Eingeschlagene Scheiben, kaputte Flaschen, Imbiss-Müll – die Händler rund um den Neubrunnenplatz haben die Nase voll. „Es ist ein Bild der Verwüstung“, schimpft Friseur Christian Arens: „Hier sieht’s jeden Montag aus wie nach dem Rosenmontagszug.“ Rund um den Neubrunnenplatz und die Lotharstraße hinauf, sind die Einzelhändler alarmiert: Dreck, Müll und Vandalismus, dazu aggressive Bettelei und Einbrüche – dem Neubrunnenplatz und die angrenzenden Straßen drohe die „Verslummung“.

Beschmiertes Schild Neubrunnenplatz - Foto gik
Beschmiertes Schild Neubrunnenplatz – Foto gik

Slum – das ist ein herbes Wort und dürfte doch für eine deutsche Großstadt ein bisschen sehr drastisch sein. Immerhin stehen hier vollständige Häuser 😉 „Das ist keine Übertreibung“, sagt hingegen Dieter Grünewald, Inhaber des gleichnamigen Feinkostgeschäfts und Initiator des Vereins „Mainzer Mitte am Neubrunnen“. Grünewald hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gegend um den Neubrunnenplatz attraktiver zu machen. Nun klagt er, die Stadt helfe den Händlern zu wenig.

„Wir wollen das Quartier in Ordnung bringen“, sagte Grünewald Mainz&. Wenn man aber bei der Stadt anrufe, heiße es nur, „wir können nicht, wir haben nicht genug Leute.“ Dabei seien die Probleme gravierend: Dreck, Sperrmüll und Müll würden nicht schnell genug beseitigt, Radfahrer rasten durch die Lotharstraße, es werde in Hauseingänge uriniert, und eingebrochen werde auch.

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Einbruch durchs Oberlicht

„Bei uns sind sie durchs Oberlicht gekommen“, sagt Grünewald, und das sei kein Einzelfall: An einem Tag sei in gleich drei Geschäfte eingebrochen worden, es war die Nacht vor dem Start des Marktes am Neubrunnen am 9. April 2014. Der Markt entwickele sich super, sagt Grünewald , und habe alles Potenzial zu wachsen. Die Probleme rund um den Platz seien aber eine echte Gefahr: „Wenn wir diese Dinge nicht in den Griff kriegen, gefährdet das den Markt und unser Quartier“, sagt Grünewald.

Mülleimer zertreten, Fahrräder demoliert

Sicherheit und Sauberkeit – auch bei anderen Händlern des Quartiers ist das ein großes Thema. „Wir werden am Wochenende mit total viel Müll konfrontiert, sagt Friseur Arens, und zählt auf: Da würden Scheiben beschmiert, Verpackungen eines Imbiss-Restaurants einfach in die Gegend geworfen, Mülleimer zertreten, Fahrräder demoliert. „Das ist ein Bild des Schreckens“, sagt Arens: „Vor Kunden aus Frankfurt und Wiesbaden schämt man sich.“

Brunnen Neubrunnenplatz - Foto gik
Schöner Platz mit Brunnen: Neubrunnenplatz – Foto: gik

Jeden Samstagmorgen stehe er mit einem Käscher am Brunnen auf dem Neubrunnenplatz und fische heraus, was dort nicht hineingehört, berichtet Arens. Als eine der Ursachen benennt er die Heimkehrer aus den Clubs der Stadt. „Die Clubs sind wichtig und gut für die Stadt“, betont Arens, aber die Partyszene brauche eben auf dem Nachhauseweg mehr Kontrolle. Ihm seien vor anderthalb Jahren die Fenster eingeschlagen worden, Kostenpunkt: 5.000 Euro. Täter: keiner ermittelt.

Der Stadt seien die Probleme seit Jahren bekannt, „aber es interessiert sie nicht“, kritisiert Arens: „Die lässt sich blicken, wenn der Markt eingeweiht wird…“ Ein Sicherheitskonzept brauche es für das Bleichenviertel und die angrenzenden Straßen, dazu ein Beleuchtungskonzept gegen dunkle Ecken. Wo es sauber sei und hell, sei weniger Platz für Schatten und Schmutz, betont der Friseur, der sich außerdem mehr Polizeipräsenz bei Nacht wünscht.

Beklebte Laternen, aggressive Bettler

Von beklebten Laternenmasten und aggressiven Dauer-Bettlern weiß auch Frank Bayer, Inhaber der Lothar-Apotheke ein Wörtchen zu sagen. Bayer entfernt regelmäßig die Aufkleber an dem Mast vor seiner Tür, der Papierkorb ist schwarz von Dreck, an der Aufhängung werden Zigaretten ausgedrückt.

Flaschen und Kippen am Boden - Foto gik
Flaschen und Kippen am Boden in der Großen Bleiche – Foto gik

In einer Schmuddelecke steht Sperrmüll, der stehe schon über Tage und Wochen da, sagt Bayer. In der Straße machten sich Billiggeschäfte breit, für renommierte Läden sei das abschreckend. „Ich möchte die Probleme nicht in den Vordergrund stellen, aber wir müssen sie lösen“, sagte Bayer Mainz&. Mainz sei „wunderschön“ und habe viele tolle Seiten. Die Stadt müsse aber Wege finden, dass für mehr Sauberkeit gesorgt werde.

Brief an OB & Fraktionen

Dieter Grünewald hat jetzt einen Brief an Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sowie die Stadtratsfraktionen geschrieben. Geschäftsleute und Anwohner hätten „kein Verständnis mehr dafür, dass sich unser Quartier derart negativ präsentiert“, heißt es in dem Brief, der Mainz& vorliegt.

Täglich werde man angesprochen und gefragt, „warum wir uns derartige Missstände gefallen lassen.“ Das tue man natürlich nicht, und bitte den OB, gemeinsam mit Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) und Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) „nach Möglichkeiten zu suchen, diese Missstände abzustellen.“ Mainz& ist gespannt – und wir bleiben natürlich weiter dran!

 

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