Das ist keine gute Nachricht für alle Fans des Mainzer Mietradelns MVGmeinRad. Denn die MVG erhöht zum 1. Januar die Preise: Ab 1.1.2015 kostet dann eine Einzelfahrt mit den orangenen Rädern statt bisher einem Euro 1,40 Euro pro halbe Stunde. Das ist eine satte Erhöhung von 40 Prozent, allerdings hat die MVG gute Gründe: Das System ist enorm aufwändig, Transport und Wartung sind teuer – und Schäden durch Vandalismus summieren sich inzwischen auf 100.00 Euro pro Jahr.

MVG Räder am Erbacher Hof in Mainz - Foto: gik
Mietradeln wird teurer – ein bisschen – Foto: gik

Vielleicht war es ein bisschen zu schön, um wahr zu sein: Radstationen an jeder Ecke, immer voll mit picco-bello Rädern, und das nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch in den Außenbezirken. Nun treten die Mainzer Verkehrsbetriebe (MVG) auf die Bremse – das Mietradeln rechnet sich nämlich beileibe nicht.

Ziel sei, das Fahrradvermietsystem „mittelfristig ohne Zuschuss betreiben zu können“, teilte die MVG mit. Es geht also gar nicht um Gewinn, sondern schlicht darum, die Kosten wieder einzuspielen. Was derzeit offenbar bei Weitem nicht gelingt.

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Noch immer Einstiegspreise von 2012

Deshalb sei es nun erforderlich, die Tarife anzupassen, sagt die MVG und schiebt auch gleich hinterher: Das sei schließlich das erste Mal in den zweieinhalb Jahren des Betriebs. Und außerdem radele man ja heute noch mit den Einstiegspreisen von 2012, die eigentlich längst hätten erhöht werden sollen. Dem sei aber die Softwareumstellung Anfang 2014 dazwischen gekommen. Die Software-Anpassung erwies sich ja als nötig, weil die Stationen immer öfter Fehler ausspuckten.

Infokasten neue Tarife MVGmeinRad - Foto: gik
Infokasten neue Tarife MVGmeinRad – Foto: gik

Gerade erst, am 6. Oktober, hatte Mainz& zudem von einer Bachelorarbeit berichtet, die die Kundenzufriedenheit des Mietradelns untersucht. Und dabei hatten wir auch die Bemerkung fallen gelassen, dass ja derzeit sehr viele Stationen aus dem Boden schießen – in einer eigentlich schon überflüssigen Dichte. Nun, da hatten wir wohl den richtigen Riecher: Die MVG kündigte nämlich nun an, wenig genutzte Stationen schließen zu wollen.

Wenig genutzte Stationen werden geschlossen

Die Wartung und das Auffüllen von Stationen mit Rädern, oder das Wegfahren von Fahrrädern mit den Verteilfahrzeugen ist nämlich zeitintensiv und sehr teuer, und das umso mehr, je weiter weg die Stationen stehen. Und weil meinRad Kosten senken muss, soll nun das Stationsnetz „optimiert“ werden. Die Nutzung der Stationen, argumentiert die MVG, schwanke nämlich erheblich, einige Stationen seien 2014 im Durchschnitt lediglich einmal am Tag (!) genutzt worden – das Ausrufezeichen haben wir übrigens original aus dem MVG-Text übernommen 😉

„Da MVGmeinRad als ‚Lernende Infrastruktur‘ bewusst so konzipiert ist, dass die vom Stromnetz unabhängigen Stationen relativ einfach verlagert werden können, kann das gesamte Stationsnetz kontinuierlich an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden“, heißt es weiter. Im Klartext: wenig genutzte Stationen werden geschlossen, andere dafür vergrößert.

Display der MVGmeinRad Station am Gartenfeldplatz - Foto: gik
Neues Display, alte Preise – MVG-Station am Gartenfeldplatz – Foto: gik

Aus für Stationen in Kastel & Kostheim

Das Aus trifft mehrere rechtsrheinische Stationen in Kastel und Kostheim, so die Steinern Straße, die Station am Ratsherrenweg und in der Victoriastraße. Auch die Station am Ottl-Beck-Kreisel in Laubenheim wird abgebaut, dafür die Station am Laubenheimer Bahnhof vergrößert.

Einige bestehende Stationen – Poststraße in Finthen, am Gonsenheimer Wald und am Volkspark – werden verkleinert, dafür gibt es neue oder größere Stationen am Mombacher Bahnhof und am Brückenplatz sowie der Feldbergstraße. Eine weitere Ausweitung des Stationsnetzes in die Außenbezirke sei aus wirtschaftlichen Gründen „nicht geplant und wirtschaftlich nicht möglich.“ Wie schade… Und wir hatten uns gerade noch eine zusätzliche Station An der Helling gewünscht 🙁

Schon jetzt 340.000 Fahrten in 2014

Dabei ist das System ja sensationell erfolgreich: Bis Anfang Oktober registrierte die MVG rund 340 000 Fahrten in diesem Jahr – das sind jetzt schon so viele Fahrten wie im Rekordjahr 2013 insgesamt, heißt es stolz. Das Ziel für dieses Jahr mit 400.000 bis 450.000 Fahrten werde „daher sicher erreicht.“ Von den Nutzerzahlen ist MVGmeinRad damit eines der erfolgreichsten Vermietsysteme in Deutschland, betont die MVG – hört, hört.

Leider wird das Mietradeln nun aber genau so teuer wie die übrigen Verleihsysteme 😉 Wobei teuer ja eigentlich relativ ist, aber trotzdem. So wird ab 1. Januar 2015 also die Einzelfahrt 1,40 Euro kosten, im Bus- und Bahntarif kostet die Einzelfahrt künftig 80 Cent statt bisher 50 Cent. Wer mit der „Gold“-Jahreskarte ein ganzes Jahr lang die erste halbe Stunde umsonst nutzen will, muss künftig dafür 79,- Euro statt wie bisher 59,- Euro zahlen. Studenten kostet ihre „Goldplus Studi-Karte“ künftig 39,- statt 29,- Euro im Jahr.

Neue Station Mietradeln auf dem Lessingplatz - Foto gik
Krachneue Mietradeln-Station auf dem Lessingplatz, die übrigens gut genutzt wird – Foto: gik

Grund für Preissteigerung: Vandalismus

Ein Grund für die höheren Gebühren sind tatsächlich aber auch die Schäden durch Vandalismus. Rund 80 (! – unser Ausrufezeichen ;-)) Fälle von Vandalismus gab es in diesem Jahr schon, mehr als 220 Fahrräder wurden von Tätern gestohlen oder beim Diebstahlsversuch so stark beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden können. „Die Schäden durch Vandalismus belaufen sich auf mehr als 100 000 Euro im Jahr“, sagt die MVG, umgerechnet auf eine Fahrt seien das gut 30 Cent.

„Die MVG muss leider feststellen dass der Vandalismus in der jetzigen Form das Fahrradvermietsystem mittelfristig in seiner Existenz gefährdet“, warnen die Mietradel-Macher. Und bitten noch einmal eindringlich alle Bürger und Nutzer, Verdächtiges rund um die orangenen Räder oder die Stationen sofort und unbedingt der Polizei zu melden. Dem schließen wir uns an!

Mainz& findet: Ein solch cooles System wie das Mietradeln, das so super toll angenommen wird, zu schädigen, geht gar nicht! Und es kann doch nicht sein, dass einzelne Deppen so ein System für die ganze Gemeinschaft zerstört wird! Also, redet den Jungs (oder wem auch immer) ins Gewissen, hindert sie, holt die Polizei, egal – nur helft mit, dass das Mietradeln nicht in einem Jahr den Bach runter geht und eingestellt werden muss!

Mainz& will’s wissen: Wie findet Ihr die Erhöhung der Mietradel-Preise? Und deshalb präsentieren wir Euch jetzt die erste Mainz&-Umfrage! Wir sind schon gespannt, ob das klappt! Gerne könnt Ihr aber natürlich auch einfach einen Kommentar hinterlassen 😉

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1 KOMMENTAR

  1. Ich habe den Verdacht, dass Bergab-Strecken wesentlich lieber gefahren werden, als nach oben. Vielleicht könnte die Verteilung der Fahrräder oft entfallen, wenn es für einige Strecken (z.B. Bahnhof zur Uni) günstiger wird oder es sogar Geld zurück gibt.

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