Es gibt ja in Mainz den Satz: Gräbst Du in Mainz ein Loch in den Boden, purzelt ein Römerschiff heraus. Der Kabarettist Lars Reichow soll ihn gesagt haben, wahr ist er auf jeden Fall. Nun haben Bauarbeiter ein Loch im Gonsbachtal gegraben, und heraus purzelten nicht gerade antike römische Schiffe, aber immerhin gleich eine ganze Arena, dazu Mauern, Steine, Fußböden und Reliefs. Das eindruckvollste Stück: Die Darstellung eines gefesselten Germanen auf einem Steinblock. Welche Funktion das alles hatte, ist den Archäologen noch unklar.

Eein gefangener Germane wird auf einem Steinreflief aus der Römerzeit dargestellt, gefunden bei Ausgrabungen im Gonsbachtal in Mainz
Gefesselter Germane aus der Römerzeit – Foto Klingenberg, GDKE

Die Grabungsexperten der Landesarchäologie legten jedenfalls bisher größere Strecken antiker Mauern frei, dazu Teile eines Fußbodens und große Steinquader. Ob hier einmal eine große römische Villa stand, also ein Landgut zur Römerzeit? Die Archäologen sind vorsichtig: Ersten Erkenntnissen zu Folge handele es sich bei den freigelegten Mauern „um einen kasernenartigen Bau“, teilten sie am Donnerstag mit. Für ein Privathaus sind die gefundenen Reste offenbar zu groß.

Dazu fanden die Archäologen eine kreisrunde Fläche ähnlich wie eine Arena mit einem Durchmesser von satten 40 Metern. Die Landesarchäologin Marion Witteyer spricht von einer „Reitarena“, es gebe Hinweise auf Tierhaltung. Stand hier vielleicht die Reitschule des römischen Militärlagers auf dem Kästrich? Die Experten rätseln noch. Große Steinblöcke könnten zudem „auf frühe wasserbautechnische Maßnahmen hinweisen“, heißt es weiter. Es wäre ja auch nicht so überraschend, wenn schon die Römer vor gut 2.000 Jahren den Gonsbach zum Antreiben von Mühlsteinen genutzt hätten.

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Gefunden wurde all das übrigens nicht beim Bau eines Hauses: Renaturierungsarbeiten am Gonsbach förderten die Reste Mitte Dezember 2013 zutage. Nun überlegt die Stadt Mainz, wie man beides miteinander vereinbaren kann: Den Gonsbach renaturieren, und die römischen Reste zeigen. Die Archäologen sollen jedenfalls noch bis Ende März das Gebiet erforschen dürfen.

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