Das Verwaltungsgericht Wiesbaden wird am Montag keine Entscheidung in Sachen Lesselallee fällen. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung, die Vorbereitungen zur Fällung der 74 Kastanien auf der Maaraue bei Mainz zu stoppen, sei erst am Donnerstagnachmittag eingegangen, sagte eine Gerichtssprecherin Mainz&. Nun habe die Stadt Wiesbaden erst einmal einige Tage Zeit, Stellung zu nehmen.

Baumhöhle mit Bauschaum verschlossen - Foto: gik
Bauschaum in Baumhöhle: Ist das eine Fäulnisstelle? – Foto: gik

„Wir haben die Stadt zur Stellungnahme aufgefordert“, sagte die Sprecherin weiter. Damit könne eine Entscheidung noch diese Woche fallen, sich aber auch in die kommende Woche hineinziehen.“Eilig ist manchmal relativ“, fühte die Gerichtssprecherin hinzu.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hatte am Donnerstag den Eilantrag gestellt um zu erreichen, dass sich die Stadt Wiesbaden „an den juristisch korrekten Weg halte und auch wirklich alle Naturschutz- und Artenschutzprüfungen erfolgen“, sagte Geschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe.

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Franz: Nur Faulstellen verschlossen

Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) wies unterdessen am Montag die Vorwürfe zurück, mit der Bauschaum-Aktion vergangene Woche seien Bruthöhlen verschlossen worden. Bei einer Begehung am 1. Oktober sei festgestellt worden, „dass nur Bruch- und Faulstellen, die sich aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht als Brut- und Lebensstätten eigneten, verschlossen wurden“, betonte Franz. Damit gebe es auch keinen Verstoß gegen Natur- und Artenschutz.

Von Eisenhart Rothe mit unverschlossener Baumhöhle - Foto: gik
Diese Baumhöhle blieb unverschlossen, zeigt von Eisenhart Rothe in der Lesselallee – Foto: gik

Das, mit Verlaub, ist eine abenteuerliche Behauptung, schließlich hat das Wiesbadener Grünamt – das Franz untersteht – tagelang argumentiert, mit dem Bauschaum seien Bruthöhlen verschlossen worden, um eben in Vorbereitung auf die Fällung eine neue Besiedelung zu verhindern. Dies wurde Mainz& gesagt, was Ihr hier nachlesen könnt – und dies wurde von Eisenhart Rothe bei einer Begehung ebenfalls gesagt – woraufhin der Forstexperte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellte. Das macht man auch nicht einfach so.

Goßmann tischte Behauptung mit den Faulstellen auf

Die Begründung, man habe Faulstellen verschlossen, tauchte vergangenen Donnerstag urplötzlich in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung auf und wurde von Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) verbreitet. Und damit Ihr nicht denkt, wir wären die einzigen, die das komisch finden, zitieren wir jetzt mal die Kollegen von der AZ: „Dass die Löcher in den Kastanien in der Lesselallee mit Bauschaum zugesprüht worden sein sollen, um die Fäulnisstellen auszubessern, hört sich wie kompletter Blödsinn an.“

Auch auf der Facebook-Seite der Initiative „Rettet unsere Kastanien“ wird Unverständnis geäußert, warum man Faulstellen an Bäumen verschließen sollte, die man ohnehin fällen will?! Unverständlich ist auch, warum SPD-Bürgermeister Goßmann sich für so etwas hergibt – dass hier im Nachhinein eine illegale Aktion gerechtfertigt werden soll, ist eigentlich jedem klar, der sich ein wenig mit der Lesselallee beschäftigt hat. Spannend dürfte auch sein, ob sich die Staatsanwaltschaft auf diese Argumentation einlässt.

Vorbereitungen für Fällung gehen weiter

Dezernent Franz betont nun jedenfalls, die potenziellen Brut- und Lebensstätten seien weiterhin vorhanden und würden „im zweiten Teil der artenschutzrechtlichen Begutachtung direkt vor der Fällung nochmals untersucht.“ Parallel dazu seien „am vergangenen Mittwoch Ersatzquartiere aufgehängt worden.“

Die Stadt Wiesbaden treibt also die Vorbereitungen für die Fällung der uralten Kastanien weiter voran – ungeachtet der Tatsache, dass der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) zugesagt hat, vor der Entscheidung des Gerichts werde nicht gefällt. Dann hoffen wir mal, dass das auch Dezernent Franz gehört hat… Der wiederum verschickte am Montag ein Rechtfertigungsschreiben mit satten 22 Punkten an die Presse, der Druck auf den CDU-Mann, der sich selbst an erster Stelle als Ordnungsmann sieht, scheint zu wachsen.

Info& auf Mainz&: Das Medieninteresse an dem Thema wächst unterdessen weiter: Inzwischen berichten Frankfurter Rundschau, Wiesbadener Kurier, Allgemeine Zeitung, Rhein-Zeitung, Frankfurter Neue Presse, der Hessische Rundfunk in seinem Radioprogramm hr3 und gestern sogar die Kindernachrichtensendung Logo über den Fall. Nur damit Ihr nicht denkt, wir wären hier die Einzigen, die das Thema bewegt 😉

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