Nach wenigen Minuten war klar: Die Wahl war goldrichtig. Die Fernsehsitzung “Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht”, hatte noch gar nicht richtig angefangen, da hatte Andreas Schmitt schon drei Witze auf die Deutsche Bahn, die Wiesbadener und auf sich selbst gerissen – und zwar gute. Und das blieb auch die nächsten vier Stunden lang so.

Schelle und Sitzung fest im Griff: Sitzungspräsident Andreas Schmitt - Foto: gik
Schelle und Sitzung fest im Griff: Sitzungspräsident Andreas Schmitt – Foto: gik

Der neue Sitzungspräsident der Fernsehsitzung ist einfach nicht nur optisch ein Schwergewicht, auch fastnachtlich reicht dem Nieder-Olmer so schnell keiner das Wasser.

Das ZDF hatte Schmitt ja überraschend vergangene Woche zum neuen Sitzungspräsidenten gemacht, und der glänzte immer wieder mit trockenen Bemerkungen, süffisanten Seitenhieben auf diverse Ehrengäste und tollen Einleitungen auf die Aktiven. Und leider muss man sagen: Nicht alles glänzte bei der Närrischen Generalprobe am Mittwochabend genau so, wie Schmitt. Dabei hat das ZDF in diesem Jahr alle Register gezogen: das Bühnenbild wurde, ganz unspektakulär, vom SWR übernommen, und diesmal durften auch beim ZDF Akteure immer mal den Saal beleben.

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Ihr erinnert Euch, das ZDF hat die Leitung der Fastnachtssitzung mit Timo Rieth und Thorsten Haas in neue Hände gelegt. Die hatten ein Programm gestrickt, das einen Spagat vorhatte: Nach mehreren traditionellen Figuren

So geht's los bei Mainz bleibt Mainz: mit Schwellköppen - Foto: gik
So geht’s los bei Mainz bleibt Mainz: mit Schwellköppen – Foto: gik

am Anfang, sollten eingestreute Musikbeiträge sowie junge Akteure vom Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) die Show beleben. Nun, sagen wir mal so: der Spagat war schwierig, und nicht alle Nummern kamen auf der großen Fernsehbühne wirklich gut an.

Dabei hat sich das ZDF wirklich nette Details ausgedacht. So dürfen nämlich erstmals Meenzer Schwellköppe an der Fernsehsitzung teilnehmen. Fünf der übergroßen Pappmachéfiguren schaukeln zu Beginn der Sitzung durch den Saal, dürfen mit auf die Bühne und schunkeln fröhlich bei den Liedern mit, ein echt schöner Hingucker am Beginn der Sitzung. Die startet erst einmal ganz traditionell mit dem Einmarsch der Garden, in deren Ausmarsch platzt dann Thomas Neger mit einem Medley aus “Rucki Zucki”, “Humba Täterä” und “uiuiui”.

Und das war die erste Überraschung: Thomas Neger kam einfach nicht an. Lag es am wirklich unruhigen Saal, an der Platzierung des Sängers, oder vielleicht an der Lied-Kombi? Tatsache ist: das Publikum applaudierte lauwarm, bestenfalls. Vielleicht wäre es doch besser, wenn der Thomas Neger einfach nur ein Lied singen würde – und zwar eben jenes “Humba Täterä”, das sein Großvater vor 50 Jahren erstmals von genau dieser Bühne schmetterte. Hat ja nicht jeder, so ein Jubiläum, und Mainz& findet: das sollte man auskosten!

Thomas Neger im Saal - Foto: gik
Thomas Neger im Saal – Foto: gik

Danach nahm der “Till” auf der Reichstagskuppel Platz und ließ spitzzüngig und mit feinem Humor das politische Geschehen an sich vorbei ziehen: FDP, GroKo, “Zeugen Seehofers” und “Ursula, die von den Laien”, alle bekamen ihr Fett weg.  Doch auch dem “Till” fehlte irgendwie der Schwung, was schade war, weil die Spitzen gut saßen und trafen. Zudem steht Friedrich Hofmann genau seit 20 Jahren als “Till” in der Bütt, bleibt also zu hoffen, dass das Fernsehpublikum am Freitag gnädiger zu ihm ist.

Überhaupt hing es an einigen Ecken und Enden der Sitzung: Da fiel das Mikrofon von Lars Reichow aus, dauerten Übergänge auf der Bühne sehr lang, und ständig erschreckten sich Publikum und Redner, weil mit lautem Krach! Luftballons vor lauter Hitze in der Höhe zerplatzten. Jürgen Dietz alias “Bote vom Bundestag” wäre fast aus seinem Vortrag gefallen, und das hat es ja wohl noch nie gegeben. Dazu passte es dann auch irgendwie, dass selbst der Vortrag des “Boten” Längen hatte.

Dabei setzt Jürgen Dietz seine Spitzen gegen Politiker und Gesellschaft gewohnt gekonnt, gerade zu Beginn war jeder Satz ein Treffer – etwa dieser hier: “Beim Finanzamt gilt: wer angibt, hat mehr vom Leben.” Doch leider baute der Altmeister der Mainzer Fastnacht gleich mehrfach Spitzen ein, die man aus den Vorjahren schon kannte. Und einmal kassierte der “Bote” gar richtiggehende Buh-Rufe aus dem Publikum – für eine zutiefst frauenfeindlich Passage. Und man wunderte sich, denn das hat der Jürgen Dietz doch gar nicht nötig…

Die erste Standing Ovation des Abends heimste übrigens Jürgen Wiesmann ein, der – direkt vor dem “Boten” – mit einem sehr traditionellen, gereimten Vortrag als “Ernst Lustig im Erziehungsurlaub” daher kam. Der ist zwar schwungvoll, verarbeitet aber auch jede Menge platte Rollenclichés über Männer und Frauen, und das im Jahr 2014… Zwischen Wiesmann und “Bote” kamen noch die “Altrheinstromer”, die mit einem wunderschönen Kostüm des “Schiffche Bootche” glänzen, musikalisch aber voll in ihrer Vergangenheit bleiben.

Mit diesem Start in die Fernsehsitzung hat das ZDF, so steht zu befürchten, dann gleich sämtliche jüngeren Zuschauer in die Nachbarsender vergrault. Eine Stunde und fünf Minuten sollten laut Plan jetzt erst vorbei sein, gute 1,5 Stunden waren es aber schon am Mittwoch. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen von Fernsehen und Vereinen am Mittwochnacht bei der Nachbesprechung richtig lange brauchten..

Altrheinstromer als Schiffsche Böötche - Foto: gik
Altrheinstromer als Schiffsche Böötche – Foto: gik

So richtig Fahrt nimmt die Sitzung nämlich dann mit “Guddi Guternberg” auf. Hans-Peter Betz hat in diesem Jahr wirklich einen starken Vortrag: Guddi teilt aus gegen SPD und Seehofer, lüftet das Geheimnis um Bischof Tebartz van Elst (Gollum!) und wickelt genüsslich die FDP ab – und Alice “Who the fuck is Alice!” Schwarzer gleich mit. Direkt danach verleiht Oliver Mager dem Publikum im Saal erstmals so richtig Schwung – auf einmal wurde getanzt, geklatscht und mitgesungen! So geht Mainzer Fastnacht, und das “Moguntia” ist ein totaler Ohrwurm…

Hier kommt der Schwung: Oliver Mager umringt von 05er-Mädels - Foto: gik
Hier kommt der Schwung: Oliver Mager umringt von 05er-Mädels – Foto: gik

Darauf setzen die Fernsehmacher Hans-Joachim Greb als “Hoppes”, und der kam mit seinem traditionellen Reim-und Schrei-Vortrag richtig gut an – auch weil er seine Duschszenen herrlich närrisch ausmalt. Danach kommen die Schnorreswackler, bei denen man sich fragt, wieso sie nicht ihren neuen Hit “So hoch wie der Dom, so lang wie der Rhein” schmettern dürfen. Der geht nämlich auch ins Ohr und wäre vielleicht schwungvoller als ihr Turbo-Medley aus vier Liedern.

Lars Reichow wiederum wirkte im Anschluss auch irgendwie langatmig, was vielleicht an dem ausfallenden Mikro lag, vielleicht auch am wirklich trägen Saal – oder eben an der Gesamtdynamik des Abends. So richtig rocken den Saal an diesem Abend – nach dem Ballett – vor allem zwei: Martin Heininger und Christian Schier mit ihrer “Meenzer KLOrakel”-Nummer. Genial, wie die beiden Gonsenheimer Sprache verdrehen, und aus der Wünschel-Ruth und dem Klemptner-Manni die besten Freunde machen.

Den furiosen Schlusspunkt aber setzt einer, der die ganze Sache auch begonnen hatte: Andreas Schmitt, diesmal in seiner Rolle als “Obermessdiener”. Der arbeitet sich durchs verflixte Kirchenjahr, erledigt nebenher “Onkel Tebartz”, der gerade gebaut hat, und erfindet flugs ein Erbrecht für den Mainzer Bischofssitz mit dem Ziel: “Lehmann forever”. “Ganz großes Kino”, sagt da staunend Jürgen Wiesmann, der den Schmitt als Sitzungspräsident vertreten darf.

Hofsänger mal anders - zumindest beim Licht - Foto: gik
Hofsänger mal anders – zumindest beim Licht – Foto: gik

Vor dem Finale aber kommen – genau: die Hofsänger. Das ZDF inszeniert die zu Anfang mit einer bombastischen Lichtkulisse, sensationell. Dann folgt , wie immer, ein Medley, das man inhaltlich kaum versteht, aber dem neuen Bass der Truppe Gelegenheit zum Glänzen gibt. Und dann folgen “Olé Fiest”, “Sassa”, “So ein Tag”, und eine Sendung von “Mainz bleibt Mainz” ist wieder einmal Geschichte. Das Ganze dauerte am Mittwochabend gute vier Stunden, da hatte der zweite Teil der Sendung Schwung gut gemacht 😉

Eines aber ist ja auch klar: Am Freitag ist die Fernsehwelt wieder ganz anders, das Publikum im Saal voller Polit-Promis – und “Mainz bleibt Mainz” bundesweit die Nummer eins. Macht Euch selbst ein Bild 😉

Info& auf Mainz&: “Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht” am Freitag, dem 28. Februar um 20.15 Uhr im ZDF. Live und in Farbe aus dem Kurfürstlichen Schloss in Mainz.

 

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