückt und tatsächlich 74 uralte Bäume fällt, bleibt schwer vorstellbar….

Dass die Stadt Wiesbaden nun am Mittwoch und am Donnerstag „Bürgerinformationsveranstaltungen“ in der Lesselallee anbietet, veranlasst die Baumschützer zu einer sarkastischen Gegenrede. Und damit Ihr Euch – wie immer – selbst ein Bild machen könnt, zeigen wir Euch hier einfach beide Schreiben zum Vergleich.

Info& auf Mainz&: Bürgerinformationstage an der Lesselallee auf der Maaraue: Mittwoch, 24. September, 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, und Donnerstag, 25. September, von 12.00 Uhr bis 15.00. Parallel dazu finden als Protestveranstaltung „Politikerinformationstage“ der Initiative „Rettet unsere Kastanien“ statt.

Email Bürgerinformationstage Lesselallee
Email Bürgerinformationstage Lesselallee

 

Email Politikerinformationstage Lesselallee
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