Seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab einem Jahr. Das stellt die Stadt Mainz vor große Probleme: Nicht nur, dass quasi am laufenden Band Kindergärten und Kindertagesstätten gebaut werden – es fehlt auch das Personal für die Kitas. Die Stadt Mainz ging deshalb in ihrer spanischen Partnerstadt Valencia auf die Suche. Mit Erfolg: 26 Erzieherinnen und Erzieher aus Valencia wurden am 7. Januar in Mainz begrüßt.

26 Spanische Erzieherinnen drängen sich im Valencia-Zimmer Mainzer Rathaus zum Begrüßungsfoto
Soooo viele Erzieherinnen für Mainz! Foto: gik

Mainz hat nämlich ein Problem, um das sie manch eine Stadt in Deutschland beneiden dürfte: die Stadt wächst. Mainz ist attraktiv, viele, die einst im Umland Häuser bauten, zieht es nun zurück nach Mainz. Dazu ist Mainz gerade auch bei jüngeren Menschen derzeit total beliebt: hier kann man gut feiern, die Stadt ist lebendig und hat eine hohe Lebensqualität gewonnen. Das zieht auch junge Familien an, und auch die wollen inzwischen im Mainzer Stadtgebiet wohnen.

115 Erzieher in 2014 gesucht

Der Mainzer Sozialdezernent, Kurt Merkator (SPD), seufzt deshalb jedes Mal, wenn die Sprache auf den Kinderboom kommt. Acht Kitas sollen 2014 noch gebaut werden, nur: wer soll darin arbeiten? „Wir brauchen bis Ende 2014 noch einmal 115 neue Erzieher“, sagte Merkator Mainz&. Doch die Mainzer seien ja nicht die einzigen, die Erzieher suchten, „es suchen alle“, seufzt er. Also verfielen die Mainzer auf die Idee, in der Partnerstadt Valencia anzuklopfen, „und siehe da – wir wurden eingelassen“, berichtete Merkator mit einem Schmunzeln.

Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist hoch, gerade unter jungen Leuten. Da kam das Angebot der Stadt Mainz gerade Recht: Mehr als 200 Bewerbungen habe man bekommen, sagte die Leiterin der Mainzer Delegation, Regina Deckwarth, Mainz&. 43 Bewerber wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen, 26 ausgewählt. Alle seien „fachlich hoch qualifiziert“, schwärmt Deckwarth, die Ausbildung in Spanien sei sehr hochwertig. Eingesetzt werden sollen sie nun verteilt im ganzen Stadtgebiet und nicht bei den jüngsten Kindern – der Sprache wegen.

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Job, Regenschirm, Kochbuch

Spanierin Dorado (rechts) & Patin Schmidt - Foto Kirschstein
Gut behütet: Spanierin Alba Dorado (r.) mit ihrer Patin Bianca Schmidt (l.) – Foto: Kirschstein

Und: die Stadt lockte mit unbefristeten Festanstellungen. Das brachte auch Alba Dorado nach Mainz. Die 24-Jährige studierte an der Uni Pädagogik und Psychologie, absolvierte danach noch eine Zusatzausbildung für kleine Kinder. Seit Juli 2013 lernt die Spanierin nun Deutsch, Ende Dezember kam sie nach Mainz – und ist begeistert. „Die Leute sind sehr nett hier“, sagte sie Mainz&. Ein kleines Apartment hätten ihr die Mainzer besorgt, schön sei das.So wichtig waren den Mainzern ihre neuen Mitarbeiter, dass sie die Gruppe mit einem Feuerwehrbus am Flughafen abholte. Beim Empfang am Dienstag gab’s zum Willkommen dann noch rote Regenschirme und ein interkulturelles Kochbuch. „Wir bekommen viel Hilfe“, sagt Dorado.

Patenprogramm der Stadt Mainz

Für die Hilfe ist Bianca Schmidt zuständig, Albas Patin. Schmidt ist selbst Erzieherin in einer städtischen Kita und hilft mit praktischen Tipps. „Wir haben Alba beim Umzug geholfen, für den Hund einen Tierarzt gesucht, sind mit ihr Essen gegangen“, berichtete Schmidt Mainz&. Es gebe „eigentlich keinen Tag, an dem wir nicht telefonieren.“ So spannend sei die Betreuung, sagt die Patin, dass sie nun selbst Spanisch lernen möchte.

Fastnacht auch in Valencia

Und damit sich die Neuen in Mainz auch wohlfühlen, gab’s auch gleich Ausflugstipps und den Hinweis, dass die Mainzer gerne Feiern… Außerdem feiern auch die Spanier in Valencia Fastnacht, erfuhr Mainz&, wenn auch nicht so ausgiebig, wie die Mainzer. Derzeit leben nur rund 500 Spanier hier, erfuhr Mainz& weiter, die 26 Erzieher, von denen manche sogar Mann und Kind mitbringen, sind also eine echte Verstärkung.

Merkator riet den jungen Zuwanderern dann noch, sie sollten von der aktuellen Einwanderungs-Diskussion nicht beirren lassen. „Wir freuen uns auf Sie, und das, was Sie mitbringen“, sagte Merkator, und fügte noch hinzu: „Bringen Sie sich ein, werben Sie für unsere Stadt und machen Sie Reklame! Wir brauchen noch mehr Leute…“

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