Es ist ja kaum zu fassen, aber eine ewig junge Institution in Mainz wird 40 Jahre alt: das Open Ohr, Festival, Happening, Streitbühne, Hangout, Konzertbühne, kurz: unverzichtbar! „Ein Gesamtkunstwerk“ hat einmal sein legendärer Gründer, Sozialdezernent Willi Abts, das Open Ohr genannt, treffender kann man das einzige noch existierende politische Jugendkulturfestival in Deutschland nicht beschreiben. Nun wird das Festival 40, und feiert – mit Krieg. „Maikäfer flieg!“ heißt das Motto in diesem Jahr an Pfingsten auf der Zitadelle. Eine ganze Reihe Künstler stehen auch schon fest.

Bühne am Drususstein Open Ohr 2009 - Foto gik
Festival mit römischem Ehrenmal: das Open Ohr am Drususstein – Foto: gik

Das Open Ohr widmet sich ja traditionsgemäß immer einem Kernthema, was natürlich die verschiedenen Veranstaltungen überhaupt nicht davon abhält, auch über andere Themen zu diskutieren 😉 Überhaupt, die Diskussion: inhaltlich lebt das Open Ohr von seinen Podien, die mal größer, mal kleiner ausfallen, mal im Zelt, mal unter freiem Himmel „auf der Mauer“ stattfinden.

Hier tummelten sich schon Polit-Größen wie Franz Müntefering 2004 (da war er gerade Chef der SPD-Bundestagsfraktion), Claudia Roth war auch schon da, und auch die heutige Ministerpräsidentin Malu Dreyer war selbstverständlich schon ganz oft da – schließlich war die SPD-Politikerin mal Sozialdezernentin in Mainz.

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Inhaltlich widmete sich das Festival mal dem „Aktenzeichen XX ungelöst“ (da ging es um Frauenemanzipation), diskutierte über Biedermänner und Brandstifter als „Die Rechts-Schaffende Mitte“ (2001), oder schaffte gleich die Arbeit ganz ab (Arbeit abschaffen?! 2004). 2002 waren so indirekt auch schon Jassir Arafat, Tony Blair, Gerhard Schröder und George Bush da – als es um das Thema „Freiheit & Democrazy“ ging.

Volle Hauptwiese Open Ohr 2012
Decke nicht vergessen! Hauptwiese auf dem Open Ohr 2012 – Foto: gik

Vier Tage lang, von Pfingstfreitag bis Pfingstmontag, wird auf der Zitadelle in Mainz geredet, gestritten, getanzt und genossen, verwandelt sich das wunderbare Zitadellen-Gelände in einen Hort von Jeans tragenden Alten und bunte Hosen tragende Junge, wird jongliert und getrommelt, geraucht, gegessen und getrunken, und sich auf der Festivalwiese getroffen. Ehrlich, ich frage mich jedes Jahr, wo die ganzen Hippies und Alternativies das ganze Jahr über gesteckt haben 😉 Ich schwöre, es gibt Festivalbesucher, die genau dafür Klamotten von früher raussuchen…

Im Ernst: Rund 350 Künstler geben sich jedes Jahr wieder auf der Zitadelle ein Stelldichein, sorgen für Musik rund um die Uhr, und für die legendären Kabarett-Sit-Ins um Mitternacht im Zelt. Und wenn auch in früheren Jahren die Setliste etwas weniger bekannte Künstler aufwies – zum 40. Geburtstag kommt eine feine Auswahl.

Freitag: Turbostaat und Anton Grübener

Am Freitag eröffnet die Flensburger Punkband Turbostaat, die offenbar auf ihrem 2013 erschienenen Album „Stadt der Angst“ gleich zwei Lieder zum Thema Krieg dabei hatte. Den Kabarett-Auftakt am Abend macht Anton Grübener mit seinem ersten Programm „DER BART IST AB! – mach doch mal was Lustiges !“

Samstag: Kakkmaddafakka, Rah Rah & Talking to Turtles

Am Samstag geht es dann richtig ab: Die norwegische Band Kakkmaddafakka aus Bergen kommt mit ihrem wilden Mix aus Pop, Disco, Funk, Reggae, Ska und Rock, und hat ein „musikalisches Geburtstagsspektakel“ im Gepäck, wie die Organisatoren versprechen. Ebenfalls am Samstag: Die Band Irie Révoltés mit einer Musikmischung aus Reggae, Hip Hop, Dancehall und Punk, sowie politischen Botschaften. Außerdem gibt’s sechs Kanadier der Band Rah Rah mit melodischen Indieklängen und die Leipziger Band Talking to Turtles.

Wir verlassen uns in den Beschreibungen jetzt mal voll auf die Macher des Open Ohr, sorry – aber man kann ja nicht alles kennen, gell? Wenn Ihr nähere Infos habt, eine Band kennt – nur her damit!

Sonntag: Well Brüder aus’m Biermoos

Große Bühne Open Ohr 2012
Die Große Bühne auf der Hauptwiese: Open Ohr 2012 – Foto: gik

Am Sonntag geben sich die Well Brüder aus’m Biermoos die Ehre beim Open Ohr. Vor Jahrzehnten waren sie schon mal da, erzählen die Macher, und gratulieren jetzt zum 40. zwar in anderer Besetzung, aber mit derselben Verbindung aus bayerischer Volksmusik mit politisch und satirischer Mundart, „kritisch wie einst und schon fast legendär.“ Wir glauben’s gerne. Kabarettistisch gibt’s Samstagnacht den Comedian und Liedermacher El Mango Masin, und am Sonntag den Berliner FiL, der Sharkey, seinen Plüsch-Hai dabei hat.

Montag: Brodowy, Rapid & Die Grenzgänger

Am Montag gibt es dafür ein besonderes Kabarett-Ständchen fürs Open Ohr: Der langjährige Wegbegleiter Matthias Brodowy kommt, und hat zur Begleitung Mr. McHormes und Wolfgang Stute dabei. Zusammen gibt das Musikkabarett, das sich auch noch eigens dem Jubiläum widmet. Zum Abtanzen lädt am Montag schließlich noch die Münchner Ska-Band Rapid, während Die Grenzgänger aus Bremen längst vergessene Volkslieder aus den Archiven holt und Lieder und Texte aus dem Ersten Weltkrieg interpretieren. Passender Name des Programms: „Maikäfer flieg – Verschollene Lieder 1914 – 1918“.

Apropos Maikäfer: Für das Open Ohr gibt es nicht nur jedes Jahr ein anderes gesellschaftspolitisches Thema, es arbeitet die Freie Projektgruppe, die das Ganze organisiert, auch eigens ein Thesenpapier dazu aus. Und darin gibt es dieses Jahr allerlei Nachdenkenswertes zum Thema Krieg – ganz „Im Namen des Friedens“ natürlich. Wer es nachlesen mag: hier entlang.

Info auf Mainz&: Im Übrigen hat auch der Vorverkauf für das Festival bereits begonnen. Tageskarten gibt es weiterhin nur an der Tageskasse. Dauerkarten kann man online über das Internet, per Telefon oder über die bekannten Vorverkaufsstellen erstehen. Auch der Vorverkauf der Zeltplatztickets hat begonnen, ausführliche Infos dazu wie auch zum Ticket-Vorverkauf, zum Zelten und zum Open Ohr insgesamt unter www.openohr.de. Hier gibt’s auch die aktualisierte Künstler-Setlist bis zum Festival.

Dauerkarten kosten im VV 34,- Euro, an der Kasse 35,- Euro. Eine Tages-Einzelkarte für Freitag, Samstag oder Sonntag kostet jeweils 20,- Euro, die Tageskarte für Montag die Hälfte, also 10,- Euro. Besonders schön: Kinder bis einschließlich 13 Jahre haben freien Eintritt.

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