Ihr erinnert Euch doch an diese seltsamen Architekturentwürfe zur Zukunft der Maaraue? Von wegen schwimmende Stadt, Ufo von oben und günstiges Wohnen für Studenten? Nun, diese Baupläne werden inzwischen verbunden mit den Vorgängen rund um die Lesselallee. Seit der wirklich seltsamen Sitzung des Umweltausschusses in Wiesbaden vergangenen Dienstag, fragen sich die Kostheimer nämlich: Will da jemand die Allee weghaben, um Bauprojekte realisieren zu können? Das wiederum sorgte für ein zweiseitiges Dementi von Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD)…

Baumreihen Lesselallee - Foto privat
Häuser statt Bäumen? Will jemand deshalb die Lesselallee fällen? – Foto: privat

Ihr wisst ja inzwischen, dass die Stadt Wiesbaden die über 100 Jahre alte Kastanienallee auf der Maaraue im Herbst fällen will, mehr als 70 alte Baumriesen sollen fallen und Platz machen für eine neue Allee aus Flatterulmen. Im Umweltausschuss der Stadt Wiesbaden hatten CDU und SPD – die große Koalition in Wiesbaden – hartnäckig an den Fällplänen festgehalten und fachliche Argumente schlichtweg ignoriert. Beobachter fragten sich danach: Warum?

Welcher Politiker bindet sich denn so ein unangenehmes Thema an die Backe, wie die Fällung von Bäumen? Weiß man doch, dass das in der Wählerwahrnehmung gleich hinter Tieren und kleinen Kindern kommt…. Entsprechend schießen seither die Vermutungen ins Kraut, und die naheliegendste lieferte der Architekturwettbewerb: Wer bauen will, braucht freies Gelände, und da gab es doch diese skurrilen Ideen von Wohnen am Wasser…?

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Und man höre und staune: Oberbürgermeister Gerich sah sich am Freitag zu einem deutlichen Dementi veranlasst – satte zwei Seiten lang. Viel Raum für das Dementi einer angeblich abstrusen Idee.. Beim sogenannten Architektursommer hatten renommierte Architekturbüros ja Visionen für die Maaraue entwickelt. Bei den Konzeptideen für die Maaraue handele es sich „lediglich um urbane Visionen, nicht aber um Pläne, die in der Region umgesetzt werden“, betonte Gerich nun.

Das hören wir ja gerne, und eigentlich hätte mit diesem Satz ja auch alles gesagt sein können. Der Oberbürgermeister aber sah sich genötigt, gleich fünfmal innerhalb der zwei Seiten zu betonten, es handele sich um „architektonische Ideen, nicht Baumaßnahmen.“ Die Stadt habe werde Geld für den Architektursommer ausgegeben, noch plane sie irgendwelche Bauvorhaben auf der Maaraue.

Meterweise Zaun entlang der Allee - Foto gik
Viel Platz, wo jetzt die Lesselallee steht… – Foto: gik

Nicht unbedingt: Wohnen am Wasser ist einer der Megatrends in den Städten, wer irgendeine Fläche in der Nähe von Wasser hat, versucht derzeit sie zu bebauen. Es winken satte Gewinner, sind doch Wohnungen am Wasser, wie neulich der Mainzer OB Michael Ebling (SPD) sagte, Gebiete für gehobene Geldbeutel: „Wer direkt am Rhein baut, denkt nicht an günstige Mieten.“ So isses, und deshalb war auch der Architekten-Vorschlag für studentisches Wohnen auf der Maaraue eine Lachnummer – die Visionen zur Bebauung hingegen, waren es nicht. Hatte es doch auch geheißen, ab 2015 solle nach Wegen gesucht werden, wie die Visionen realisiert werden könnten…

Gerich distanziert sich in der Stellungnahme nun auch ausführlich von der Behauptung des Architektenwettbewerbs, die Maaraue sei ein „vernachlässigtes Gebiet.“ – „Das ist keine Meinung, die die Stadt vertritt“, betont Gerich, und er habe sich „selbstverständlich“ in der Pressekonferenz am 20. Mai „deutlich von dieser Formulierung distanziert“ und „entschieden widersprochen.“ Oh, na dann…

Karte Maaraue ganz
Viel Platz, viel Wasser – was wird aus der Maaraue? – Foto: gik

Und überhaupt, betont Gerich weiter, „verstehe ich die Aufregung nicht.“ Aus den „urbanen Visionen“ hätten sich „bisher weder Bauprojekte noch Bebauungspläne irgendeiner Art“ entwickelt, vielmehr wirke der Architektursommer mithilfe von „Installationen und Aktionen“, die die Bürger anregen sollten, sich mit ihrer eigenen Stadt zu beschäftigen. Und überhaupt, sagt Gerich noch: „Wir Wiesbadener wissen unser Naherholungsgebiet Maaraue jedenfalls sehr zu schätzen.“ Hört, hört.

Dass das Thema Kastanienallee und Fällung den OB erreicht hat, zeigte sich dann aber am Freitag auch auf Facebook: Gerich schaltete sich in eine Diskussion um die Lesselallee ein und schrieb:

Sven Gerich: bietet mal ein Treffen inkl. HGO Schulung an! Bis dahin…., immer feste drauf, ich habe ein breites Kreuz! Das halte ich gerne auch mal für andere, zuständige Magistratskollegen/innen hin.

Dem OB wurde im Verlauf der Diskussion um Magistratszuschnitte und OB-Einfluss auch vorgehalten, nicht zu seinen Wahlversprechen zu stehen. Gerich antwortete darauf, er stehe für sachliche Diskussionen zur Verfügung, nicht für persönliche Angriffe. Die sachliche Diskussion mit dem OB wäre nach Eindruck von Mainz& von den Kostheimern dringend gewünscht…

Die Kostheimerin Britta Niklaus antwortete dem OB nämlich: „Sie werden hier allenfalls mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert.“ Warum werde denn ein OB überhaupt gewählt, „wenn dieser anscheinend zu nichts befugt ist?“ ärgert sich Niklaus und zeigt, wie tief der Ärger in Kostheim – und nicht nur dort – inzwischen sitzt. „Zum lächeln und winken“, schr3eibt Niklaus weiter, „haben wir auch die Weinkönigin.“

Info& auf Mainz&: Über den Architekturwettbewerb hat Mainz& ausführlich hier berichtet, über die Sitzung des Umweltausschusses zur Lesselallee hier. Fortsetzung folgt…

3 KOMMENTARE

  1. Ich glaube nicht, dass die Stadt für diese „Visionen kein Geld ausgegeben habe, viel mehr habe ich gelesen, dass Gelder aus einem Kulturfond in den die Stadt jährlich und fleißig einzahlt in dieses „Projekt“ geflossen sind. Ich halte so was für offene Verschwendung. Hierdurch wird der Berufsstand des Architekten völlig blödsinnig überhöht. Ein Architekt ist kein Künstler sondern Handwerker, der für konkrete Bauprojekte zu beauftragen ist. Wenn er Visionen hat, sollte er zum Arzt gehen.

    • Äh, also das mit den Visionen und dem Arzt teilen wir hier nicht so ganz – dieser berühmte Satz von Helmut Schmidt gehört meines Erachtens zu den schädlichsten Sätzen dieses Jahrhunderts 😉 Visionen über eine Gesellschaft und ihre zukünftige Entwicklung können nämlich enorm produktiv sein, ja wären gerade jetzt mal wieder dringend gefragt! Aber man sollte doch Ideen und Visionen auf Sinnhaftigkeit abklopfen 😉

      • Um die Sinnhaftigkeit geht es; denn wir sprechen hier über die Kleinigkeit von 500 000 Euro, nach meinen Recherchen, die die Stadt Wiesbaden als Gesellschafter jährlich an diese gemeinnützige GmbH Kulturfonds Frankfurt Rhein Main überweist. Herr Gerich hingegen sagt, dass kein Geld in den Architektursommer, der über diese GmbH finanziert wird, von Wiesbaden aus geflossen sei. Darüber sollte man Herrn Gerich befragen. (Ich halte Schmidts Satz nicht für sonderlich schädlich, da es sich lediglich um Ironie handelt. Wahr daran ist, dass man in der Politik eher pragmatisch handeln sollte.)

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