Die Mainzer Innenstadt hat zwar enorm viel Flair, doch beim Shoppen hakt es noch immer: Unzureichende Auswahl der Läden, zu viel Ramsch- und Billigläden, leer stehen Ladenlokale und zu viele Ketten – das waren die Hauptkritikpunkte bei einer Befragung von Passanten in der Innenstadt. Allerdings stammen diese Werte schon vom Mai 2013, befragt wurden auch nicht nur Mainzer, sondern einfach Jeder, der zwischen Donnerstag und Samstag nach Pfingsten 2013 in der Mainzer Innenstadt shoppen ging.

Spannend sind die Ergebnisse trotzdem, denn sie sind Teil einer Langzeitstudie des Geografischen Instituts der Universität Mainz. Seit 2009 befragen Professor Günter Meyer und seine Studenten regelmäßig mehr als 2.000 Passanten nach ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Beurteilung der Innenstadt – und zwar alle zwei Jahre. Pikanterweise wird parallel dazu dieselbe Untersuchung in Wiesbaden durchgeführt.

Die Mainzer Korbgasse im September 2009 kurz nach Fertigstellung der neuen Einkaufspassage am Markt in Mainz.
So leer sah’s 2009 in der Mainzer Korbgasse aus, da war der Komplex gerade fertig geworden. Foto: gik

Je länger die Langzeitstudie dauert, umso interessanter wird der Vergleich, deshalb startet Mainz& nun seine erste Serie überhaupt zu diesem Thema: Mainzer Studienfenster – wie entwickelt sich die City? Denn die am Montag veröffentlichten Ergebnisse zur Attraktivität der Einkaufsstadt Mainz war schon Teil VI der Studie. Mainz& rollt die Studie einfach noch einmal rückwärts auf, und berichtet in den kommenden Wochen auch über die Teile I bis V.

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Beim Teil VI der Studie wurden die Passanten bewusst offen gefragt: „Was stört Sie am meisten in der Mainzer/Wiesbadener Innenstadt?“ Interessant dabei: die Themen sind eigentlich immer dieselben. Mängel im Einzelhandel, Parken und Verkehr, Struktur, Sauberkeit und Atmosphäre sind 2009, 2011 und 2013 wiederkehrende Themen.

Die gute Nachricht: Nur 4,3 Prozent der Befragten fanden die Mainzer City zu voll, trist oder zu laut. Und deutlich mehr Passanten fanden Wiesbaden unfreundlich und spießig, provinziell, langweilig und ohne Flair, als Passanten in Mainz. Das freut uns natürlich und bestätigt gleich mal ein paar lieb gehegte Vorurteile  ;-))

Tatsächlich kamen  die besagten Mängel in der Atmosphäre in Wiesbaden auf Rang 4 von 12, und das konstant seit 2009. In Mainz rangieren atmosphärische Mängel dagegen nur auf Platz 7 – oder sollte man sagen: immerhin? Schließlich rangierte das Thema vor genannten Mängeln in Sachen Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Gastronomie. Und während sich in Wiesbaden so viele Passanten an gesellschaftlichen Randgruppen in der Innenstadt störten, dass das Thema auf dem 3. (!) Platz landete, fanden die Mainzer da nur wenig Grund zur Klage – Platz 8.

Größte Mängel sind in Mainz aber nach wie vor die Parksituation auf Platz zwei und Mängel beim Einkaufsangebot. Der Parkraum in Mainz wird noch immer als zu wenig angesehen, der Wert stieg im Vergleich zu 2011 sogar von 5,0 auf 5,7 Prozent. Gleichzeitig nannten 8,9 Prozent insgesamt Probleme beim Parken, aber nur 3,2 Prozent fanden die Parkgebühren zu hoch. In Wiesbaden liegen die vergleichbaren Werte deutlich darunter, seltsam eigentlich, sind die Wiesbadener Parkhäuser doch deutlich teurer als die Mainzer – Mainz& kennt sich da aus!

Die Einkaufsstraße Ludwigstraße in Mainz im März 2011, Blick auf die vorgelagerten Pavillions vor Karstadt mit dem Dom im Hintergrund.
Baustelle Mainzer Innenstadt: Dom mit Gerüst im März 2011 und die LU in Höhe Karstadt. – Foto: gik

Die Hauptkritik in Mainz entzündet sich aber am Einzelhandelsangebot: stolze 17,1 Prozent der Befragten sahen hier Mängel, das waren allerdings sogar weniger als in Wiesbaden (17,5 Prozent) und deutlich weniger als vor zwei Jahren: 2011 sahen hier noch 19,6 Prozent Probleme. Als Hauptmängel werden zu wenig Qualität und zu geringe Auswahl (4,7 Prozent) und zu viele Ramsch- oder Billigläden genannt (4,1 Prozent). Der letztere Wert ist deutlich gesunkden, dafür fanden nun mehr Passanten leer stehende Läden zu beklagen (2,0).

Auch dass alteingesessene Läden schließen, ist in Mainz im Vergleich zu Wiesbaden ein (kleines) Thema, das einhergeht mit Klagen über Monotonie im Angebot. Schließlich spielt in Mainz noch die Struktur der City mit weiten Wegen und einer unübersichlichen Struktur (7,7 Prozent) eine Rolle – Wiesbaden fanden dagegen satte 14,3 Prozent zu dreckig. Aber schließlich sind diese Werte alles nur Momentaufnahmen – und außerdem schon fast ein Jahr her.

Dazu wurden die Passanten explizit nach Mängeln, und nicht nach positiven Eindrücken befragt – wer also rundum zufrieden war, kommt in der Studie nur als schweigende Mehrheit vor, und das sind immerhin mehr als 80 Prozent! Der Wert der Studie bemisst sich daher vor allem auch im Vergleich, und da stellen die Geografen fest: Mainz ist seit 2009 als Einkaufsstadt deutlich attraktiver geworden. Vor vier Jahren beklagte noch jeder vierte Passant in Mainz Mängel im Shoppingangebot, jetzt war es nur noch jeder Sechste.

Und dann geben die Forscher noch zu bedenken: Die Wahrnehmung eines Sachverhaltes kann subjektiv total verschieden sein – und auch von den Medien beeinflusst sein, wenn die häufig über ein Thema berichten. Also, bleibt kritisch, auch uns Medien gegenüber – und geht einfach selbst nachschauen.

Die Studie zum „Brennpunkt Mainzer City“ könnt Ihr übrigens hier nachlesen..

Und Mainz& interessiert natürlich: Was denkt Ihr darüber? Ist Mainz zum Shoppen interessant, schön, vielfältig! Mainz& freut sich auf Eure Kommentare!

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