Ein Museumspass ist eine feine Sache: In Frankfurt etwa kann man mit der Museumsufercard ein Jahr lang alle Dauer- und Sonderausstellungen besuchen, und das nicht nur in Frankfurt, sondern auch der Umgebung. In Mainz prüft die Verwaltung nun ebenfalls die Einführung eines Museumspasses – und tut sich damit schwer. Im Stadtrat am Mittwoch hieß es schriftlich, man habe verschiedene Möglichkeiten geprüft – man wolle sich dem Oberrheinischen Museumspass anschließen.

Das Mainzer Landesmuseum mit goldenem Pferd - Foto: gik
Sinnbild für Museen in Mainz: Das goldene Pferd auf dem Dach des Landesmuseums – Foto: gik

Dem was? Das fragte sich jedenfalls Mainz& nach der Information aus dem Hause der Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD). Eigentlich sollte man meinen, Mainz hätte genug eigene hochkarätige Museen, um ein eigenes Produkt auf die Beine zu stellen: allen voran das Gutenbergmuseum, aber auch Landesmuseum, Naturhistorisches Museum und das Museum für antike Schifffahrt – wobei Letzteres ja ohnehin kostenlos ist.

Von Seiten der Stadt heißt es aber, die Entwicklung eines eigenen Mainzer Museumspasses „hätte den Nachteil, dass hierfür unter anderem eine geschäftsstelle gegründet oder ein Dienstleister beauftragt werden müsste.“ Dort müssten dann „die Konzeption, die Organisation, der Vertrieb, die Werbung, die Verwaltung und die Kommunikation des Museumspasses stattfinden“ – und das sei „mit hohen Kosten und erheblichen Risiken verbunden“.

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Römerschiff im Römerschiffmuseum - Foto gik
Römergaleere im Museum für Antike Schifffahrt – Foto: gik

Das mit den Kosten mag in der Tat so sein – aber wie hoch die sein würden, dazu schwieg sich die Stadtverwaltung aus. Auch das mit den Risiken, und dazu noch „erheblichen“, würde man doch gerne etwas genauer wissen: wie sieht das in anderen Städten aus? Machen die Pässe woanders Minus? Oder florieren sie? Tatsache ist: zu modernem Tourismus gehört ein Pass heute eigentlich schon dazu, auch motiviert er gerade auch die Einheimischen dazu, auch mal wieder in ihre eigenen Museen zu gehen – das zeigen Beispiele aus Frankfurt oder Bonn, die Mainz& bekannt sind 😉

Stattdessen also möchte sich die Stadt Mainz lieber einem anderen Pass anschließen – und zwar dem Oberrheinischen Museumspass. Der heißt eigentlich Museums-PASS-Musées und ist Eintrittskarte zu stolzen 280 Museen, die zwischen Mannheim, Stuttgart, Bodensee und sogar Nancy und Besancon in Frankreich reichen – der Pass ist nämlich ein deutsch-französischer, und sogar die Schweiz macht mit der Region Basel und bis hinein in den Aargau dabei mit.

Eingang Naturhistorisches Museum - Foto gik
Der Eingang zum Naturhistorischen Museum in Mainz – Foto: gik

Das klingt beeindruckend – und nach einem guten Geschäft: Wer besucht schon 280 Museen, auch wenn man dafür ein Jahr lang Zeit hat? Die Distanzen des Museumspasses sind enorm, der nördlichste Punkt ist bisher Mannheim, und das ist in etwa eine Stunde entfernt. Bleibt die Frage, ob eine Ausdehnung bis hinauf nach Mainz denn tatsächlich so sinnvoll ist – und umgekehrt, ob ein Museumspass für Mainz Sinn macht, dessen Schwerpunkt mindestens 200 Kilometer weiter südlich liegt.

Denn das Vergnügen ist keineswegs billig: 82,- Euro kostet ein Pass für ein Jahr für einen Erwachsenen, für zwei Personen kostet er 149,- Euro. Dazu darf man allerdings bis zu fünf Kinder unter 18 Jahren kostenlos mitnehmen, und zwar egal, ob es die eigenen sind oder nicht. Immerhin: Das historische Museum der Pfalz in Speyer ist im Pass enthalten, ebenso das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sowie sechs Mannheimer Museen. Das ist attraktiv, allerdings stellt sich die Frage: Mainz liegt doch eigentlich im Rhein-Main-Gebiet – wäre es nicht sinniger, sich dort zu vernetzen anstatt weit in den Süden zu schauen?

Für die Stadt Mainz offenbar nicht, sie spricht von einem „überschaubaren finanziellen Risiko“ und einem namhaften Verein, dem man beitrete. Die Verwaltung will dem Stadtrat im Mai den Anschluss an den oberrheinischen Verbund empfehlen. Klingt so, als wäre es beschlossene Sache.

Mainz& will’s wissen: Deshalb seid Ihr jetzt dran: Was haltet Ihr von einem Museumspass? Soll Mainz einen eigenen ins Leben rufen, trotz Kosten? Oder sollte Mainz dem oberrheinischen Pass beitreten? Oder sich ganz anders orientieren? Schreibt uns Eure Meinung – schließlich geht es um unser aller Museumswelt in Mainz 😉

Infos zum Oberrheinischen Museumspass findet Ihr hier.

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3 KOMMENTARE

  1. Ein EIGENER Museumspass wäre doch super! Vor allem, weil es noch etliche weitere Museen in Mainz gibt! Hier ist eine schöne zusammenfassende, aber auch nicht vollständige Seite mit den Museen in Mainz und Wiesbaden:
    http://www.rhein-main-guide.com/museen-mainz-wiesbaden.html
    Ob sich diese zwei Landeshauptstädte für einen Pass zusammen tun, wage ich jedoch zu bezweifeln! Dann fühlt sich bestimmt keiner richtig zuständig, etc. 😉
    Aber ich kenne nur die wenigsten Mainzer Museen von innen! Da machen wir am besten gleich mal einen Besichtigungstermin aus (oder gleich eine ganze Reihe) und berichten. Wer kommt mit?

  2. Hallo MSW, das ist wirklich eine spannende Seite von den Kollegen in Frankfurt! Guter Überblick über die Museumslandschaft! Klingt ja so, als sollte Mainz& mal eine Serie über die Mainzer Museen starten… wollt Ihr?

  3. Es ist ein Trauerspiel. Dass Mainz sich nicht als Teil des Rhein-Main-Gebietes versteht, zu dem es doch gehört, zeigt sich in dieser Diskussion mal wieder deutlich. Hallo? Wir haben einen gemeinsamen Verkehrsverbund mit Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt, es gibt mit der Frankfurter Musumscard bereits eine gut funktioniende und sehr benutzerfreundliche Infrastruktur (ich habe die Karte jetzt im 2. Jahr) – und da überlegt die Stadt Mainz, sich dem Oberrheinischen Museumspass anzuschließen?

    Die Frankfurter Museumscard eignet sich für Mainzerinnen und Mainzer hervorragend: Am Wochenende ist eine Halbtagestour nach Frankfurt schnell realisiert, weil die Stadt mit dem Autor in 30 und der S-Bahn in 40 Minuten erreichbar ist. Da hat man übers Jahr die Kosten für die Card wieder hereingeholt. Zielorte gibt es genug: Die Frankfurter Museumslandschaft zählt zu den größten und attraktivsten in der Bundesrepublik: Schirn, Städel und wie sie alle heißen. Und bei all‘ den Sonderausstellungen gibt es ständig Neues zu sehen.

    Die Oberrheinische Museumspass kann da nicht mithalten: Nach Mannheim braucht es länger, und die weiter entferten Städte eignen sich eher für eine Fahrt übers ganze Wochenende. Wie häufig im Jahr macht man das? Und dann zahlt man lieber einmal Eintritt für ein bis zwei Museen, als über 100 € für eine Karte zu zahlen, die man im Jahr kaum 2-3 Mal nutzt.

    Mein Traum wäre ein Rhein-Main-Museumspass, der Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und den Raum des Frankfurter Museumspasses integriert. Denn: Das Rhein-Main-Gebiet ist historisch, kulturell und wirtschaftlich eine Region. Nur mental bildet der Rhein seit 1945 eine künstliche Grenze.

    Vielleicht sollte man die Einführung einer Rhein-Main-Museumscard als integrationspolitische Maßnahme fördern?

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