Günter Beck machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Ich bin deprimiert, das gebe ich offen zu“, sagte der Bürgermeister und Sportdezernent (Grüne) am Sonntagnachmittag im Rathaus. Und in der Tat: das war kein schöner Gutenberg-Marathon an diesem 11. Mai. Regen, Sturmböen und eine eklige Kälte machten den Marathonis zu schaffen. Wer an diesem Sonntag Halbmarathon, Zwei-Drittel-Marathon oder sogar den vollen Marathon gelaufen sei, „der ist ein Held an sich“, sagte Beck.

BROSCHÜRE Foto Startschuss 2013
Da laufen sie im Trockenen, das war auch 2013… – Foto: Stadt Mainz

Kurz vor dem Start stand sogar der Start infrage: „Die Kollegen von der Polizei riefen an und warnten uns, dass da eine Front aus Heidesheim auf uns zu kommt“, berichtete Beck. Trotzdem habe er entschieden, den Marathon pünktlich zu starten: „Alles andere wäre Unsinn gewesen.“ Und so machten sich die Läufer mutig auf die Strecke, die in diesem Jahr von deutlich weniger Zuschauern gesäumt wurde.

Wer an der Strecke dabei sein wollte, brauchte eine Rundum-Ausrüstung aus Gummistiefeln, Regencape, warmen Pullovern – und Sonnenbrille. Die stürmischen Böen kühlten nicht nur die Läufer aus, sie wehten auch Absperrgitter in verschiedenen Bereichen um. In Hessen wurde Absperrmaterial gegen ein vorbeifahrendes Auto geweht,das darob Schaden nahm. Auch auf der Theodor-Heuss-Brücke wehte es stark.

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7.500 Läufer auf der Strecke

Trotzdem redete Beck von „einem großen sportlichen Wochenende“ – wahrscheinlich meinte er eher Mainz05 😉 Nein, im Ernst: Trotz wirklich widrigster Bedingungen gingen in Mainz rund 7.500 Läufer tatsächlich auf die Strecke – das nennen wir sportlich! Allerdings waren nur 1.102 Läufer davon auf der kompletten Marathon-Strecke von 42 Kilometern unterwegs. Ins Ziel kamen davon 1.088, davon 933 Männer und 155 Frauen.

Kein Streckenrekord und Überraschungssieger

Auch der Sieger war eine Überraschung: Lazarus Too aus Kenia entthronte den Favoriten Bane Tola und siegte in 2 Stunden, 12 Minuten und 38 Sekunden. Der Kenianer war eigentlich als Tempomacher gebucht worden, und nahm das wörtlich: Die erste Runde lief Too, die anderen im Schlepptau, unglaublich schnell, dafür habe es in Runde zwei „die Quittung gegeben“, sagte Marathon-Sprecher Ralf Peterhanwahr von der städtische Pressestelle.

Dazu hörte Too bei Kilometer 28 nicht einfach auf, sondern zog durch – und wurde mit dem Sieg belohnt. Rekordsieger Bane Tola kam am Ende auf den 5. Platz – enttäuscht und ausgepumpt.  Bis 5 Minuten vor dem Ende sei sogar noch ein Streckenrekord möglich gewesen, sagte Peterhanwahr, am Ende aber reichte es nicht. „Hätten wir normales Wetter gehabt, hätten wir einen Streckenrekord bekommen“, sagte er. Bei den Frauen siegte die Russin Tatiana Villisova in 2:37:18 Stunden, die Mainz-Siegerin von 2012.

5.833 Halbmarathonis

Das deutlich größere Feld war beim Halbmarathon unterwegs: 5.833 Läufer absolvierten die 21 Kilometer, oder versuchten es wenigstens. In diesem Feld gab es 3.836 Männer und 1.997 Frauen. Den Zwei-Drittel-Marathon: absolvierten 404 Läufer, davon 299 Männer und 105 Frauen. Von den Handbikern kamen 54 ins Ziel, nämlich 43 Männer und 11 Frauen. Daneben gab es ja auch noch den Schüler-Ekiden-Lauf – und wir wollen auch nicht die erstmals angetretenen Lehrer-Staffeln vergessen. Euch allen ein dickes Kompliment – Hut ab!

Ruhiger Job bei Sanitätern und Polizei

Positiv fiel auch die Bilanz der Sanitäter aus: Man habe deutlich weniger Hilfe leisten müssen, sagte der leitenden Notarzt Jens Kling: insgesamt nur 40 Mal. Ganze 5 Läufer mussten wegen Herz-Kreislauf oder ähnlichen Leiden behandelt werden müssen – klar, bei dem Regenwetter blieben Hitzeschäden aus. Dafür mussten die Notärzte 35 mal chirurgische Hilfe leisten: Zerrungen, umgeknickt, gestürzt, Schürfwunden, so sah die Palette aus. An der Kehrtwende auf der Wormser Straße sei es sehr glatt gewesen, dort seien viele Käufer gefallen, berichtete Kling, Gott sei Dank keiner schwer.

Rekord: 130 Falschparker abgeschleppt

Von einem ruhigen Marathon sprach auch die Polizei: Einmal habe es ein Gerangel in der Rheingoldhalle bei der Rucksack-Ausgabe gegeben, berichtete Einsatzleiter Hans-Günther Nagel. Ei8nen ganz und gar nicht ruhigem Marathon v erbrachte dagegen die Verkehrsüberwachung: 300 Verwarnungen gab es wegen Falschparkens – und 130 Autos wurden abgeschleppt, das waren doppelt so viele wie 2013.  Vor allem in der Neustadt wurde abgeschleppt: satte 95 Mal.

„Das liegt sicher daran, dass wir die Strecke geändert haben“, sagte Peterhanwahr. Dabei habe die Stadt im Vorfeld wirklich großflächig informiert, sogar 3.000 Briefe seien an Anwohner geschrieben worden. Ab dem frühen Morgen sei dann mit Lautsprechern Falschparker aus dem Bett gescheucht worden – gut für den, der noch rechtzeitig auf die Straße stürzten. Was wohl viele nicht verstanden hätten sei, dass auch in Nebenstraßen der Strecke Bereiche als Fluchtwege frei gehalten werden müssten, sagte Peterhanwahr.

Bürgermeister Beck vermutete außerdem, die Verkehrsschilder seien wohl auch im Schilderwald des Kommunalwahlkampfes untergegangen sein. Da könnte der Mann Recht haben… Trotzdem: Wir hatten Euch gewarnt!

Zuschauer deutlich unter 50.000

Bei dem widrigen Wetter blieben aber auch viele Zuschauer zuhause. „Im Start-Ziel-Bereich war eine Menge los, aber es gab auch verwaiste Ecken“, sagte Peterhanwahr, der den Marathon traditionell auf einem Motorrad an der Spitze begleitet. So hätten sicher deutlich weniger als die üblichen 50.000 Zuschauer die Strecke gesäumt. Umso dankbarer waren die Läufer für die anfeuernden Rufe von denen, die da waren – vielen Dank! Ihr seid Marathon!

Und so zog Bürgermeister Beck ein grummeliges Fazit: „Auf die Vorhersage verlass‘ ich mich nicht mehr“, sagte Beck. Er habe die Nacht zuvor noch lange durchs Internet gesurvt auf der Suche nach den Wetterprognosen. Dann sei er „beruhigt ins Bett gegangen“, denn bis Mitternacht habe es geheißen: „morgen ist’s trocken…“

Info& auf Mainz&: Wenn Ihr den Marathon noch nicht satt habt, könnt Ihr Euch ja schon mal das Datum für 2015 vormerken: am 10. Mai 2015 startet der 16. Gutenberg-Marathon. Und ja, es ist auch dann wieder der Muttertag 😉 Alle Infos rund um den Gutenberg-Marathon 2014 samt Ergebnissen findet Ihr unter www.marathon.mainz.de.

Warum immer am Muttertag?

Und warum nun findet der Gutenberg-Marathon ausgerechnet immer an Muttertag statt? Bürgermeister Beck hatte auf die Frage von Mainz& eine einfache Erklärung: Weil keiner gerne an Muttertag einen Kongress abhält, ist die Rheingoldhalle an dem Wochenende frei – und deutlich billiger als sonst. Der Mann ist eben auch noch Finanzdezernent 😉

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