Das Anheben der Schiersteiner Brücke auf ihre alte Höhe ist offenbar geglückt. Heute Morgen begannen 20 hydraulische Pumpen, den vor sieben Wochen abgesackten Brücken-Vorbau auf ihre ursprüngliche Höhe wieder anzuheben. Das geschah in winzigen Schritten zu je zwei Zentimetern. Der Landesbetrieb Mobilität meldete am Abend erfolgreiches Gelingen. Trotzdem wird die Brücke wohl doch erst ab dem 13. April freigegeben werden – und dann auch nur mit drei Fahrspuren. Damit ist zu befürchten, dass Urlaubsheimkehrer am letzten Ferienwochenende wohl doch auf die Brücke verzichten müssen.

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Hydraulische Pumpen bei der Arbeit. Leider durften wir nicht näher ran. – Foto: bij

Heute Mittag konnte die Presse an der Brücke besichtigen, wie die hydraulischen Pumpen ihre Arbeit verrichteten. Bauleiter Bernd Hölzgen sagte dazu: „Das Anheben der Brücke kann nicht mit dem Anheben eines Autos mit Hilfe eines Wagenhebers verglichen werden.“ Man müsse vorsichtig sein, dass sich bei der ganzen Sache keine neuen Risse bildeten. Die Zwei-Zentimeter-Schritte ließen genügend Luft, um genaue Kontrollen durchführen zu können.

Team von Spezialisten vor Ort

Der Leiter des Landesbetriebs in Worms, Bernhard Knoop, versicherte uns auch: „Wir haben hier ein Team von Spezialisten, die machen das nicht zum ersten Mal.“  Zwar sei für ihn persönlich so eine Brückenanhebung eine neue Sache, aber die Spezialisten seien routiniert und sehr vorsichtig. Auch Hölzgen sah keinen Grund besorgt zu sein, das etwas schief gehen könnte. Allerdings könne man erst ganz am Ende sehen, inwieweit sich die mehr als 100 Risse geschlossen haben.

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Nach dem Anheben sollte „das mühselige Verpressen“ der übrig gebliebenen und neu entstandenen Risse folgen, erklärte Hölzgen. Das dazu verwendete Kunstharz-Gemisch muss in die Risse hinein gepresst werden und aushärten, um die strukturelle Integrität der Brücke wiederherzustellen. Auf diese Art soll die Tragfähigkeit der Schiersteiner Brücke wieder soweit hergestellt werden, dass zumindest Pkw und 3,5-Tonner wieder hinüber fahren können.

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Bauleiter Hölzgen (links) erklärt der Presse mit Hilfe eines Plans, wie Lkw von der Brücke ferngehalten werden sollen. – Foto: bij

Neues Verkehrsleitsystem soll schwere Lkw an der Auffahrt hindern

Damit die Brücke nicht gleich wieder zusammenbricht, weil sich Lkw versuchen über die Brücke zu mogeln, wie ein paar das ja bereits auf der Theodor-Heuss-Brücke tun, wurde bereits mit der Installation eines aufwendigen Verkehrsleitsystems begonnen. Es soll mit Hilfe von Elektronik und Polizei-Einsatz, Lkw über 3,5 Tonnen unmöglich werden, auf die Schiersteiner Brücke zu gelangen.

Elektronische Sensoren zur Gewichts- und Größenmessung sollen frühzeitig vor den Auffahrten auf die Brücke erkennen, wenn sich ein zu schwerer Lkw auf die Brücke zubewegt. Des Weiteren wird das Tempolimit auf der Auffahrt auf 40 km/h begrenzt und die die Fahrspur so weit verengt, dass es einem Lkw physisch schon nicht möglich sein soll, weiter zu fahren. Sollte es trotzdem dazu kommen, wird eine Kombination aus Ampel und Schranke den Lkw zum Anhalten zwingen.

Auf die Frage ob denn je wieder Lkw über die alte Brücke rollen werden, antwortete Hölzgen: Nein, man rechne erst 2016, mit Fertigstellung des Herzstücks damit, Lkw wieder über die Schiersteiner Brücke zu lassen. Das ist ein Schock für die Firmen rechts und links vom Rhein, die auf die Schiersteiner Brücke angewiesen sind.

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Die Schiersteiner Brücke: Sie ist zum Synonym für die marode Infrastruktur Deutschlands geworden. – Foto: bij

Eine Spur in Richtung Hessen, zwei in Richtung Rheinland-Pfalz

Dazu gibt es noch eine schlechte Nachricht: Selbst nach der Freigabe wird es nur drei Fahrspuren geben, zwei Spuren von Hessen nach Rheinland-Pfalz, und eine von Rheinland-Pfalz aus Hessen – aus „Sicherheitsgründen“, wie Hölzgen sagte. Das heißt auf gut Deutsch: Die alte Vorlandbrücke soll auf der kaputten Seite auch weiter nicht voll belastet werden.

„Wir haben aber flexibel geplant“, betonte Hölzgen, „sollte sich herausstellen, dass es Richtung Hessen vermehrt zu Staus kommt, kann die Fahrbahnsituation nach Bedarf angepasst werden.“ Damit wird es auch bei einer offenen Brücke wohl massive Staus geben.

Die Kosten der bisherigen Reparaturen schätzt Hölzgen auf eine Million Euro. Auch dieses Mal gab es keine Angaben zu den Ursachen des Unfalls, der den Brückenpfeiler um 30 Zentimeter absacken ließ. Man hält sich bedeckt, wartet auf das Urteil des Gutachters, hieß es wieder. Ausdrücklich bedankte sich Hölzgen jedoch bei den Pendlern, „für Ihre Geduld, wir wissen die Situation ist im Moment alles andere als leicht zu ertragen.“

Die Bauarbeiter, so wurde uns versichert, werden über die gesamte Osterzeit arbeiten, um die Brücke so schnell es geht wieder befahrbar zu machen. Über die Osterfeiertage soll auch erprobt werden, ob die Brücke tatsächlich das Gewicht der Autos wieder hält. Mit der Installation des Verkehrsleitsystems und der neuen Fahrspurbegrenzungen wurde bereits begonnen. Hölzgen sagte, die zuständige Firma rechne damit, bis Freitag kommende Woche fertig zu sein.

Info& auf Mainz&: Informationen rund um die Baustelle gibt es auch über die Ostertage auf der Internetseite www.lbm.rlp.de.

2 KOMMENTARE

  1. Ja aber wenn LKW von einer Schranke angehalten werden,
    dann können doch auch alle anderen nicht weiterfahren ???

    • Hallo Herr Laib,
      laut Herrn Hölzgen will man sich bemühen, den Lkw in diesem Falle, mit Hilfe der Polizei, so schnell wie möglich nach rechts von der Spur zu leiten. Ja, alle anderen müssten dann wohl leider auch kurz anhalten.
      Gruß,
      Birte Jenk

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