Der Streit um das Fällen der Lesselallee auf der Maaraue bei Mainz-Kostheim spitzt sich zu: Christoph von Eisenhart Rothe stellte am Freitag Strafanzeige gegen die Stadt Wiesbaden. Der Grund: Die Stadt Wiesbaden hat vergangene Woche Baumhöhlen mit Bauschaum zugespritzt. Von Eisenhart Rothe hält das für gesetzeswidrig und befürchtet, dabei könnten Fledermäuse und Haselmäuse gestorben sein. Die Baumschützer befürchten unterdessen eine Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt: Ab dem am 1. Oktober darf gefällt werden…

Von Eisenhart Rothe ist Fortwissenschaftler und Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Wiesbaden. Am Mittwoch hatte er an einer Begehung der Allee im Rahmen der „Bürgerinformationstage“ teilgenommen – und war entsetzt: Mehrere Bruthöhlen in den Bäumen waren nämlich mit Bauschaum verschlossen worden.

Stellte Strafanzeige wegen Verdachts auf Tötung von Fleder- und Haselmäusen in der Lesselallee: Christoph von Eisenhart Rothe - Foto: gik
Stellte Strafanzeige wegen Verdachts auf Tötung von Fleder- und Haselmäusen in der Lesselallee: Christoph von Eisenhart Rothe – Foto: gik

Keine Genehmigung für Verschließen der Baumhöhlen

„Dafür lag keine Genehmigung vor, das hat mir das Grünamt bestätigt. Die haben eine Wiesbadener Firma damit beauftragt“, sagte der Forstexperte am Montag Mainz&. Schlimmer noch: „Ich habe große Zweifel, dass sich in den Höhlen keine Fledermäuse mehr befanden“, sagte von Eisenhart Rothe. Die Bauschaum-Aktion sei am hellichten Tage passiert, Fledermäuse aber nachtaktiv. „Ich befürchte, die sind qualvoll erstickt.“

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Von Eisenhart Rothe stellte deshalb am Freitagnachmittag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen nicht genehmigter Schließung von Brutstätten sowie der möglichen Tötung von Fledermäusen und Haselmäusen. Damit habe die Stadt Wiesbaden gegen den Paragraph 44 des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen, der das Töten von Tieren geschützter Arten verbietet, was Ihr hier nachlesen könnt. Auf Verstöße gegen das Gesetz stehen übrigens bis zu fünf Jahren Gefängnis…

Forstexperte:Vorbereitung für die Fällung am 1. Oktober

Die meisten Fledermausarten gehören zu den geschützten Tierarten, was die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner zu der Kritik animierte: „Wir geben viel Geld für den Schutz der Fledermäuse aus“, hier aber werde der Tod von Tieren in Kauf genommen. Von Eisenhart Rothe befürchtet, mit dem Verschließen der Bruthöhlen solle das Biotop Lesselallee von Tieren „entleert“ werden. „Damit wäre die Fällgenehmigung schneller erteilt“, sagte von Eisenhart Rothe Mainz&: „Hier werden Tatsachen geschaffen, um die Allee möglichst schnell niederzulegen.“

Dazu seien nicht alle Höhlen in Bäumen verschlossen worden, manche stünden noch offen. „Ich befürchte Wiederholungsgefahr“, sagte von Eisenhart Rothe, das habe er auch in seiner Anzeige an die Staatsanwaltschaft geschrieben. Die Begründungen der Stadt Wiesbaden für die Fällung der Allee nannte er hingegen „albern“ und „absurd“: Dass die Äste nicht in Richtung anderer Bäume wüchsen, sei völlig normal, werde aber als Zeichen mangelnder Vitalität ausgelegt, kritisierte von Eisenhart Rothe.

Baumhöhle mit Bauschaum verschlossen - Foto:gik
Baumhöhle mit Bauschaum verschlossen – Foto: gik

„Flatterulmen? Kann ich nur von abraten“

Wie Ihr ja wisst, will die Stadt Wiesbaden alle 74 (!) Bäume der mehrere Hundert Meter langen Lesselallee fällen und die Allee durch Flatterulmen ersetzen. „Ich kann davon nur abraten“, sagte von Eisenhart Rothe. Ulmen hätten derzeit große Probleme mit dem Ulmensplintkäfer. „Die wären vielleicht noch während der Amtszeit von Dezernent Oliver Franz (CDU) schön grün – aber nach 20 oder 30 Jahren wären die Bäume tot.“

Die Kastanien in der Lesselallee seien übrigens „in der Mehrheit vital und erhaltenswert“, sagte von Eisenhart Rothe, und das kommt uns doch bekannt vor… Wenn wir richtig gezählt haben, war das jetzt Experte Nummer 6, der den Bäumen ausreichende Vitalität bescheinigt. Von Eisenhart Rothe betonte am Montag an der Lesselallee, einzelne Bäume seien krank und müssten gefällt werden. „Der Großteil der Bäume ist gesund“, betonte er.

„100 verschiedene Bäume sind immer noch eine Allee“

Tabea Rößner mit Schildern Lebendig begraben am Zaun - Foto: gik
Tabea Rößner mit Schildern „Lebendig begraben“ am Zaun – Foto: gik

Bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Wiesbaden ist übrigens auch die Geschäftsstelle des Deutschen Alleenverbandes angesiedelt, von Eisenhart Rothe kennt sich mit dem Thema Alleen also durchaus aus. „Der Wurzelpilz Phytophthora ist allgegenwärtig, das ist kein Zeichen, dass alles kaputt ist“, betonte von Eisenhart Rothe.

Bundestagsabgeordnete Rößner kritisierte denn auch am Montag, die Stadt müsse beide Seiten zu Wort kommen lassen und schlug eine Diskussionsrunde mit Experten pro Fällung und kontra Fällung vor. „In Zeiten von mehr Bürgerbeteiligung sollte man auch die Bürger ernst nehmen“, sagte sie. Hier aber, fügte Rößner hinzu, „habe ich das Gefühl, die Betonpolitik kehrt zurück – hier wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden.“

2 KOMMENTARE

  1. Das mit dem Schaum ist rabiat, ich sag das ganz lapidar: Die Wiesbadener machen so nicht nur den Mainzern den Dreibrückenweg kaputt. Eine alte Allee ist so landschaftsprägend…mein Respekt vor dem Wiesbadener Preussentum weicht auf. Die rheinhessische Seite ist so durch ausgeräumte Landschaft geprägt und die Wiesbadener haben da auf der Maaraue eine alte Allee und stellen sie zur Disposition. Da platzt einem der Kragen Herr Übersohn, oder sind die Wiesbadener neidisch nicht am Dreibrückenweg zu liegen.

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