Die Kölner Fastnachter schlagen ja heute hohe Wellen, das Festkomitee zog am Donnerstag einen Motivwagen für den Rosenmontagszug zurück, der sich mit dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo beschäftigen sollte. Daraufhin meldete sich der Mainzer Carneval-Verein – und veröffentlichte ein Motiv für einen Mainzer Wagen. Darauf das Grundgesetz als Bastion, und als Hüter von Glaubens-, Presse- und Meinungsfreiheit. Der Hintergrund: Islam-Kritik.

Zugnr. 36: Tebartz badet in Geld - Foto: gik
Kritik an der Kirche – gabs auch schon in Mainz. Hier badet Bischof Tebartz in Geld – Foto: gik

Das ist selten, dass die Mainzer mit ihrer Kritik auf den närrischen Motivwagen weiter vorn sind, als die Kollegen in Köln, doch in diesem Jahr scheint sich das Mainzer Feingefühl als richtiges Vorgehen zu erweisen. Direkt nach dem grauenhaften Abschlag auf Charlie Hebdo hatten die Mainzer verkündet, es werde dazu keinen eigenen Motivwagen geben.

Der Grund ist nicht nur die Vorsicht: Die Mainzer Motive für die 15 rollenden Karikaturen wurden bereits im November ausgesucht, seit Weihnachten (vorsichtig geschätzt) sind die Wagen bereits in Bau. Nur wenige Wochen vorher noch einen neuen Wagen aus dem Boden schnitzen, das sei schwer machbar, hieß es – verständlich.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Motivwagen MCV Grundgesetz nu(h)r ich
Der neue Motivwagen 2015 zu Grundgesetz und Meinungsfreiheit – Karikatur: Klaus Wilinski

Doch der Kölner Rückzug ihres Motivwagens hat die Debatte „Was darf Satire“ erneut angefacht. Der Wagen sollte, so berichtet es SWR -Online, einen Fastnachter zeigen, der einen Bleistift in die Pistole eines Islamisten steckt, woraufhin diese explodiert und keinen Schaden anrichtet. Doch den Kölnern war die Gefahr von Anschlägen am Rosenmontag zu hoch, der Wagen wurde zurückgezogen.

Man respektiere die Entscheidung der Kollegen, hieß es vom MCV – und schickte eine Karikatur mit dem Motiv eines Wagens mit. Da steht nun ein überdimensionales Grundgesetz auf dem Wagen, winkt fröhlich mit einer „Herzlich Willkommen“-Fahne und hebt gleichzeitig mahnend den Finger über Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. „Hier gelte nu(h)r ich“, lautet der Titel des Wagens – und dessen Hintergrund ist durchaus brisant.

Uups_Papamobil_Romo_2007
2007 gab’s diesen Motivwagen: Das Papmobil rammt ein Minarett… – Zeichnung: Klaus Wilinski

Die Mainzer beziehen sich damit nämlich auf eine Anzeige, die der Kabarettist Dieter Nuhr für Kritik am Islam bekam. „Die freiheitlichen Werte, für die das Grundgesetz steht sind für Demokraten in diesem Land nicht verhandelbar“, heißt es dazu entschieden vom MCV: „Unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion heißen wir all jene Menschen in unserem Land willkommen, die unsere Werteordnung mittragen. Die Akzeptanz unseres Grundgesetzes soll die allein gültige Richtschnur sein.“

In gereimter Form betonen die Narren denn auch den steinigen Weg, den Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Grundgesetz nahm, und reimen dann: „Es verteidigt die Freiheit für Dich und für mich: / was hier gilt und was nicht, das bestimme nur ich!“

„Unsere Demokratie haben wir wahrlich nicht geschenkt bekommen, die sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, sagt auch Hans-Peter Betz, der natürlich auch dieses Jahr wieder den Guddi Gutenberg gibt. Und der nimmt auch in diesem Jahr kein Blatt vor den Mund – auch nicht, was Charlie Hebdo angeht. „Weder die Bibel noch der Koran steht über dem Grundgesetz“, sagte Betz Mainz&: „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das nicht angetastet werden darf.“

Und Betz fordert Kabarettisten und Narren auf, hier klar Stellung zu beziehen: „Man muss einen Arsch in der Hose haben“, sagt Betz. Mancher „kneife“ bei dem Thema, andere würden es gut aufgreifen, sagte er und fügte hinzu: „Ich greife es auf, und ich treffe damit offenbar einen Nerv.“ Mainz& geht das morgen mal nachprüfen 😉

Info& auf Mainz&: Mainz& hatte bereits Anfang Januar über die Frage „was darf Satire“ und wie geht die Fastnacht damit um berichtet, den Artikel dazu findet Ihr hier.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein