Mainz& ist aus dem Urlaub zurück, die Lesselallee auch – und das ist gut so. Natürlich waren die 74 Kastanien nicht von der Maaraue verschwunden – auch wenn die geplagten Bäume gerade so aussehen., als hätten sie dringend einen Urlaub nötig…. Dass die Bäume aber auch im Herbst nicht verschwinden, darum sorgen sich weiter eine Menge Kostheimer und Wiesbadener Politiker. Denn am 16. September fällt der Umweltausschuss nun die Entscheidung ob die mehr als einhundert Jahre alten Bäume nun gefällt werden oder nicht. Und in die verhärteten Fronten platzte ein Kompromissvorschlag des BUND. Den finden nun alle gut – ob er kommt, ist trotzdem unsicher.

Lesselallee auf der Maaraue hinter dem Gitterzaun - Foto: gik
Die Zukunft der Lesselallee auf der Maaraue – weiter ungewiss – Foto: gik

BUND: Denkpause für die Lesselallee

Und darin schlägt der Umweltverband nichts weniger als eine Denkpause für die Lesselallee vor: Man solle doch eine Bestandsaufnahme der Bruchschäden vornehmen, den städtischen (und umstrittenen) Gutachter Roland Dengler notwendige Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit „konkret benennen und beziffern“ lassen – und das dann über einen Zeitraum von drei Jahren ausprobieren. Mit gutachterlicher Begleitung.

Man teile nämlich „die Sorge vieler Bürger um den Fortbestand der stadtbildprägenden Alleen“, heißt es in dem sehr diplomatischen Schreiben, und man würdige ausdrücklich „die vielfältigen Anstrengungen der Stadt Wiesbaden für Pflege sowie für notwendige Maßnahmen der Verkehrssicherung.“ Und es sei gut, dass sich die Stadt durch die Einholung von Fachgutachten eine sachliche Grundlage schaffe.

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BUND verweist auf  Biotopschutz

Man befürchte aber, so der Brief weiter, der Mainz& natürlich vorliegt, „dass in Anbetracht vieler ambitionierter städtischer Großprojekte die Fürsorge für den Baumbestand ins Hintertreffen gerät.“ Und dann lobt der BUND-Vorsitzende die wichtigen biologischen Funktionen der Lesselallee und weist ganz nebenbei und sehr elegant darauf hin, dass die Allee im Übrigen unter gesetzlichem Biotopschutz steht – der möglicherweise einklagbar wäre. Möglicherweise von einem Umweltverband wie dem BUND.

Dengler: „völliger Unsinn, war nie für Fällen der Allee“

Ihr erinnert Euch: Die Stadt Wiesbaden will die mehr als 70 alten Kastanien fällen – alle wohlgemerkt! – und durch Flatterulmen ersetzen, und beruft sich dabei auf den städtischen Gutachter Roland Dengler, der angeblich den Kastanien so starke Krankheitssymptome durch den Wurzelpilz Phytophthora bescheinigt, dass die Kastanien gefällt werden müssen. Was mehrere andere Baumexperten öffentlich bestritten und für Unfug halten.

Konferenz in der Lesselallee Ordnungsdezernent Franz und Franz und Gutachter Dengler - Foto: gik
Nachdenken über die Zukunft der Lesselallee: Guachter Roland Dengler (2.v.l.) und Ordnungsdezernent Oliver Franz (3.v.l.) am 31.7.2014 in der Lesselallee – Foto: gik

Dengler wiederum sagte dazu in der öffentlichen Bürgerinformation in Mainz-Kostheim nach der Begehung der Kastanienallee am 31. Juli, dass er für die Fällung der Allee sei, sei „völliger Unsinn, das habe ich nie getan“ und fügte hinzu: „Das lasse ich mir nicht in die Schuhe schieben.“ Die Verantwortlichen der Stadt Wiesbaden, die genau dies seit Wochen tun, saßen neben Dengler auf dem Podium und schwiegen.

SPD-Stadträtin Apel: „Wir sind keine Baumfäller“…

Tatsache ist: Hinter den Kulissen brennt die Luft. Wie Mainz& aus vielen Gesprächen weiß, wachen die Politiker in Wiesbaden so langsam auf und begreifen, was sie da eigentlich tun. SPD-Vertreterin Michaela Apel reagierte direkt nach der Begehung der Lesselallee bereits ungewöhnlich dünnhäutig auf Mainz&-Fragen. Man lasse sich doch nicht als Baumfäller titulieren, das sei doch gar nicht richtig, wehrte sich die SPD-Stadträtin sichtlich erregt.

Nun, sagen wir es mal so: Wer die Fällung einer kompletten Allee befürwortet, und das hat Frau Apel auch an diesem Tag wieder getan, der ist? Richtig: Für das Fällen von Bäumen, mithin: ein Baumfäller. Da können wir leider nichts gegen tun, Frau Apel.

Grüne: Große Koalition könnte mit Denkpause Stärke zeigen

Eingang Lesselallee mit Zaun und Umweltausschuss - Foto: gik
Rat suchen in der Lesselallee am 31.7.2014 – Foto: gik

Die Koalition, warb Hinninger, sollte doch die Größe haben zu sagen: „Wir haben uns geirrt“, die drei Jahre seien eine gute Zeit, die Fällungspläne noch einmal zu überprüfen. Die Grünen nämlich, sagte Hinninger weiter, sei es gar nicht so wichtig, ob die Lesselallee eine ordentlich aussehende Allee sei, sondern ob die alten, wertvollen Bäume erhalten blieben.

Maritzen: durch Denkpause gibts nichts zu verlieren

„Es gibt doch auch nichts zu verlieren“, warb auch der Vorsitzende des Umweltausschusses, Ronny Maritzen von den Grünen, für den BUND-Vorschlag: Es stünden ja auch „keine Investitionen im Raum“, die verloren zu gehen drohten. Offensichtlich löst sich das Gespenst einer Maaraue-Bebauung so langsam im Rauch der Empörung auf, was nicht heißt, dass daran überhaupt nichts war: Dass die Maaraue „ins Auge gefasst ist“, wie es ein langjähriger Beobachter am Rande der Demonstration für den Erhalt der Lesselallee sagte, scheint noch immer plausibel.

Übrig bleiben nun offenbar noch politische Kämpfe um Macht und Einfluss: Ein CDU-Ordnungsdezernent namens Oliver Franz, der die Fällung möglicherweise mit aller Kraft durchdrücken zu müssen glaubt. Und eine SPD, die gerne aus der längst unangenehmen Sache aussteigen würde, aber nicht recht weiß, wie sie den Koalitionspartner CDU dazu kriegen soll. Ob den Wiesbadener Politikern klar ist, dass bei der nächsten Wahl sie alle „die Baumfäller“ wären?

Losem: „SPD würde Hand zum Kompromiss sofort reichen“

Spurensuche in der Lesselallee mit Steiger - Foto: gik
Untersuchen und Pflegen statt Fällen: Kompromissvorschlag des BUND – Foto: gik

„Die SPD würde die Hand zum Kompromiss sofort reichen“, sagte Walter Losem, SPD-Ortsbeirat in Mainz-Kostheim Mainz&. Seine Partei würde dem BUND-Kompromiss gerne zustimmen, bislang aber scheine Franz das zu blockieren. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass es in den Koalitionsgesprächen einen Weg gibt, dem Herrn Franz eine Brücke zu bauen“, betonte Losem.

Wir erinnern dann an dieser Stelle mal daran, dass Dezernent Franz im Mainz&-Interview ausdrücklich sagte: „Die Allee muss nicht unbedingt fallen (…) Der Umweltausschuss muss das entscheiden ( …) Ich habe gesagt, lasst uns darüber reden: Wollt Ihr das so oder anders?“ Vielleicht nützt es ja etwas, wenn wir das nochmal wiederholen 😉

Dengler zu BUND-Kompromiss: „selten so guten Vorschlag gesehen“

Gutachter Dengler jedenfalls, auf den die Stadt ja so gerne hört, sagte auf eben jener Bürgerinformation im Kostheimer Bürgerhaus ausdrücklich: „Diesem Brief muss Beifall gezollt werden, ich habe selten so gute Vorschläge gelesen und gesehen.“ Der Vorschlag sei „diskutierenswert“, in den drei Jahren müsse dann genau dokumentiert werden, wie sich die Bäume in der Zeit veränderten. „An diesem Patienten muss man dranbleiben“, sagte Dengler. Wenn man dann nach zwei oder drei  Jahren sehe, wohin die Aktion gehe könne man sich immer noch für eine Erneuerung entscheiden. Hört, hört.

Ein solches Lesselallee-Moratorium, schwärmte Maritzen, könne dann sogar zu einem wertvollen Forschungsprojekt in Sachen Kastanien und Phytophtora-Pilz werden. Die Grünen jedenfalls würden am 16. September im Umweltausschuss wohl einen Antrag einbringen – Inhalt: der Kompromissvorschlag des BUND.

 

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