Es war ein rauschendes Fest, dieses zweite Neustadtfest auf dem Gartenfeldplatz: Weinschorle und Bier flossen in Strömen, es wurde gequatscht, gespielt und am Ende mit der Musik gegrooved, „was für ein geiles Fest!“ Das ist übrigens ein Zitat eines Besuchers, und der war noch nicht einmal aus der Neustadt 😉 Aber wo er Recht hatte, hatte er Recht… Zwei Tage lang war der Gartenfeldplatz das Wohnzimmer der Neustadt, und alle kamen.

Der Gartenfeldplatz am Neustadtfest Rund um Spielplatz - Foto: gik
Kinder, Platz, Eltern = Gartenfeldplatz – Foto: gik

Am Samstagmittag begann alles noch recht gemütlich: Kinder spielten auf dem Spielplatz, junge Eltern bevölkerten den Rand. Um den Platz herum: eine Reihe von Ständen, ein bisschen Buntes, was zu Lesen. Ein Zauberer, der einer faszinierten Kindermenge zeigt, was man alles mit einem rosa Handtuch anstellen kann…

Dazwischen und daneben Biergarnituren mit großen Sonnenschirmen, die hielten dann auch die paar Regentropfen ab, die sich mal kurz in die Neustadt verirrten, aber schnell verschämt das Weite suchten. So ein Fest stören, also ehrlich…! Taten sie dann auch nicht 😉

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Debatte Mietwucher in der Neustadt

Am Samstagnachmittag wurde es dann mal kurz politisch. Eine Stunde lang diskutierte eine Gruppe von Politikern, eine Journalistin (;-)) und ein Vertreter des Zollhafens über das Leben in der Neustadt. Das dominierende Thema: die Mieten. Denn die Neustadt hat in kürzester Zeit einen enormen Mietsprung gemacht, bis zu 30 Prozent plus bei den Mieten – uff!

Mainz&-Vertreterin erzählt ihre Erlebnisse mit Vermietern, die Mieter aus dem Haus mobben, weil die Wohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden sollen – das ist echt kein Spaß! Und wenn Ihr was von einer unrenovierten Wohnung in einem alten Haus hören solltet…

Hochpreisiges Wohnen im Zollhafen: mehr Druck auf Mieten

Und leider wird immer deutlicher, dass es auch durch die neue Zollhafen-Bebauung alles andere als besser werden wird: Hochpreisiges Wohnen wird wohl den Vorrang bekommen, klar, damit lassen sich Gewinne erzielen – aber es wird eben auch einen „Anpassungsdruck“ auf die Mieten in der Neustadt geben, und dreimal dürft Ihr raten, in welche Richtung…

Gartenfeldplatz wunderschöner Altbau - Foto: gik
Wer möchte nicht hier wohnen? Wunderschöner Altbau am Gartenfeldplatz – Foto: gik

Entlang der Rheinallee wird es einen Riegel geben, wo Studenten, Alte und sozialer Wohnungsbau das neue Quartier von Dreck und Lärm abschirmen…. Peter Zantopp-Goldmann von der Zollhafen-Entwicklungsgesellschaft berichtete, es gebe derzeit drei Investoren, und durchaus auch Interesse an sozialem Wohnungsbau. Na, da sind wir aber gespannt….

Und zitieren gerne noch einmal Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), der vor einigen Wochen auf einer Pressekonferenz zum Runden Tisch Wohnen mit Blick auf den Zollhafen den denkwürdigen Satz sprach: “Wer direkt am Rhein baut, denkt nicht an günstige Mieten.” Uns scheint, der Zollhafen steuert geradewegs in Richtung Winterhafen… Und wenn das verhindert werden soll, dann müsst wohl IHR Euch empören…

Milieuschutzsatzung für die Neustadt?

Der Polit-Talk auf dem Gartenfeldplatz zog jedenfalls nicht die großen Zuschauermengen an, dafür querte immer mal wieder ein Passant mit Toilettenpapier vor der Bühne – der Samstag ist halt auch der Haupteinkaufstag… Interessant aber war eine Äußerung von Neustadt-Ortsvorsteher Johannes Klomann (SPD), der davon sprach, man könne die Möglichkeit einer Milieuschutzsatzung prüfen.

Eine Milieuschutzsatzung, so fanden wir in einem Lexikon für Immobilien-Fachwissen „soll unerwünschte Veränderungen der Einwohnerstruktur eines Wohnviertels durch massenhaften Wegzug der bisherigen Bevölkerung verhindern.“ Sie ist eine Variante der Erhaltungssatzung, dabei können verschiedene Auflagen gemacht werden, um zu verhindern, dass die ursprüngliche Bevölkerung durch Sanierungen und Eigentumswohnungs-Umwandlungen verdrängt werden. Uns scheint: das braucht die Neustadt!

Gartenfeldplatz Neustadtfest Ortsvorsteher Klomann im Gespräch
Mitten im Volk – Neustadt-Ortsvorsteher Johannes Klomann – Foto: gik

Mieten auch für Mittelschicht zu teuer

Leider erfuhren wir aber auch, dass der Ortsbeirat Neustadt vor etwa zwei Jahren die Prüfung einer solchen Satzung schon mal gefordert hat – und dass das Ganze im Sande verlief. Was für ein Fehler! Wir versprechen Euch, das Thema gründlich zu recherchieren und erneut auf die Agenda zu heben! Denn bis so eine Satzung steht, könnte es für die Neustadt schon zu spät sein…

Wohlgemerkt: Wir haben überhaupt nichts dagegen, dass Wohnungen saniert werden und auch solvente Arbeitnehmer in der Neustadt glücklich werden. Aber derzeit strebt eine Drei-Zimmer-Wohnung von, sagen wir, 65 Quadratmetern, ohne größere Luxusausstattung auf satte 1000,- Euro Warmmiete zu – und wer kann sich das denn leisten? Alleinverdiener, Singles, selbst für die untere Mittelschicht sind solche Preise unbezahlbar! Gute Nachricht: Die Politik wurde nachdenklich, als Mainz& das mal so erzählte, und versprach zumindest, darüber nachzudenken 😉

Die verschiedenen Milieus der Neustadt…

„Es besteht die Gefahr, dass Sanierungen das Milieu verändern“, sagte Klomann, und dass er das „mit gemischten Gefühlen“ sehe. Denn in der Neustadt lebten „sehr unterschiedliche Milieus“, sprach der Ortsvorsteher, und dass er sich wünschen würde, dass die verschiedenen Gruppen mehr zusammen lebten. Fastnachtszug Rote Herolde, Dönerbude, alteingesessene Restaurants, es gebe durchaus Befürchtungen der Älteren, dass sich die Neustadt zu schnell ändere – und sie verdrängt. „Der Gartenfeldplatz ist das Symbol dieses Wandels“, sagte Klomann.

Gartenfeldplatz Neustadtfest Kneipenhorst-Erfinder - Foto: gik
Die Kneipenhorst-Erfinder Daniel Sieben (l.) und Marc Distel (r.)… oder war das Kris Braun? Die drei haben’s jedenfalls erfunden 😉 – Foto: gik

Kneipenhorst für Eckkneipen

Da loben wir doch den „Kneipenhorst“, ein schmales Büchelchen, das sich zum Führer durch die alten verräucherten Eckkneipen gemacht hat. „Der Kneipenhorst ist eine fiktive Person, die durch die Kneipen führt“, sagt Daniel Sieben, Miterfinder des Kneipenführers der anderen Art. Die Idee entstand vor drei Jahren, 2012 kam der erste Kneipenhorst heraus, enthalten sind wirklich genau die alten Eckkneipen, in die sich manch Jüngerer kaum noch traut. Definitv ein Fehler, wenn man den Kneipenhorst fragt 😉

„Die Wirte haben sich gefreut, als wir kamen“, erzählt Sieben, und so erhält jeder, der mit dem Kneipenhorst wedelt, auch einen kleinen Bonus in den Kneipen. Das Büchelchen ist so erfolgreich, dass es schoin die 3. Auflage gibt, es sogar ein Kneipenhorst-Quartett gibt, und sogar in Frankfurt der erste Kneipenhorst erschienen ist. Cool.

Dosenwerfen und Wikingerschach Kubb

Beim Neustadtfest konnte man beim Kneipenhorst ganz klassisch Dosenwerfen, Nägel in ein Holz hauen und Bierkästen stemmen. Spielerisch, aber durchaus engagiert ging’s direkt hinter dem Horst beim Kubb zu, und jetzt können wir Euch auch erklären, was das ist: Das Spiel mit Hölzern und Holzwerfen ist ein bisschen wie Boule, bei dem die Hölzer umgeworfen werden muss, allerdings muss der König bis zum Schluss stehen bleiben.

Gartenfeldplatz Neustadtfest Kubb Turnier - Foto: gik
Fliegende Hölzchen beim Kubb-Turnier auf dem Gartenfeldplatz – Foto: gik

Kubb kommt aus dem skandinavischen Raum und wird gerne auch „Wikingerschach“ genannt. Das Spiel, sagt Wikipedia, symbolisiert eine Schlacht, in der zwei verfeindete Gruppen für ihren König kämpfen, und wer mag, kann sich bei Wikipedia die Finessen genauer ansehen. Auf dem Gartenfeldplatz fand das Spiel jedenfalls spontan einen Haufen neuer Freunde, und nächstes Jahr, so hieß es, könne man vielleicht gar die Weltmeisterschaft im Kubb auf den Platz holen.

Kumpir & Kaffee

Wer Hunger hatte, versuchte eine der ständig ausverkauften Kumpir-Kartoffen im Schrebergarten zu erwischen, schmauste beim Möhren-Milieu und genehmigte sich als Nachtisch N’Eis. Und bei der Weinraumwohnung und am Bierstand hätten sie ruhig doppelt so schnell arbeiten können 😉 Entspannten Kaffee gab’s dafür bei Hafid Ben Aouda mit seiner italienischen Ape Piaggio – ein echter Hingucker!

Ansonsten aber wurde auf dem Fest eher entspannt abgehangen, mit Freunden gechillt und der Musik gelauscht. Am Samstagabend sorgte dann die Mainzerin Hanne Kah mit ihrer Band für coolen Sound und tolle Lieder, genau das richtige für einen entspannten, lauen Sommerabend! Wir freuen uns schon auf Gartenfeld Vo. III in 2015!

Und hier noch einmal die schönsten Fotos vom Neustadtfest auf dem Gartenfeldplatz 2014!

 

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