Nun also doch: Die Stadt Mainz wird zum ersten Mal Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen. Man werde für eine begrenzte Zeit Flüchtlinge in der Turnhalle der ehemaligen Peter-Jordan-Schule unterbringen, teilte die Stadt am Dienstag mit. Die ersten Flüchtlinge für das Gebäude am Hartenbergpark werden Mitte Dezember erwartet. Die Halle soll von maximal 70 Personen belegt werden, die Flüchtlinge sollen „nur so lange wie unbedingt notwendig“ dort bleiben.

Zimmer Flüchtlingsunterkunft in Mainz - Foto: gik
Wo gehen noch Betten hin, wo können Flüchtlinge wohnen? – Foto: gik

Damit tut die Stadt genau das, was sie bisher vehement abgelehnt hatte: Flüchtlinge in Turnhallen unterzubringen. Nun ist die Peter-Jordan-Schule keine Schule mehr, derzeit hat dort der Kunstverein Peng sein Domizil. Die Turnhalle aber wird von mehreren Sportvereinen genutzt, denen habe man „im engen Dialog“ geeignete Alternativen angeboten.

„Es wurde versucht, uns abzuzocken“

Offenbar weiß die Stadt nun endgültig nicht mehr, wohin mit den Flüchtlingen. Das liegt auch daran, dass ein Privathaus wegfiel, auf das die Stadt gehofft hatte – der Eigentümer machte der Stadt offenbar ein völlig überhöhtes Mietpreisangebot. „Es ist versucht worden, uns abzuzocken“, kritisierte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Dienstag bei der Jahresbilanz. Hier werde versucht, „mit der Not der Kommunen ein Geschäft zu machen“, sagte Ebling, und fügte hinzu: „Vielleicht gibt es noch Leute, die bereit sind uns zu einem vernünftigen Mietzins etwas anzubieten.“

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Klar ist, die Stadt würde derzeit einfach alles nehmen, was einigermaßen vernünftig ist. „Wir brauchen auch eine größere Zahl an größeren Wohnungen“, sagte Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD). Gerade sei eine zehnköpfige syrische Flüchtlingsfamilie gekommen, „ich weiß nicht, wie ich die in den kommenden drei  Jahren unterbringen soll“, sagte Merkator.

Flüchtlingsunterkunft Wormer Straße im Januar fertig

Pavillion der Flüchtlingsunterkunft in Mainz-Bretzenheim - Foto: gik
Pavillion der Flüchtlingsunterkunft in Mainz-Bretzenheim – Foto: gik

Und so könnte wohl in nächster Zukunft auch noch einmal ein Thema werden, die noch leer stehenden Gebäude in der Zwerchallee doch für Flüchtlinge zu ertüchtigen. Der Stadtrat hatte das eigentlich abgelehnt, um nicht mit den bereits wieder bewohnten Häusern eine zu starke Konzentration von Flüchtlingen an einem Ort zu schaffen.

Nun also wird es die Turnhalle in Hartenberg. Das Quartier wird von den Maltesern betreut, die dort auch ein Büro beziehen und die Flüchtlinge aufnehmen werden. Eine weitere Flüchtlingsunterkunft in der Wormser Straße soll zum 15. Januar 2015 fertig werden, dann könnten dorthin die Flüchtlinge aus der Turnhalle umziehen, ebenso aber auch diejenigen, die derzeit in der Alten Feuerwache in der Neustadt untergebracht sind – die alte Wache soll im neuen Jahr abgerissen werden.

Eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge soll in der Elly-Beinhorn-Straße zum 1. Mai fertig werden. Im Übrigen würden derzeit „alle denkbaren weiteren Standorte und Unterbringungsvarianten“ durch die Stadtverwaltung intensiv geprüft, sagte Merkator.

Hoffnung ruhen auf Bundeswehr-Kasernen

Und so ruht die Hoffnung der Stadt wieder einmal (und immer noch) auf den Kasernen der Bundeswehr. Der Bundestag hatte vor wenigen Wochen den Weg für eine unbürokratische und kostenlose Nutzung von leer stehenden Kasernengebäuden frei gemacht. Die Stadt habe umgehend ein Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr gerichtet, sagte Ebling, eine Antwort habe man noch nicht bekommen. „Wir sind hoffnungsfroh, dass sich da etwas bewegt“, sagte der OB, die Lebenserfahrung sage einem aber, „die Mühlen mahlen langsam…“

Das Problem der Stadt: sie hat keine Zeit mehr. Die Flüchtlinge kommen und Mainz muss 5,1 Prozent der nach Rheinland-Pfalz Kommenden aufnehmen. Nach aktuellen Prognosen werden für 2015 und 2016 noch einmal 600 Flüchtlinge erwartet – mindestens… Gut nur, dass die Hilfsbereitschaft der Mainzer weiter hoch ist. „Kein Aufruf bleibt unverhallt, keine Bitte um Unterstützung bleibt unbeantwortet“, lobte Ebling.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Problematik rund um die Flüchtlingsunterbringung lest Ihr hier, die Geschichte mit den Kasernen des Bundes steht hier.

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