Wieviel Platz bietet die Generalfeldzeugmeister-Kaserne (kurz: GFZ) in der Mainzer Oberstadt – und wieviel Zukunft schlummert auf dem Gelände? Das war die Frage, der die ÖDP zusammen mit Neugierigen am frühen Montagabend nachging, buchstäblich: Die ÖDP hatte zu einem Spaziergang über das Kasernen-Gelände geladen. Und dabei zeigte sich: Das Gelände bietet enorme Chancen für die Zukunft. Die ÖDP fordert deshalb nun, schon jetzt mit den Plänen zu beginnen.

Schmid vor altem Bürohaus GFZ Kaserne - Foto: gik
Oberstleutnant Herbert Schmid vor einem alten Bürohaus in der GFZ-Kaserne – Foto: gik

Der Grund für die Aktion: Die Bundeswehr will die GFZ-Kaserne räumen und ihre Truppen in der Hechtsheimer Kurmainz-Kaserne bündeln. 2019 steht dafür als Datum im Raum, doch ob das auch so kommt, ist noch völlig ungewiss. Die Gruppe wurde von niemand geringerem als dem Kasernen-Kommandant persönlich geführt. Und Oberstleutnant Herbert Schmid warnte eindringlich vor zu großer Euphorie.

Das Datum des Umzugs „steht in Abhängigkeit von den Baumaßnahmen in der Kurmainz-Kaserne“, betonte Schmid ausdrücklich. Will sagen: Erst muss in der Kurmainz-Kaserne alles fertig zum Umzug sein, erst dann wird die GFZ-Kaserne frei gegeben. Und da 2019 ja schon in fünf Jahren ist, behaupten wir jetzt mal: das wird eng. Es könne sogar sein, dass die Bundeswehr-Mannschaft in der GFZ-Kaserne noch einmal kurzzeitig aufgestockt werde, verriet Schmid.

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Viel Platz in der GFZ Kaserne - Foto: gik
Viel Platz in der GFZ Kaserne – Foto: gik

Das 10 Hektar große Gelände weckt Begehrlichkeiten bei den Mainzern, schließlich ist Wohnraum in der Stadt knapp, auf dem Kasernengelände aber sind viele freie Flächen. Wohnungen könnte man hier bauen, auch kleine Einfamilienhäuser. Die ÖDP wünscht sich hier ein Stadtteilzentrum mit Jugendtreff und Räumen für die Ortsverwaltung.

Besonders ein Gebäude, das K1 direkt links vom Eingang, ruft Sehnsüchte hervor. Das große Bürohaus ist nämlich zum Großteil leer, gerade einmal 8 bis 10 Leute arbeiten hier noch. Dazu verfügt das Haus im Anbau einen Veranstaltungssaal mit Bühne, optimal eigentlich. „Hier liegt ein großes Haus brach“, sagte Dagmar Wolf-Rammensee, ÖDP-Ortsbeirätin, bei dem Rundgang.

Oberstleutnant Schmid vor Bürogebäude GFZ Kaserne - Foto: gik
Oberstleutnant Schmid vor seinem Büro in der GFZ Kaserne – Foto: gik

Doch Oberstleutnant Schmid bremste die Erwartungen und machte klar: Die Wege der Bundeswehr sind verschlungen. Er sei zwar der Kommandant der Kaserne, was damit aber geschehe, das falle nicht in seine Zuständigkeit: „Wir denken hier nicht in die Zukunft“, sagte Schmid schmunzelnd, das sei Aufgabe der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, also dem Hausverwalter des Bundes. „Wir sind hier Militär“, unterstrich Schmid, „wir haben da keine Ahnung.“

Rund 200 Soldaten arbeiten derzeit in der GFZ-Kaserne, sie sind die territorialen Beschützer für Mainz und Rheinhessen. Zum Einsatz kämen sie etwa im Fall einer Katastrophe oder von Hochwasser, was wir in Mainz ja glücklicherweise gar nicht so kennen. Feldjäger gehören zur Besatzung der Kaserne, eine Hundestaffel, eine Sanitätsstaffel und viel Büropersonal, auch Büroarbeiter aus dem zivilen Bereich.

Neues Ganymed Bürohaus - Foto: gik
Die neue Ganymed Zentrale auf einem Stück GFZ Kaserne – Foto: gik

Rund ein Dutzend Häuser stehen auf dem Gelände, alle wurden in den 1950er Jahren gebaut. Der Sanierungsstand sei nicht besonders gut, sagte Schmid. Eine Sporthalle steht mitten im Gelände, die Halle ist wegen Baumängeln geschlossen, eine Nutzung wäre fraglich. Direkt dahinter ist ein großes, freies, rundes Gelände – der Hubschrauberlandeplatz. Hier wird bereits mit dem benachbarten Vincenz-Krankenhaus kooperiert, im Notfall dürfte hier ein Hubschrauber der Klinik landen.

Ansonsten aber ist das Gelände ein closed shop. Nur eine kleine Ecke gegenüber der Klinik wurde abgeteilt, gerade wurde hier der Firmensitz der BioNTech Gruppe und der Ganymed AG eröffnet. Beim Blick auf das hochmoderne Bürohaus wird der Kontrast zu den Kasernen-Häusern noch einmal umso deutlicher. „Der Bürobau war möglich, weil hier vorher nichts stand“, betonte Schmid, und damit meinte er tatsächlich nichts.

Die übrigen Häuser auf dem Gelände sind nämlich durch Versorgungsleitungen miteinander verbunden, ein Haus so einfach da rauslösen, das gehe gar nicht, meinte der Kommandant. Und wenn es doch gehe, werde das sehr kostspielig für einen Investor. „Bei uns sind alle Gebäude in Nutzung, und zwar in militärischer Nutzung“, stellte Schmid klar.

Gebäude K1 GFZ Kaserne mit Schmid und Moseler - Foto: gik
Objekt der Begierde: das Gebäude K1 in der GFZ Kaserne – Foto: gik

So viel dann auch zur Forderung, der Bund möge Kasernengebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen frei geben. Diese Forderung hatte Sozialdezernent Kurt Merkator im September erhoben und einen eindringlichen Appell an den Bund gerichtet und mit Blick auf die Kasernen von „weißen Flecken auf der Landkarte“ gesprochen.

Schmid sagte nun, für eine solche Nutzung müsse eigentlich der Oberbürgermeister der Stadt einen Antrag auf Amtshilfe stellen, bei ihm sei ein solcher Antrag bisher nicht eingegangen. Und da ja auch kein Gebäude komplett leer stehe, wäre das sowieso schwierig umzusetzen.

Die ÖDP fordert in jedem Fall ein Gesamtkonzept für Wohnen und Gewerbe auf dem Kasernen-Gelände. „Die Planungen müssten jetzt begonnen werden“, sagte ÖDP-Fraktionschef Claudius Moseler. Die Abzugspläne der Bundeswehr könnten sich zwar noch ändern, dennoch sei es sinnvoll, sich bereits jetzt Gedanken zu machen. „Man muss sehen, welche Möglichkeiten es hier gibt“, betonte Moseler: „Es gibt ein großes Potenzial an Flächen.“

 

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