Die Mainzer Narren sind fassungslos und auch irgendwie wütend auf die Terroristen, die am Mittwoch ein Blutbad in der Redaktion der französischen  Charlie Hebdo angerichtet haben. „Wir sind fassungslos angesichts der verabscheuungswürdigen Tat in Paris“, sagte der Präsident des Mainzer Carnevals-Vereins, Richard Wagner, am Donnerstag und versprach: „Wir sind nicht sprachlos, das wäre das falsche Zeichen.“ Satire und Spott seien „essentielle Bestandteile“ der Mainzer Fastnacht, betonte Wagner – „das lassen wir uns auch nicht von Fanatikern verbieten.“

Den Finger in die Wunde legen: Motivwagen der Mainzer Narren 2014 zu Edward Snowden und den Lauschangriff der NSA - Foto: gik
Den Finger in die Wunde legen: Motivwagen der Mainzer Narren 2014 zu Edward Snowden und den Lauschangriff der NSA – Foto: gik

Das ist ein starkes und auch ein wichtiges Zeichen, das die Mainzer Fastnachter da in die Welt schicken – alles andere wäre ja nun auch wirklich unerträglich gewesen. Am Mittwoch hatten zwei Terroristen die Redaktion von Charlie Hebdo überfallen und ein Blutbad angerichtet, zwölf Menschen starben, darunter der Chefredakteur und die Zeichner des Satiremagazins.

Seitdem geht ein Aufschrei durch Europa, eine Welle der Empörung und Solidarität. „Unsere Gedanken gelten zuallererst den Opfern und Angehörigen dieses feigen Anschlags. Das waren keine religiösen Motive. Das waren Terroristen“, unterstrich Wagner. Gerade die Mainzer Narren sind ja nun bekannt für ihre Witze mit spitzen Federn, die politisch-literarische Fastnacht, die mit dem Wort kämpft. Ganz zu schweigen von den rollenden dreidimensionalen Karikaturen, auch bekannt als Motivwagen.

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„Wir werden uns nicht den Mund und auch nicht den Stift verbieten lassen“, sagte dazu Kay-Uwe Schreiber, Sprecher der MCV-Zugleitung. Die Motive für die Motivwagen stünden ohnehin längst fest, schließlich sind es bis Rosenmontag nur noch wenige Wochen. „Sie werden wie jedes Jahr ein Höhepunkt der Mainzer Straßenfastnacht sein und in diesem Jahr auch noch ein sichtbares Bekenntnis für Satire“, verspricht Schreiber.

Kritisch gegen die Kirche: Motivwagen der Mainzer Narren 2014 zu Tebartz van Elst - Foto: gik
Kritisch gegen die Kirche: Motivwagen der Mainzer Narren 2014 zu Tebartz van Elst – Foto: gik

Wagner weist außerdem darauf hin, dass in der Vergangenheit die gesamte Mainzer Fastnacht gerade mit Themen wie Religion und Minderheiten „sehr sorgsam und sensibel umgegangen“ sei. So kann man das auch nennen – mancher hätte sich ja vielleicht doch mehr Spitzzüngigkeit und Respektlosigkeit gewünscht, wie es die Narren in Düsseldorf tun. Wir erinnern da noch mal an die Nonne im Nacktscanner, die von den Narren eilig entschärft wurde…

Im Umgang  mit dem Gedanken-Terror, wie das gestern der Mainzer Karikaturist Klaus Wilinski nannte, stehen die Mainzer Narren ihren Mann: „Missstände gehören satirisch aufgespießt“, betont Schreiber, „da kennt die Fastnacht kein Pardon, weder bei Politikern, noch bei fehlgeleiteten Institutionen.“

 

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