Ein Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift “Charlie Hebdo”, mindestens zwölf Tote – der Mainzer Karikaturist Klaus Wilinski reagierte am Mittwoch nachmittag geschockt und fassungslos: “Dann müssen wir demnächst auch die Fastnacht abblasen”, sagte Wilinski Mainz& – natürlich mit deutlich ironischem Unterton. Doch so ironisch ist die Sache gar nicht: Der Anschlag stellt erneut, nach den dänischen Mohammed-Karikaturen, die Frage: Was darf Satire?

Zugnr. 36: Tebartz badet in Geld - Foto: gik
Bischof Tebartz und das liebe Geld: Närrischer Motivwagen im Rosenmontagszug – Foto: gik

“Wenn Satire so etwas nicht darf, dann haben wir den Terrorismus der Gedanken”, sagte Karikaturist Wilinski am Nachmittag Mainz&. Wilinski erfuhr erst durch den Anruf von Mainz& von dem Terrorakt,seine Reaktion: Unglauben. Schock, Fassungslosigkeit. “Wenn das Schule macht, traut sich demnächst niemand mehr etwas”, sagte der Zeichner, der viele Jahre schon durch seine spitze Feder aktuelle Themen aufs Korn nimmt – erst für die Mainzer Rhein-Zeitung, inzwischen für die Allgemeine Zeitung.

Die Schere im Kopf – und jetzt eine ganze Bombe

Wilinski zeichnet auch seit vielen Jahren die Karikaturen für die närrischen Motivwagen des Mainzer Carnevals-Vereins MCV. Der Anschlag, befürchtet Wilinski, werde nun den Bedenkenträgern auch in der Fastnacht Recht geben – denen, die immer vor provokativer Kritik zurückgescheut haben. “Wir gehen ja eh schon die ganze Zeit geduckt”, sagte Wilinski: “Wir kämpfen seit Jahren gegen die Schere im Kopf – jetzt ist es gleich eine ganze Bombe.”

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Screenshot Karikatur TerrorTatsächlich scheuten die Entscheidungsträger  beim MCV in den vergangenen Jahren vor allzu provokativer Kritik zurück – im Gegensatz zu ihren Kollegen etwa in Düsseldorf. Ein Motivwagen mit einer nackten Nonne im Ganzkörperscanner wurde eilig entschärft. “Ich habe immer gedacht, wir Narren brauchen vor nichts Angst zu haben”, sagte Wilinski. Doch jetzt bekämen “ja die finstersten Fastnachts-Taliban Recht, die sagen: allen wohl, niemand weh.”

Aufstand gegen den “Terrorismus der Gedanken”

Wenn die Angst vor der Kritik Normalität werde, werde sich keiner mehr satirische Kritik trauen… “Das wäre das Ende der Meinungsfreiheit”, warnte Wilinksi.Dazu treibe das Attentat den Organisatoren der islamfeindlichen Bewegunge Pegida “doch nur noch mehr Leute zu.”

Aufgeben sei aber natürlich keine Lösung, im Gegenteil: “Wir müssen enger zusammen rücken, eine Phalanx bilden von allen, die mit Satire und Karikatur zu tun haben”, fordert Wilinski. Es brauche jetzt einen Aufstand der Anständigen, der Denkenden. Jetzt “den Schwanz einzuziehen”, gehe gar nicht, “es kann nicht die Lösung sein, dass wir aufhören”, betonte er: Gerade die Narren dürften, ja müssten gesellschaftliche Entwicklungen aufs Korn nehmen: “Wir dürfen das doch – wir sind der Ärger!” unterstreicht der Zeichner: “Wenn Satire so etwas nicht darf, dann haben wir den Terrorismus der Gedanken.”

 

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