Höheres Lob geht nicht: „Et in Arcadia ego“, schrieb Umberto Eco ins Gästebuch des Gutenberg-Museums: Auch ich habe dieses Paradies gesehen. Eco bekam heute den Gutenberg-Preis der Stadt Mainz verliehen, einen würdigeren Preisträger als den Schriftsteller und Sprach-Philosophen lässt sich kaum vorstellen. Bei einem Festakt am Nachmittag wurde Eco der Preis feierlich überwiesen, am Morgen besuchte Eco aber das Gutenberg-Museum – und Mainz& war dabei.

Umberto Eco: Ankunft vor dem Gutenberg-Museum mit Dom - Foto: gik
Umberto Eco: Ankunft vor dem Gutenberg-Museum mit Dom – Foto: gik

Höflich, bescheiden, fast ein wenig verlegen, so stand der 82 Jahre alte Italiener am Donnerstagvormittag vor dem Gutenberg-Museum und lauschte höflich den Worten von Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Bei strahlendem Sonnenschein und zu Füßen des Doms wurde um die Wette gestrahlt, und Eco ging mit großen Augen an die Besichtigung. Schon im Durchgang faszinierte ihn die Barockdecke, im Gutenberg-Museum dann staunte er über einen Kupferstich aus dem Jahr 1690.

Umberto Eco legt Hand an die Druckerpresse

Und dann ließen sich Eco und seine Frau Renate die Gutenberg-Presse erklären, deren Nachbau im Vorführkeller des Museums steht. Er habe einmal eine Gutenberg-Bibel gesehen, erzählte Eco, im Vatikan in Rom. An der Druckerpresse durfte Eco selbst Hand anlegen, um die Presse herunter zu drücken, echte Schwerstarbeit, stellte er fest, und stemmte sich mit aller Kraft gegen den Hebel.

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Danach wurde natürlich der frische Druck bestaunt, eine Seite der Gutenberg-Bibel, die Eco natürlich mit nachhause nehmen durfte. Und noch ein Geschenk bekamen Eco und seine Frau: Das kleinste Buch der Welt, in dem das Vaterunser in sieben Sprachen gedruckt ist – ein Millimeter kleiner Winzling.

Meister der Literatur, der Sprache und der Geschichtenerzähler

Umberto Eco und das kleinste Buch der Welt - Foto: gik
Umberto Eco und das kleinste Buch der Welt – Foto: gik

Eco ist natürlich in erster Linie als Romanautor bekannt, der 82-Jährige war aber auch Professor für Semiotik, der Wissenschaft der Zeichensysteme an der renommierten Universität von Bologna. Dazu war Eco Literaturwissenschaftler, Dozent für Ästhetik, bis heute ist er Geschichtenerzähler und einer der letzten großen, umfassend gebildeten Humanisten unserer Zeit. Vielleicht lag es ja an seinem Geburtsort Alessandria im Piemont, wo Eco am 5. Januar 1932 zur Welt kam – stand einst lag im ägyptischen Alessandria einst die größte Bibliothek der Welt.

Der mit 10.000 Euro dotierte Gutenberg-Preis wird übrigens im Wechsel mit der Stadt Leipzig vergeben, Eco erhält ihn auch für seine Interpretationen erzählender Texte und seiner Äußerungen zur Rolle und Bedeutung der Kreativität von Literatur in der Gesellschaft. Und weil er sich gerade in den zurückliegenden zehn Jahren mit der Rolle und Bedeutung des Buches in Geschichte, Gegenwart und Zukunft beschäftigt hat, wie es in der Begründung heißt.

Arkadien – Sehnsuchtsland der Dichter

Kein Wunder also, dass Eco mit seinem Eintrag ins Gästebuch eine der großen Metaphern der Kulturgeschichte des Abendlandes benutzte: „Et in Arcadia ego“. Arkadien war einst in der Antike ein idealisiertes Land der Hirten und die imaginäre Heimat der Dichter und Poeten. Der römische Dichter Vergil versetzte die Idylle – Eidyllia – des griechischen Dichters Theokritos in die griechische Landschaft Arkadien, im romantischen Barock wurde dies zur großen Sehnsucht der Dichter nach dem idealen Ort der Muße, der Natur und der Dichtung.

Ecos Arkadien lag zumindest am Donnerstag klar in Mainz: Das Gutenberg-Museum, der Hort der Erfindung der Druckkunst. Was für ein Lob. Und als Mainz& fragte, was ihm der Gutenberg-Preis denn bedeute, antwortete Eco: Der Buchdrucker Gutenberg sei „der Christoph Columbus“ der Bücher gewesen, die Bibel und die Buchdruckkunst aber seien „eines der großen Heiligtümer der Welt.“

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