Die Botschaft des Tages von Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) war: „Die Stadt Mainz kann spätestens ab 2015 den Bedarf aller Eltern an Betreuungsplätzen erfüllen!“ Der Dezernent sagte das nicht ohne Stolz, denn tatsächlich hat die Stadt in den vergangenen Jahren eine wahre Herkulesaufgabe zu bewältigen: Genügend Kita-Plätze in Mainz zu schaffen. Einfach war das tatsächlich nicht, angesichts wirklich total leerer Kassen und eines steigenden Zuzugs von Familien nach Mainz. Aber Euch ist der Haken ja längst aufgefallen: 2015, das heißt eben nicht 2014.

Jugendmaskenzug Mainz - Foto: gik
Buntes KInderbild beim Jugendmaskenzug Mainz – Foto: gik

Tatsächlich fehlen in Mainz derzeit noch immer Kindergartenplätze, doch dieser Satz wird der Realität nicht wirklich gerecht. Denn es war die Politik, die großzügig einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz vergab – gerne vor Wahlen – und damit den Kommunen ein ziemlich faules Ei ins Nest legte. Und Rheinland-Pfalz spielt dabei den Vorreiter: Hier im Land gibt es schon seit August 2010 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Zweijährige. Und die Politik legte gleich nach: Seit dem 01. August 2013 haben auch Kinder mit vollendeten 1. Lebensjahr einen Anspruch auf einen Kita-Platz.

Eine schöne Bescherung besonders für die Stadt Mainz,die bekanntlich ein Luxusproblem hat: sie bekommt stetig mehr Einwohner. Eine wahre Landflucht hat eingesetzt, Stadtleben ist auf einmal „in“ – und nach Mainz ziehen derzeit besonders gerne junge Familien… Das warf die Prognosen der Stadt ziemlich über den Haufen, zumal ja nicht damit zu rechnen ist, dass alle Kinder unter drei oder zwei Jahren in eine Kita wollen. 2013 ging die Stadt von folgenden Quoten aus: 11 Prozent der Kinder im 1. Lebensjahr, 40 Prozent im 2. Jahr, 60 Prozent im 3. Jahr, 100 Prozent im 4. Jahr.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Versorgungsquote 2009 noch bei 105,3 Prozent

Goldene Bälle Leibnizschule
Goldige Kids an Fastnacht – Foto: gik

Solche Zahlen stehen im alljährlichen Kita-Bedarfsplan, und den für 2014 stellte Merkator am Donnerstag vor. Eine Grafik des Plans verdeutlicht wunderbar das Problem: 2009 lag nämlich die Versorgungsquote mit Kindergartenplätzen für Mainzer Kinder noch bei stolzen 105,3 Prozent, es gab mehr Plätze als benötigt. Dann kam das Jahr 2010 mit dem Rechtsanspruch – und die Mainzer Quote sank mit 93,7 Prozent ziemlich in den Keller.

Und in der Realität war es noch schlimmer: Merkator räumte nun ein, die Stadt habe ihr Ausbauziel für Zweijährige „lange Zeit bereits mit 60 Prozent“ angesetzt, nun werde das Ausbauziel sogar mit 70 Prozent angesetzt. Im Klartext: Es wollen viel mehr Eltern einen Betreuungsplatz für ihre kleinen Kinder, als man gedacht hat. Die Eltern nehmen die Politik einfach beim Wort, wenn sie betont, wie jetzt wieder Merkator: „Wir wollen, dass Familien Beruf und Familie gut miteinander verbinden können, und sie eine qualitativ gute Bildung und Betreuung in den Betreuungseinrichtungen vorfinden.“ Tja.

1.000 Kitaplätze schon geschaffen, 668 kommen noch

Man muss Mainz wirklich zugute halten, dass sie derzeit eine furiose Aufholjagd hingelegen: Von 2009 bis 2013 seien insgesamt mehr als 1.000 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen worden, und zwar Ganztagsplätze, davon mehr als 850 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Und es wird weiter in großem Stil gebaut: acht neue Kitas sind derzeit in Vorbereitung, dazu zwei Ersatzneubauten für bestehende Kitas in der Gabelsbergerstraße in der Neustadt sowie auf dem Lerchenberg vorgesehen. Drei weitere Kitas sollen in größerem Stil erweitert werden, dazu kommen fünf Übergangslösungen. Insgesamt sollen so 668 weitere Kita-Plätze geschaffen werden. Uff…

Kinder gehen im Jugendmaskenzug 2014 als kleine blaue Vögel - Foto: gik
Auch die kleinsten Vögelchen wollen ein Nest – Foto gik

Für Kinder unter zwei Jahren (0-2 Jahre) bestehe in diesem Jahr allerdings noch ein Fehlbedarf an Betreuungsplätzen, räumte Merkator ein. Grund sei „die erfreuliche Entwicklung der Kinderzahlen.“ Allerdings gibt es noch einen zweiten Grund: Die Stadt hatte sich in ihrer Ausbaustrategie zunächst auf die Bedarfsdeckung der Zweijährigen gestürzt. Grund war ein peinliches Gerichtsurteil: Eine Mutter hatte die Stadt verklagt, weil die für ihre zweijährige Tochter keinen Platz hatte. Die Stadt verlor, der Druck stieg…

Zügig auf die Ziellinie…

„Was den Ausbau U3 angeht, rollen wir in diesem Jahr zügig auf jeden Fall auf die Ziellinie zu, und bei den anderen Themen sind wir schon mitten im Lauf“, sagte Merkator, und versprach: „Spätestens ab 2015 kann die Stadt Mainz den Bedarf aller Eltern an Betreuungsplätzen erfüllen.“

Dabei ist auch eingerechnet, dass bis 2018 die Zahl der Kinder mit einem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz (2 bis 6 Jahre) noch einmal um etwa 5 Prozent steigt. Die Zahl der Kinder unter zwei Jahre sei jedoch leicht rückläufig und steige deshalb „nur“ um 3 Prozent. Und man ist bei der Stadt klüger geworden: Es wurde nämlich 2013 eine Elternbefragung durchgeführt, aufgrund des Ergebnisses wurde das Ausbauziel für Zweijährige von 60 auf 70 Prozent erhöht…

Reichen wird wohl auch das alles noch nicht, denn die nächsten Probleme aus Planersicht stehen schon vor der Tür: der frühere Zollhafen, das Gelände der ehemaligen Peter-Jordan-Schule neben dem Hartenbergpark, und das frühere IBM-Gelände in Weisenau, genannt Heiligkreuz-Areal. Auf allen drei Flächen sollen neue Wohngebiete entstehen, auch und gerade für junge Familien…

Info& auf Mainz&: Hier baut die Stadt Mainz neue Kitas oder neue Kita-Plätze

Neubau vorbereitet oder bereits gebaut:

1. Altstadt (Hopfengarten/MAG)
2. Bretzenheim – Modulbauweise (Bezirkssportanlage Albert-Stohr-Straße: Stadt Mainz) mit bestehender Übergangslösung am Standort
3. Hechtsheim (Projekt der WfB als freier Träger)
4. Laubenheim – Modulbauweise (Katholische Kirche) mit bestehender Übergangslösung
5. Mombach – Modulbauweise (Alter Kerbeplatz: Stadt Mainz)
6. Oberstadt – Modulbauweise (Schillstraße: Stadt Mainz) mit bestehender Übergangslösung neben Berliner Treff
7. Bretzenheim: Unigelände – Modulbauweise (Uni/FH: Studierendenwerk)
8. Weisenau (Friedrich-Ebert-Schule: Stadt Mainz) mit bestehender Übergangslösung (Friedrich-Ebert-Schule)

2 Ersatzneubauten für bestehende Kitas:

1. Neustadt (Ersatzneubau und Erweiterung Kita Gabelsbergerstraße: Stadt Mainz) in Modulbauweise
2. Lerchenberg (Ersatzneubau und Erweiterung der integrativen Kita: Stadt Mainz) in Modulbauweise

Größere Erweiterungen:
— Gonsenheim: Kita Sandflora
— Katholische Kitas St. Josef um eine Gruppe, St. Petrus Canisius um zwei Gruppen, Herz Jesu um eine Gruppe
— Evangelische Kitas: Hechtsheim um zwei Krippengruppen, Lerchenberg um eine Krippengruppe, Christuskirche um eine Krippengruppe

Download: Den Kita-Bedarfsplan gibt es normalerweise auch auf der Homepage der Stadt Mainz, der Link war aber am Donnerstag noch nicht zu finden. Wir reichen ihn natürlich nach, sobald er auftaucht 😉

Den Kita-Bedarfsplan 2013 findet Ihr hier.

 

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein