Man reibt sich als Journalistin in diesen Tagen ja verwundert die Augen: „Lügenpresse!“ werden wir beschimpft. „Lügenpresse“ warf mir ein Passant im Vorbeigehen (!) an den Kopf, als ich am Institut Francais über eine Mahnwache berichtete. Wie bitte?! Der Mann kannte mich gar nicht, wusste nicht, was ich arbeite und für wen. Seit wann, bitteschön, muss ich mich pauschal als „Lügenpresse“ beschimpfen lassen – mit einem Begriff von den Nazis zudem?

„Helden des Landes“, „Hüter der Demokratie“ – das bin ich offenbar auch. Na gut, nicht ich persönlich 😉 Doch seit dem 7. Januar wird die Pressefreiheit auf einmal wieder als hohes Gut in den Himmel gehoben, was sie auch ist: Ein unverzichtbarer Wert unserer demokratischen Kultur. Ohne Pressefreiheit ist die Demokratie nichts. Mit der freien Presse begann 1848 (und davor) der lange Marsch der Deutschen zu Demokratie und Freiheit.

Der Mainz&-Kommentar

Was ist eigentlich passiert in diesem Land? Seit wann gehören hochseriöse Medien wie ARD und ZDF, FAZ und Handelsblatt, Spiegel und Süddeutsche auf einmal zur „Lügenpresse“? Wieso und seit wann werden Medien eigentlich unter einen Generalverdacht des unseriösen Arbeitens gestellt?

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„Die berichten ja alle das Gleiche“, wird da neuerdings entgegnet. Ach? Und ist Euch da draußen vielleicht mal die Idee gekommen: wenn alle „das Gleiche“ berichten – dass es vielleicht einfach stimmt? Dem entspricht, was geschehen ist? Früher galt mal: Wenn alle es berichten, muss zumindest was dran sein…

Ich weiß natürlich, dass ich dies alles hier höchstwahrscheinlich den Falschen erzähle – Mainz&-Leser werden (hoffentlich) nicht zu denen gehören, die „Lügenpresse“ vor sich hin schimpfen… Aber irgendwer da draußen tut es – und es sind viele.

Alles das Gleiche = alle falsch? Wieso?

Ich bin, Ihr merkt es schon: entsetzt. Völlig entsetzt. Für mich kommen diese Vorwürfe aus heiterem Himmel. Freunde erzählen mir, das sei „schon lange“ so. Ich frage mich: Wisst Ihr da draußen eigentlich, wie Medien arbeiten? Dass wir Regeln haben, nach denen wir Quellen aussuchen und gewichten? Dass nichts ohne Quelle geschrieben oder gesendet wird? Dass es bei heiklen Dingen zwei voneinander unabhängige Quellen braucht?

Und ja: diese Prinzipien gelten! Heute, morgen, jeden einzelnen Tag. Für jeden einzelnen Artikel! Auch bei Mainz&.

Wir schreiben übrigens auch nicht einfach bei den Kollegen ab – sei es AZ, SWR oder sonstwo. Übernehmen wir Inhalte, zitieren wir die Kollegen – so gehört das. Mainz& legt seine Quellen offen, jeden Tag. In jedem Artikel.

Um das mal klar zu stellen (für die, die es angeht): Ich lüge nicht, Mainz& lügt nicht. Lügen haben nichts, aber auch gar nichts im Journalismus zu suchen – es sei denn, wir berichten über sie.

Unser verdammter Job: Euch objektiv zu informieren.

Und ich bin völlig entsetzt, dass ich genötigt werde, solche Sätze überhaupt zu schreiben. Was glaubt Ihr denn da draußen?? Es ist unser verdammter Job, Euch zu informieren – so unabhängig und objektiv, wie es nur geht. Mit der Darstellung aller Seiten. Vielleicht nicht alle in einem Artikel, aber dennoch alle Seiten – im Verlaufe der Berichterstattung.

Wir haben nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber wir wissen für gewöhnlich mehr als Ihr. Weil wir eben Informationen aus vielen unterschiedlichen Quellen bekommen. Daraus setzen wir ein Bild zusammen dessen, was da draußen geschieht.

Analyse, Hintergrund: wichtige Zusatzinfos

Und wir tun noch mehr: Wir ordnen ein. Wir analysieren, was geschieht. Schon das wird oft als „Kommentar“ missverstanden. Nein, Leute, ein Kommentar ist das, was ich hier gerade schreibe. Eine Analyse in einem Politik-Stück etwa, ergänzt das Geschehene um Hintergrund-Informationen, die wir liefern, damit Ihr Euch ein besseres Bild machen könnt.

Mainz& ist Charlie
Mainz& ist Charlie. Unbedingt. Aus Überzeugung. Ohne Heldenstatus… – Foto: B.J.

Ihr würdet uns schön hauen, würden wir einen Satz schreiben wie: „Die erste schwarz-grüne Koalition ist ein Jahr im Amt.“ Punkt, Ende des Artikels. Ihr würdet fragen: Was jetzt? Wie, die erste? Wo, die erste? Was machen die da? Wer sind die? Genau diese Informationen liefern wir Euch zur Ergänzung dessen, was geschehen ist.

Und diese Zusatz-Infos zur reinen Nachricht werden aus unserer Sicht immer wichtiger: Der riesige Wust von Informationen da draußen – wir versuchen, ihn für Euch verständlicher zu machen. Durchsichtiger, besser einzuordnen. Wegweiser zu sein.

Euer verdammter Job: Euch ein Bild zu machen.

Wir tun das übrigens gerne, dieses Liefern von Informationen. Von dem, was gerade geschieht, wie auch von dem dazu gehörenden Hintergrund. Weil wir Journalisten fest daran glauben, dass Wissen Macht ist, und dass diese Macht geteilt gehört. Herrschaftswissen ist ein Begriff aus einer anderen Zeit, und damit die nie zurückkommt, schreiben wir dagegen an. Mit objektiven Fakten und persönlichem Blickwinkel bei der Einordnung.

Wir schreiben und senden diese Dinge, weil wir wollen, dass Ihr Euch daraus ein eigenes Bild macht. Das ist mühsam und anstrengend, gerade in unserer Reiz überfluteten Mediengesellschaft. Aber das ist Eure verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Und unsere, Euch dabei zu helfen.

Ihr müsst uns nicht als Helden der Demokratie in den Himmel loben. Aber hört auf, uns als „Lügenpresse“ zu diffamieren.

Denn ja: Wir sehen uns als Hüter der Demokratie. Jeden Tag, ein winziges bisschen weit.

Und genau deshalb und nur deshalb sind wir Charlie.

 

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