Es hat ja schon mehrere Ausbrüche von Strick Art in Mainz gegeben, aber dieser hier ist etwas Besonderes: Eine Ortsvorsteherin persönlich hat jetzt Hand angelegt, die Strick Art kommt also quasi von offizieller Stelle. Sissi Westrich heißt die SPD-Ortsvorsteherin, die dem Mainzer Lerchenberg vor steht, und die rief vor einigen Wochen zu Spenden auf – zu Strickspenden nämlich. Was daraus wurde, war am Dienstagnachmittag auf dem Lerchenberg zu besichtigen: Eine wunderschöne Patchwork-Decke, die nun eine Schmuddelecke verschönert. Und trotz aller Offizialität der Strickerin, ist die Decke dennoch ein Underground-Projekt – sogar mit gesellschaftlichem Anspruch.

Drei hässliche Kästen - Foto gik
Drei hässliche Kästen – Foto gik

Es war einmal ein Schaltkasten der Deutschen Telekom, und der gammelte seit Jahren vor sich hin: Dreckig, unscheinbar, unschön – „seit 15 Jahren komme ich hier vorbei und ärgere mich über die dreckige Ecke“, berichtete Sissi Westrich Mainz&.

Natürlich sind Stromkästen und Schaltkästen notwendig, aber dieser eine Schaltkasten der Telekom steht ausgerechnet an einer exponierten Stelle: an der Hindemithstraße, direkt vor dem Hotel zum Lerchenberg. Ein gelber Briefkasten, ein Stromkasten und eben der Telekom-Schaltkasten machen das Trio an dieser Stelle aus – und kein sehr schönes.

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Sissi Westrich hatte in Bochum umstrickte Bäume einer New Yorker Künstlerin gesehen – und war fasziniert. Auch auf dem Lerchenberg gebe es schließlich Punkte, „die nicht so schön sind, aber an denen man nichts ändern kann“, berichtete Westrich, also warum nicht Strick Art einsetzen?

Also rief die Ortsvorsteherin zu Strickspenden auf, quadratischen Stücken von 10 mal 10 oder 20 mal 20 Zentimetern. Etwa 30 eifrige Stricker folgten dem Aufruf, die jüngste Strickerin war 10 Jahre, die älteste 76 Jahre alt. Sogar aus Wien kam ein Paket mit Strickware nach Mainz.

Und das Projekt wurde nicht nur generationenübergreifend, sondern auch Kultur verbindend: „Liebe für alle, Hass für keinen“, dieses zentrale Quadrat strickten ausgerechnet Frauen der muslimischen Ahmadiyya Gemeinde in Mainz. Und auch deshalb sagte Westrich, ja, das Projekt sei auch ein Stück Politik. Und ja, es habe auch Bedenkenträger gegeben, solche, die meinten, wenn schon stricken, dann für einen karitativen Zweck. „Sehr, sehr viele waren aber sehr begeistert“, erzählte Westrich.

Kasten Ensemble mit Decke und Westrich - Foto gik
Passt perfekt! – Foto gik

Eine halbe Nacht lang nähte die Ortsvorsteherin schließlich die Decke zusammen – und sie passt perfekt. Und Westrich hat noch genügend Strickspenden für ein weiteres Projekt. „Keine Angst, wir werden jetzt nicht den Lerchenberg einstricken“, beruhigt Westrich. Aber herumlaufen und schauen, ob es noch ein weiteres geeignetes Objekt gebe, das werde sie schon.

Denn es sei doch schön, dass sich Bürger engagierten für ihren Stadtteil, und schließlich sei ja auch die Botschaft, „dass man etwas verschönern kann, ohne es zu beschädigen.“ Und ja, die Aktion habe schon etwas von Underground, verriet Westrich: „Ich habe die Telekom nämlich nicht gefragt.“ Auch gut – dann tut Mainz& das eben 😉

Ihr kennt noch mehr Ecken in Mainz mit Strick Art? Dann her mit Euren Tipps oder auch Fotos! Wir gehen da mal auf die Suche…

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