Das Gefühl hatten wir ja immer schon, dass Trainer komische Entscheidungen treffen, wenn es eng wird, nun hat eine veritable Wissenschaftsstudie das bestätigt: Fußballtrainer tendieren zu irrationalem Verhalten, wenn sie unter Stress stehen. Für eine Studie in den Wirtschaftswissenschaften testeten Wissenschaftler ein Modell aus der Verhaltensökonomik an Fußballspielen und speziell Fußballtrainern, dabei ging es um die Frage, wie sich Menschen verhalten, wenn ein Ergebnis hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Fußball gucken Café 7 Grad in Mainz - Foto: gik
Mitfiebern, mitärgern – und auf den Trainer schimpfen. Zurecht. – Foto: gik

Exemplarisch ist das gerade bei Borussia Dortmund zu beobachten: Der Spitzenclub hängt in dieser Fußballsaison weit zurück, das kann man wohl als „bleibt hinter den Erwartungen zurück“ bezeichnen.. 😉 Und wir Mainzer leiden doch irgendwie immer noch mit „unserem“ Jürgen „Kloppo“ Klopp mit.

Der Mainzer Wirtschaftsprofessor Daniel Schunk hat jedenfalls gemeinsam mit dem britischen Kollegen Leif Brandes von der Warwick Business School in Großbritannien und Kollege Björn Bartling von der Universität Zürich das Verhalten von Trainern und Spielern in zwölf Saisons der deutschen Bundesliga und der britischen Premier League untersucht. Kurz gesagt: die Jungs haben eine Menge Fußballs geguckt 😉

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8.200 Spiele mit 22.460 Toren ausgewertet

Das taten sie allerdings akribisch und unter wissenschaftlichen  Prämissen: 8.200 Spiele mit insgesamt 22.460 Toren, 42.359 Einwechslungen und 30.694 gelben und roten Karten wurden ausgewertet. Die Analyse zeigte, dass Fußballtrainer wesentlich häufiger zu einer offensiveren Strategie übergehen, wenn ihr Team unerwartet zurückliegt. Dann wechselten die Trainer vermehrt Stürmer gegen Verteidiger ein – allerdings mit negativen Konsequenzen: Die Tordifferenz verschlechterte sich um 0,3 Tore pro offensivem Wechsel.

Zudem erhöhte ein offensiver Wechsel bei Rückstand die Anzahl der Gegentore stärker als die Anzahl der selbst geschossenen Tore – das Team hatte hinterher eine um 0,3 schlechterte Punktzahl. Wenn hingegen ein Rückstand den Erwartungen von Publikum und Trainer entsprach, zeigten sich solche Effekte nicht. Die Erwartungen an die Teams wurden von den Wissenschaftlern übrigens anhand von Sportwetten ermittelt.

85 Prozent mehr Karten wegen Tätlichkeit bei Rückstand

Clipart Grafik Fußballspieler schwarz-weiß
Fußball unter der Lupe – der Wirtschaftswissenschaften

Weiterer Effekt der Rückstands-Situation: die Schiedsrichter mussten bei einem unerwarteten Rückstand wesentlich mehr Regelverstöße ahnden. „Die Spieler haben während dieser Zeit 14 Prozent mehr gelbe oder rote Karten pro Minute (!) erhalten, das ist ein sehr signifikanter Unterschied“, sagte Schunk. Außerdem wurden in einer solchen Phase mehr Karten für Tätlichkeiten oder für Meckern angezeigt – klar, wenn die Emotionen hoch fliegen.

Besonders auf den Favoriten liegt eine hoher Erfolgsdruck, das könne psychischen Stress verursachen“, bilanzierten die Wissenschaftler. Und es kann eben „irrationales Verhalten auslösen, indem ein zu großes Risiko eingegangen wird, falls die Erwartungen nicht erfüllt werden.“ Das Ausmaß des Effekts sei enorm – Karten wegen Tätlichkeiten nahmen um 85 Prozent zu, wenn das Team unerwartet zurück lag.

Der Mensch handelt nicht nach Nutzenmaximierung

Die Ausgangsannahme also, dass sich Menschen nicht immer rational verhalten, wenn ein Ergebnis hinter ihren Erwartungen zurückbleibt, wurde voll bestätigt. Die „klassische“ Modellannahme der Wirtschaftswissenschaften jedoch, nach der der Mensch ein „Homo oeconomicus“ ist und rein nach Gesichtspunkten der rationalen Nutzenmaximierung agiert, war (mal wieder) nix.

Einfacher gesagt: Stress auf dem Platz führt zu mehr Körpereinsatz und Emotionen. Ach….Manchmal täte der Wissenschaft ja auch ein bisschen gesunder Menschenverstand gut. 😉 Das andere Ergebnis jedoch dürfte den Trainern zu Denken geben: Liegst du zurück, wechsle bitte nicht automatisch einen Stürmer ein. Schade eigentlich…

Die Studie mit dem offiziellen Titel „Expectations as Reference Points: Field Evidence from Professional Soccer“ erscheint demnächst in der renommierten Fachzeitschrift „Management Science.“

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