Die Stadt Mainz steht den angekündigten Fluglärmpausen des hessischen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) skeptisch gegenüber. „Grundsätzlich kann über Fluglärmpausen der Fluglärm in der Region nicht gemindert werden“, teilte die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (auch Grüne) nun mit: „Es geht lediglich um die Verteilung von Fluglärm.“ Und so rechne die Verwaltung „grundsätzlich nicht mit einer deutlich wahrnehmbaren Fluglärmentlastung für Mainz.“

Macht gerade Pause: Flugzeugturbine am Frankfurter Flughafen - Foto: gik
Macht gerade Pause: Flugzeugturbine am Frankfurter Flughafen – Foto: gik

Anlass für Eders Antwort war eine Anfrage der FDP-Stadtratsfraktion im Vorfeld des heute tagenden Stadtrats. Darin wollte die FDP auch wissen, ob die Stadt eine Möglichkeit sieht, Fluglärmpausen für Mainz zu bekommen und was man unternehme, damit Mainz bei künftigen Planungen „stärker bzw. überhaupt wahrgenommen“ werde. Bislang hören die Lärmkarten der Hessen nämlich alle am Rhein auf, als wäre der eine Lärmschutzmauer.

Mainz will genauere Berechnungen

Die Lärmpausen sind übrigens ein Versprechen der Grünen, geboren aus der Koalition mit der CDU. Dabei hatte Al-Wazir der Region siebenstündige Lärmpausen versprochen, am 13. September hatte er Modelle vorgelegt, wie er sich die Umsetzung vorstellt. Fünf Modelle stellte der Minister vor, gemeinsam hatten sie alles eines: Auf der neuen Nordwestlandebahn wird es zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr nie eine Lärmpause geben. Für Mainz heißt das: Keine Ruhe in den frühen Morgenstunden. Könnt Ihr im Detail hier nachlesen.

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Die Stadt sagte nun, man werde die Modelle zusammen mit der kommunalen Initiative Zukunft-Rhein-Main „kritisch prüfen“, in der Sitzung der Fluglärmkommission am 24. September habe man zusätzliche Berechnungen und Auswertungen zu den einzelnen Lärmpausen-Modellen gefordert, dies sei zugesagt worden. Im Übrigen sei „erfreulich“, dass das hessische Wirtschaftsministerium „erstmals überhaupt aktiv Vorschläge zur Fluglärmentlastung erarbeiten lässt“, heißt es weiter, womit Dezernentin Eder natürlich Recht hat.

Rushour am Himmel über Mainz am 27.9., Samstagabend - Screenshot: gik
Rushour am Himmel über Mainz am 27.9., Samstagabend – Screenshot: gik

Lärmobergrenzen und technischer Fortschritt hilfreicher

Für eine echte Lärmreduzierung favorisiere die Stadt aber „Modelle zur dauerhaften Reduktion von Fluglärm“ – nämlich Lärmobergrenzen und Lärmreduzierung durch den technischen Fortschritt an Flugzeugen.

Tatsächlich dürfte das angesichts des erheblichen Widerstands der Luftfahrtindustrie gegen jegliche Beschränkungen des Flugverkehrs in der Rhein-Main-Region die realistischsten Möglichkeiten sein, den Fluglärm tatsächlich zu reduzieren. Zudem dürfte die Technik der beste Verbündete sein: Niemand hätte etwas gegen die Flugzeuge, wenn sie denn leise wären – na gut: fast niemand 😉

Vorrangig für die Stadt Mainz sei derzeit „die Mitgestaltung an einer kontinuierlich abzusenkenden Lärmobergrenze“, sagte Eder weiter. Und immerhin sei auf Drängen der Stadt Mainz das Fluglärmmessnetz des Forums Flughafen und der Region mit zwei Messstationen auf Mainz ausgeweitet worden. Und schließlich misst – man höre und staune – die Fraport seit dem 15. Mai auch den Fluglärm mit einer eigenen Messstation in Mainz.

Mainzer Fluglärm kommt in Fraport-System Franom nicht vor

Seltsam allerding: Im Fraport-System Franom, das die Lärmereignisse in der Region abbildet, kommt der Mainzter Lärm noch immer nicht vor – trotz Flugzeugstau am Himmel, was Ihr hier sehen könnt. Das mit der Fraport und der Wahrnehmung des Mainzer Lärms ist also weiter verbesserungsfähig.

Insgesamt, so lautet die nüchterne Bilanz der bisherigen Mainzer Bemühungen, verspreche allerdings für eine echte Abhilfe nur ein Weg Erfolg: Ein Erfolg der Klage der Stadt Mainz gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Flughafens Frankfurt. Bislang hatte allerdings kein Kläger gegen den Ausbaubeschluss Erfolg.

Info& auf Mainz&: Die Belastung von Mainz und der Region durch Fluglärm könnt Ihr am besten auf der Seite des Deutschen Fluglärmdienstes DFDL nachvollziehen. Hier kann man auch direkt Beschwerde bei der Fraport wegen erheblicher Lärmüberschreitung einlegen. Bitte seid sparsam damit, sonst entwertet Ihr echte Beschwerden!

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