Tag 3 der Sperrung der Schiersteiner Brücke – und jetzt laufen auch die ersten weiterführenden Konzepte zur Bewältigung des Brückengaus an. Die Zugverbindungen speziell zwischen Mainz und Wiesbaden werden ab Montag deutlich verstärkt. Die S-Bahn S8 soll ab Montag mit Langzügen verkehren, und Ihr könnt auch die Fernzüge mit Regionaltickets benutzen. Und es mehren sich die Hinweise: es könnte länger dauern…

Die Bahn will mit zusätzlichen Wagen entlastung schaffen - Foto: gik
Die Bahn will mit zusätzlichen Wagen Entlastung schaffen – Foto: gik

Längere Züge sollen Entlastung schaffen

Die S8 hat ja ihren Anfang und Endpunkt in Wiesbaden, die Züge sind hier deshalb eigentlich noch nicht so voll. Das ist jetzt hilfreich. Die S8 verkehrt schon jetzt alle halbe Stunde, ab Montag soll sie zwischen 6.30 Uhr und 19.30 Uhr durchgehend mit Langzügen ausgestattet werden, dazu fährt hier alle halbe Stunde die Regionalbahn 75. Insgesamt macht das dann pro Stunde und Richtung 3.600 Plätze.

Zusätzlich wird ab Dienstag die R75 zwischen 6.00 Uhr und 19.00 Uhr verstärkt zwischen Gustavsburg und Wiesbaden pendeln, das soll weitere 700 Plätze bringen. Am Rosenmontag sind acht zusätzliche Fahrten der R75 und der S8 zwischen Rüsselsheim und Mainz geplant. Ihr könnt also getrost das Auto stehen lassen und mit der Bahn zum Rosenmontasgzug kommen.

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Al-Wazir und der RMV äußern sich zur Mehrbelastung des Nahverkehrssystems

„Es sind Notmaßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass sich die Situation etwas entspannt“, sagte Hessens Verkehrminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitag bei der Vorstellung dieser Pläne. Das Problem ist, dass das Nahverkehrssystem im Rhein-Main-Gebiet schon an normalen Tagen gut ausgelastet ist. „Da stehen nicht einfach Züge und S-Bahnen rum, die man jetzt einsetzen könnte“, sagte Al-Wazir.

Auch Thomas Busch vom RMV spricht deshalb vorsichtig nur von einer „Optimierung in einem sehr stark ausgelasteten System“: Der Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet „ist auf Kante genäht und ausgereizt.“ Die Verlängerung der Züge bringe aber einen „erheblichen Kapazitätszuwachs“, ab kommender Woche könne man dann pro Tag insgesamt 17.000 Sitzplätze und über 100.000 Plätze insgesamt zwischen Mainz und Wiesbaden anbieten.

Außerdem will der RMV zusätzliche Servicekräfte flexibel einsetzen, wo Not am Mann ist. Auch die Bahn will zusätzliches Personal bereitstellen. Al-Wazir lobte die Bahn sogar, die habe sich „über Nacht sehr flexibel gezeigt.“ So können fürs Erste mit den Nahverkehrstickets auch die Fernzüge benutzt werden, was sonst ja nicht geht.

Bei Hessen Mobil, der Verkehrssteuerung, berichten sie, es gebe ohnehin eine gemeinsame Kommission zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen für den Brückenbau, und diese Kommission habe am Freitag spontan getagt. „Mit einem solchen Gau haben wir nicht gerechnet, aber wir konnten schnell reagieren“, berichtete Hessen Mobil-Präsident Burkhard Vieth.

Dieser Riss ist der Grund der Sperrung - Foto: gik
Dieser Riss ist der Grund der Sperrung – Foto: gik

Das Ausmaß des Schadens steht noch nicht fest

Natürlich hat Mainz& daraufhin sofort gefragt, was denn den Hessen in der Sitzung zum aktuellen Zustand der Brücke gesagt wurde? Die Begutachtung des Schadens sei „nicht ganz einfach“, die Ergebnisse sollen Aschermittwoch vorliegen. „Wir hoffen, dass wir Mittwoch mehr erfahren“, sagte Vieth. Mehr wollte er nicht sagen, und das ist gar nicht gut, denn auch Experten von Hessen Mobil waren in der Nacht vor Ort. Und wenn die nix sagen, dann wird das hier ganz übel.

In Hessen wollen sie nun die Verkehrsführungen noch im Detail verbessern. Außerdem soll es Tagesbaustellen nur noch in Notfällen geben, das ist schon mal gut.

Die Bauarbeiten an der Brücke seien übrigens im Zeitplan, sowohl auf der hessischen, als auch auf der rheinland-pfälzischen Seite, betonte Vieth weiter. Und offenbar sei der Gau nicht passiert, weil die Brücke so marode sei, sondern es handele sich um einen Unfall im Zuge der Bauarbeiten, und so etwas könne einfach beim Bauen passieren. „Das Baugeschäft ist ein Schwieriges…“, sagte Vieth. Dieses allerdings sei schon „ein sehr großer Fehler.“

Das Problem ist ja nicht an der Brücke selbst, sondern an der Vorbrücke auf Mainzer Seite passiert. Dieser Oberbau besteht aus einer einheitlichen Brücke, die auf vier Stützen ruht, eine davon gab nun nach. Dadurch sprang das Kugellager zwischen Brücke und Pfeiler raus, die Brücke senkte sich um 30 Zentimeter ab – das Ergebnis ist der große Riss im Beton. Und Experten halten den für ungut, aber dazu später mehr 😉

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