Die Lage an der Lesselallee spitzt sich zu, die Baumschützer befürchten, dass am Mittwochmorgen um 6.00 Uhr die Kettensägen anrücken.Die Bürgerinitative „Rettet unsere Kastanien“ befürchtet, die Allee könnte in den frühen Morgenstunden des 1. Oktobers in einer Hau-Ruck-Aktion gefällt werden. Deshalb ruft sie nun für Dienstagabend 19.00 Uhr zu einem Flashmob am Zaun der Lesselallee auf. Aufgerufen sind dazu ausdrücklich auch die Mainzer.

Wunderschöne Lesselallee im Herbst - Foto: gik
Es ist fünf vor zwölf für die Lesselallee – Foto: gik

„Morgen – Protest am Zaun – gegen die Zerstörung der alten Kastanienallee! Bringt Freunde mit und Fahrradschlösser!!“, heißt es in dem Aufruf der BI. Die Baumschützer rufen die Region zum Protest auf – und schreiben an die linke Rheinseite: „Ihr Mainzer!!! Kommt endlich alle rüber und helft uns!!“

Fällt am Mittwoch die Allee?

Ihr wisst nicht, was ein Flashmob ist? Das ist eigentlich ganz einfach: Ein Flashmob ist ein spontanes Treffen von Menschen zu einer bestimmten Uhrzeit und an einem bestimmten Platz, um eine Meinung kund zu tun, gegen etwas zu protestieren oder einfach nur, um Spaß zu haben. Spaß allerdings steht bei der Kastanienallee auf der Maaraue eher weniger im Vordergrund: Am 1. Oktober läuft die gesetzlich festgelegte Brutzeit aus, ab dann dürfen Bäume gefällt werden.

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„Wir haben die große Befürchtung, dass hier am frühen Mittwochmorgen was passiert“, sagte der Vorsitzende des Wiesbadener Umweltausschusses, Ronny Maritzen (Grüne) Mainz&. Man müsse nur die Haupttriebe der Bäume in den Kronen kappen, dann seien die Bäume dem Tode geweiht. Das sei in wenigen Stunden in der Allee machbar. 74 Kastanien wären dann auf einen Schlag vernichtet, der Großteil gesunde Bäume, die mehr als 100 Jahre alt sind.

Baumschützer fürchten Nacht und Nebel-Aktion am 1. Oktober

Fruchtbare Lesselallee: frisch gefallene Kastanien am 29. Septemper - Foto: gik
Fruchtbare Lesselallee: frisch gefallene Kastanien am 29. Septemper – Foto: gik

Bislang hat das Umweltamt der Stadt Wiesbaden aber keine Fällgenehmigung erteilt. Grüne und Baumschützer befürchten eine Aktion auch ohne Genehmigung. „Mehrheit glaubt Wahrheit schaffen zu können – die machen das einfach“, sagte Maritzen. Recht, Gesetz, Opposition, all das werde nur „für eine schöne Show“ benutzt, „machen tun die es trotzdem.“

Auch die Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien“ glaubt an eine Nacht und Nebel-Aktion und hat sich deshalb jetzt an den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) persönlich gewandt. „Bitte verhindern Sie, dass die Verwaltung Fakten schafft und die Bäume gegen Recht und Gesetz einfach umlegt“, heißt es in dem Schreiben.

SPD Kostheim befürchtet massiven Wählerverlust

Oberbürgermeister Gerich schreibe sich doch die Bürgerbeteiligung auf seine Fahnen, „hier hätte er ein Pilotprojekt für Bürgerbeteiligung“, sagte Maritzen. Stattdessen „duckt er sich weg“, fügte der Grüne hinzu. In der SPD Mainz-Kostheim befürchten sie deshalb auch, die SPD werde bei den kommenden Kommunalwahlen 2016 in Scharen der SPD den Rücken kehren. „Die Leute machen keinen Unterschied zwischen Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) und OB Gerich“, sagte Walter Losem von der Kostheimer SPD. Tatsächlich machten bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 10. März 2013 genau 1.243 Stimmen Vorsprung Gerich zum Wiesbadener OB.

Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) und der Kostheimer Heinrich Klein an der Lesselallee - Foto: gik
Begegnung am Zaun: Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) und der Kostheimer Heinrich Klein an der Lesselallee – Foto: gik

Am Absperrzaun um die Lesselallee bleiben unterdessen immer mehr Kostheimer stehen, um ihrem Unmut oder ihrer Trauer Luft zu machen. „Seit wir in Kostheim wohnen haben wir den Eindruck, dass die Stadt Wiesbaden sich überhaupt nicht für uns interessiert“, sagte Renate Schulmeister. „Ich weiß noch genau, wie ich mit meiner Frau durch die Lesselallee gegangen bin“, sagte der 92 Jahre alte Heinrich Klein, der inzwischen im Rollstuhl sitzt: „Das tut mir weh.“

„Als ich nach Mainz gezogen bin, habe ich immer meine Tochter im Kinderwagen durch die Lesselallee geschoben“, erinnert sich auch die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne): „Die war damals noch ganz klein…“

Die Initiative „Rettet unsere Kastanien“ ruft nun am Dienstagabend zu einem Flashmob an der Lesselallee auf. Um 19.00 Uhr sollen sich dort alle diejeningen spontan versammeln, die für den Erhalt der Allee sind. Die Initiative ruft dazu auf, Vorhangschlösser und Fahrradschlösser mitzubringen, um symbolisch deutlich zu machen, dass Kettensägen keine Zutritt bekommen.

Mainzer, wenn Ihr Eure Allee liebt und behalten wollt – dann ist jetzt der Zeitpunkt, das zu zeigen! Am Mittwoch kann es schon zu spät sein…

Info& auf Mainz&: Flashmob am Dienstag, 30. September um 19.00 Uhr, Eingang Lesselallee an der Zufahrt zur Maaraue. Die Initiatoren bitten darum, Vorhangschlösser oder Fahrradschlösser mitbringen. Zum Aufruf der BI sowie weiteren Aktionen rund um die Lesselallee geht es auf dieser Facebookseite.

Ihr wisst gar nicht so genau, was an der Lesselallee los ist? Könnt Ihr alles auf Mainz& nachlesen, zum Beispiel den Anfang hier, den Protesttag am 31. Juli hier,  den Kompromissvorschlag des BUND hier, den Fällbeschluss durch die Hintertür hier und den seltsamen Brief voller Auslassungen an die CDU hier.

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